Full text : Blätter für Rechtsanwendung. LII. Band. (52)

In  der  Geschichte  wurde  das  Zeitalter  der  Reformation  durchgenommen
  und  der  Anfang  vom  30ährigen  Kriege.  Obwohl  diese
Periode  auch  höchst  interessant  ist,  so  habe  ich  sie  doch  nicht  ganz  so
gern,  weil  schon  der  Anfang  des  Verfalles  des  deutschen  Reiches
sich  bemerkbar  macht,  dagegen  in  der  Nitterzeit  das  schöne  Römische
Reich  Deutscher  Nation  so  recht  in  seiner  Kraft  und  Fülle  war  und
an  der  Spitze  der  ganzen  damaligen  zivilisierten  Welt.2

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Nicht  erwähnt  wurde  von  dem  Oberprimaner  in  seinem  „Lebenslauf“,
  daß,  wie  er  bitter  empfand,  der  Geschichtsunterricht  mit  dem
30sährigen  Kriege  aufhörte  und  daß  von  dem  wetteren  Gang  der
Entwicklung  nichts  mehr  gelehrt  wurde,  geschweige  denn  von  der
Gegenwart.  Es  ist  nicht  zu  leugnen,  daß  der  Geschichtsunterricht
nicht  auf  der  Höhe  stand,  die  für  ein  preußisches  Gymnasium  verlangt
werden  muß  zum  Nachteil  der  vaterländischen  nahm  die  griechischrömische
  Geschichte  den  weitaus  größten  Raum  ein.  Aber  auch  diese
beschränkte  sich  hauptsächlich  auf  die  Aufzählung  von  Tatsachen,
während  die  Charakteristik  von  Herrschern  und  Staatsmännern,  sowie
  Beschreibung  der  Sitten,  Gebräuche  und  des  Gelsteslebens  der
Völker  sehr  stiefmütterlich  behandelt  wurden.  Die  vaterländische
Geschichte  wurde  nur  recht  allgemein  vorgetragen,  ohne  Begessterung
für  den  nationalen  Gedanken  erwecken  zu  wollen.  Die  Schuld  lag
am  System  des  Lehrprogramms,  nicht  an  dem  sehr  tüchtigen  Historiker
Dr.  Hartwig,  der  in  späteren  Zeiten  nach  der  Schulreform  der  Leiter
des  ersten  Reformgymnasiums  wurde.

Der  andere  Vorwurf,  den  ich  dem  damaligen  Gymnastum  mache,
lautet  dahin,  daß  die  Erziehung  unter  vorwiegend  philologischem
Einfluß  auch  einen  philologischen  Charakter  erhielt.  Ich  habe  während
melner  Schulzest  beobachten  können,  daß  zwar  große  Begetsterung
für  1870/71  und  für  das  neue  Resch  in  den  Knaben  vorhanden

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