180 Die Diskontpolitik.
obwohl der Transvaalkrieg fortdauerte und der Betrieb der Goldminen am Rand noch
nicht wieder aufgenommen werden konnte. Dagegen hat die Ansicht, daß der aus der
ungewöhnlichen Hochkonjunktur von Industrie und Handel hervorgegangene innere Geldbedarf
als die eigentliche Ursache der außerordentlichen Knappheit des Geldmarktes und
der alles bisher dagewesene übertreffenden Anspannung der Reichsbank anzusehen ist,
eine volle Bestätigung erfahren. Trotz aller ungünstigen Verhältnisse, trotz der chinesischen
Wirren und des damit zusammenhängenden Geldbedarfs der Reichsregierung und trotz
der Erschütterung des Pfandbrief, und Hypothekenmarktes, hat die starke Anspannung
mit dem Eintritt der Abschwächung der wirthschaftlichen Hochkonjunktur eine gewisse
Milderung erfahren. Wenn nunmehr nach einer Reihe von Jahren der lehhaftesten
Geschäftsausdehnung die deutsche Volkswirthschaft in ruhigere Bahnen einlenkt, und wenn
die politischen Verhältnisse sich günstig gestalten, dann dürften auch die Zinssätze in
Bälde wieder auf ein normales Niveau zurückkehren.
Rückblick.
Wie in der Einleitung zu diesem Abschnitt dargelegt wurde, hatte die Reichsbank
vermittelst ihrer Diskontpolitik im Wesentlichen die Aufgabe zu erfüllen, die Räcksicht
auf die unbedingte Einlösbarkeit ihrer Noten zu vereinigen mit der Befriedigung des
im Ganzen erheblich steigenden Geldbedarfs der deutschen Volkswirthschaft. Bei der
geschichtlichen Darstellung der Diskontpolitik wurde gezeigt, welche besondere Gestaltung
diese Aufgabe in den einzelnen Wirthschaftsperioden angenommen und welche Maßregeln
die Reichsbank zu ihrer Erfüllung ergriffen hat. Jum Schluß seien nun die Gesammtergebnisse
der Diskontpolitik der Reichsbank in einer kurzen Uebersicht zusammengefaßt.
Dabei ist von vornherein daran zu erinnern, daß die Reichsbank sich die Durchführung
ihrer Diskontpolitik erheblich erleichtert hat durch ihre zur Ersparung von Baargeldübertragungen
geschaffenen Institutionen, durch ihren Giroverkehr und ihr Abrechnungswesen.
Die Umsätze im Giroverkehr, die bei der Preußischen Bank nur ganz geringfügig waren,
haben bei der Reichsbank im Jahre 1900 164 Milliarden Mark betragen; davon
wurden 136 Milliarden Mark ohne die Vermittelung von Baargeld durch Verrechnungen
und Buchübertragungen bewirkt. Die Umsätze der von der Reichsbank ins Leben
gerufenen Abrechnungsstellen, die sich gänzlich durch Verrechnungen und Buchübertragungen
auf Girokonto der Reichsbank vollziehen, haben sich 1899 auf 30 Milliarden, 1900 auf
29 Milliarden Mark belaufen. Die Umsätze im Giro= und Abrechnungsverkehr der Reichsbank
beliefen sich im Jahre 1900 zusammen auf 193 Milliarden Mark (vergl. Tab. 34, 41).
Durch die Ausbildung dieser Einrichtungen hat die Reichsbank bewirkt, daß die
Vermehrung der Umsätze, die in den 25 Jahren ihres Bestehens in Folge der glänzenden