20 Der „märkische Junker“ Franz Ziegler’s und der
gleichgültig, ob Sie reden, oder ob der Wind durch den
Schornstein geht; ich glaube kein Wort von dem, was Sie
sagen."
Eine Enttäuschung treibt ihn sogleich an das Ende aller
Dinge und verleidet ihm den ganzen Boden, den er soeben erst
mit grossen Vorsätzen betreten hatte. Eine so natürliche Sache
wie die, dass Oesterreich die reservirte Haltung Preussens im
ichisch-italienischen Krieg für den Fall eines damals nicht
unwahrscheinlichen französisch-preussischen Kriegs mit derselben
reservirten und nur auf das eigene Interesse bedachten Haltung
vergelten werde, stimmt ihn weltschmerzlich und macht ihm das
ganze Menschenmaterial, welches er in seinen Calculs ordnen
wollte, von Herzen gleichgültig. So schreibt er in seiner, auf
den Ton „gänzlicher Wurschtigkeit“ gestimmten Betrachtung
aus Petersburg, wohin er von Frankfurt aus versetzt war, den
2. Juli 1859: „Wie Gott will. Es ist hier alles doch nur eine
Zeitfrage, Völker und Menschen, Thorheit und Weisheit, Krieg
und Frieden, sie kommen wie Wasserwogen und das Meer
bleibt. Es ist ja nichts auf dieser Erde als Heuchelei und
Gaukelspiel, und ob nun das Fieber oder die Kartätsche diese
Maske von Fleisch abreisst, fallen muss sie doch über kurz oder
lang und dann wird zwischen einem Preussen und einem Oesterreicher,
wenn sie gleich gross sind, doch eine Aehnlichkeit eintreten,
die das Unterscheiden schwierig macht; den speecifischen
Patriotismus wird man allerdings mit dieser Betrachtung
los, aber es wäre auch jetzt zum Verzweifeln, wenn wir
auf den mit unserer Seligkeit angewiesen wären.“
Wer. so leichtherzig zum Extrem der Vaterlandlosigkeit
übergeht, ist auch eben so schnell mit dem Entschluss fertig,
dem öffentlichen Leben Valet zu sagen. So schreibt unser
philosophischer Denker, als ihm beim Beginn der neuen Ära
auf seiner Frankfurter Warte die Aussichten für seine persönliche
Stellung ungewiss erschienen, den 12. November 1858:
„wenn ich die Rolle eines Gentleman und des Diplomaten nicht
mehr mit einander verträglich finde, so wird mich das Vergnügen
oder die Last, ein hohes Gehalt mit Anstand zu dispensiren,
keine Minute in der Wahl beirren. Nach dreissig Jahren wird
es mir wohl gleichgültig sein, ob ich jetzt Diplomat oder Landjunker
spiele. Nach Neune ist Alles vorbei, sagt der
Schauspieler.“
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