Benisches Reich. (Januar 30.) 77
Dr. Marie Elisabeth Lüders geleitet wird, geschaffen, ferner bei jeder Kriegsamtstelle
eine „Frauenarbeitshauptstelle“ unter Leitung einer Referentin.
Nach Bedarf sollen auch „Frauenarbeitsnebenstellen“ eingerichtet werden.
Als allgemeine Richtlinie für die Tätigkeit der Frauenarbeitszentrale
und ihrer Unterorgane wird folgender Arbeitsplan aufgestellt:
1. Die F. hat die Aufgabe, mit dem Ziele höchster Produktionssteigerung alle
die Maßnahmen in die Wege zu leiten, die die Arbeitsfähigkeit und Arbeitswilligkeit
der weiblichen Arbeitskräfte jeder Art fördern. 2. Die F. hat deshalb
darauf hinzuwirken, daß alle Arbeitshemmnisse für Frauen nach Möglichkeit
beseitigt werden. Das bedingt: a) Maßnahmen zum Schutze der
Gesundheit; b) Bereitstellung geeigneter Erholungsräume, Wohn= und Schlafgelegenheiten;
c) Beschaffung angemessener Berufskleidung; d) Verbesserung
der Beförderungsverhältnisse und Verkehrsmittel; e) Verbesserung der Organisation
der Nahrungsmittelbeschaffung und -verteilung für die Frauen. 3. Neben
der Fürsorge für die Erhöhung der persönlichen Arbeitsfähigkeit der Frauen
muß die F. Einrichtungen treffen, die dem Wohle der zu den Frauen gebörigen
Familienmitglieder dienen und dazu beitragen, die Arbeitswilligkeit
zu erhöhen: Ausgestaltung von Pflegestellen, Krippen, Bewahranstalten,
Kindergärten, Horten, Stillstuben, Mütter-, Säuglings-, Kleinkinderberatungsstellen
usw., Einstellung von Haus-, Gemeinde-, Landpflegerinnen, Kreisfürsorgerinnen
usw. 4. Zur Durchführung und Sicherstellung der gekennzeichneten
Aufgaben wird die Vermehrung der in der Gewerbe-= und Wohnungsaufsicht
sowie in der Fabrikfürsorge tätigen weiblichen Beamten nötig sein.
Da die Zeit zur Ausbildung dieser Beamtinnen auf dem üblichen Ausbildungswege
nicht ausreicht, wird die F. geeignete Frauen aus andern
Berufen gewinnen und in abgekürztem Bildungsgang für ihre neuen Aufgaben
vorbereiten lassen. 5. Zur Erfüllung der vorgesehenen sozialen Fürsorge
werden die Frauenarbeitszentrale bezw. die Frauenarbeitshaupt- und
Nebenstellen mit sämtlichen angeschlossenen Organisationen dauernd in Verbindung
stehen, sie zum Ausbau ihrer vorhandenen Einrichtungen und zu
enger Zusammenarbeit auch mit den zuständigen Behörden anregen sowie
mit ihnen gemeinsam für die Gewinnung und Heranbildung der benötigten
sachkundigen Hilfskräfte Sorge tragen.
30. Jan. Kaiser Wilhelm richtet aus dem Großen Hauptquartier
folgenden Dankerlaß an den Reichskanzler:
Dem Ernst der Zeit entsprechend sind auf Meinen Wunsch auch an
Meinem diesjährigen Gebutstage die landesüblichen festlichen Veranstaltungen
auf kirchliche und Schulfeiern beschränkt worden. Das deutsche Volk hat
es sich aber nicht nehmen lassen, an diesem Tage im Gotteshause und daheim
Meiner mit treuer Fürbitte zu gedenken und Mir freundliche Glückund
Segenswünsche telegraphisch und schriftlich aus allen Gauen des Vaterlandes
darzubringen. Aus diesen überaus zahlreichen Kundgebungen städtischer,
ländlicher und kirchlicher Gemeinden, Korporationen und Vereinigungen
aller Art sind Mir mit überwältigender Kraft und Einmütigkeit
entgegengeklungen: die Entrüstung über die schnöde Zurückweisung unseres
Friedensangebots und die enthüllten schändlichen Pläne unserer Feinde
sowie das Gelöbnis, jedes Opfer an Gut und Blut freudig zu tragen, um
das Vaterland vor der ihm zugedachten Erniedrigung zu bewahren und
den verweigerten Frieden mit allem Nachdruck unserer Waffen zu erzwingen.
Tiefbewegt durch solche Aeußerungen echter Vaterlandsliebe möchte Ich
allen — jung und alt in Stadt und Land — die sich an Meinem Geburtstage
zu erneutem Treugelöbnis gedrungen gefühlt haben, hierdurch Meinen
wärmsten Dank sagen. Schwere Zeiten liegen noch vor uns, äußerste