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bringen konnken, um von dem Erlöse die Steuern zu bezahlen und
das Unentbehrlichste einzukaufen. Mit Ausnahme eines Maurers,
eines Schreiners, eines Zimmermanns und eines Schmieds, ohne
welche Handwerker auch die unbedeutendste Niederlassung nicht bestehen
kann, war in dem Dorfe nichts von Gewerbefleiß zu finden.
Dazu fehlte es an aller Tätigkeit, an jedem Unternehmungsgeiste.
An diese elenden Zustände knüpfte sich dann jene Eifersucht,
die sich der Armen gegenüber denen, die in besserer Lage sind,
leicht bemächtigt. Denn die Armen leben oft in dem Irrtum, was
die andern besitzen, sei ihnen genommen, und sehen nicht ein, daß
der Reichtum wieder Neichtum erzeugt und die Armut aller nur das
Elend des einzelnen fortpflanzt.
Kamen Bürger aus der Stadt um sich in der Gemeinde anzukaufen,
so wurden sie von den Ortsangehörigen mit scheelen Augen
angesehen. Während sie sich über den Zufluß von Kapitalien, der
den Güterwert erhöht und den VLertkehr belebt, hätten Glück wünschen
sollen, wurden sie ärgerlich über eine Konkurrenz, die ihnen
den Preis des Feldes erhöhte, um dessen kleinste Stücke sie sich
zankten. Wenn auch die schöne Lage des Dorfes Fremde anzog,
konnte sich doch niemand daselbst niederlassen, da er die Beute der
kleinlichsten Anfechtungen zu werden fürchten mußte.
Schon der bloße Anblick der Mehrzahl der Dorfwohnungen
kündigte das Elend und die Noheit der Bewohner an; einige
dieser Wohnungen schienen mehr zur Aufnahme von Tieren als
von Menschen geeignet. Es waren enge Hütten, mit der Türe als
alleinigem Luftloch und einem einzigen Raum im Innern, in welchem
ater, Mutter und Kinder zusammen lebten. Der Boden, aus
Erde gestampft und niedriger als die Umgebung, unterhien eine
beständige Feuchtigkeit. Rechnet man dazu Mangel an Luft, Licht
und Reinlichkeik, oft auch an genügender Nahrung, so konnte es
nicht fehlen, daß die Kinder schwächlich und ungesund, entweder
im frühen Alter weggerafft wurden oder ihr Leben lang nichts
leisten konnten. Außerhalb der Häuser sah man eine Anhäufung
von Abfällen und Unrat aller Art, stehende, stinkende Wasser und
fützen von Jauche. Das war der Anblich, den die Gemeinde bot.
IZm übrigen bemerkte man nichts von jenen lachenden Baumgärten,
die vielen Dörfern ein so reizendes Aussehen geben; nichts
von den Einfassungen, den Blumenrabatten, die bei einer so grogen
Zahl von Landbewohnern zugleich den Wohlstand und den Geschmack
für feinere Lebensgenüsse bekunden. Kaum sah man bei
einigen Hütten fünf oder sechs verkrüppelte Obstbäume und zwei
oder drei Krautgärtchen mit zerfallenem Zaun, schlecht gegen das
Eindringen der Haustiere geschützt.
Schritt man durch das leblose Dorf, so hörte man höchstens
einige klatschsüchtige Gevatterinnen, die ihre bösen Zungen aneinander
wetzten, oder das Geschrei sich selbst überlassener, auf der Straße