Metadata : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

wurden  die  hier  kämpfenden  italienischen  Divisionen  trotz  hartnäckiger  Gegenwehr
  überrannt,  der  Eintritt  in  den  Bergwald  erkämpft.

Noch  weit  besser  ging'’e  in  der  Champagne.  Der  erste  Anlauf  der  Infanterie
durchstleß  die  ersten  feindlichen  Linien  fast  ohne  Verluste.  Seltsam:  sie
waren  verlassen

Da  brach,  als  die  Angreifer  auf  der  ganzen  Front  sich  anschlckten,  lhren
Slegeslauf  weiterzutragen,  aus  den  Höben  des  Reimser  Bergwaldes  nach
Westen  und  Osten  Tod  und  Grauen  speiend,  das  wütende  Feuer  der  fronzösischen
  Artilierie  auf  die  Stürmer  berein.  Zugleich  bellten  jetzt  plötzlich  aus
den  vom  deutschen  Vordereitungsfeuer  kaum  erfaßten  rückwärtigen  Gräben
die  selndlichen  Maschinengewehre  los  und  mähten  die  deutschen  Schwarmlinlen.
Entsetzliche  Klarhelt:  der  Franzose  hatte  gelernt  —  er  kannte  den  deutschen  Kniff
und  hatte  ihn  anzuwenden  gewußt.

Furchtbar  wurde  nun  die  Lage  der  Oeutschen.  Am  schlimmsten  waren  dielenigen
  Teile  der  7.  Armee  daran,  welche  die  Marne  überschritten  hatten.  Hinter
ihnen  schlug  plötzlich  das  französische  Fernfeuer  ein,  Unmassen  Flieger  schwirrten
beran  und  halfen  durch  Bombenabwurf  nach,  um  die  Marnebrücken  zu  zerstören.
Aber  auch  im  Walde  von  Reims,  genau  wie  jenseite  in  der  Champagne,  fluteten
bie  Angreifer  In  die  vor  kaum  einer  Stunde  erst  überstiegenen  vorderen  Gräben
des  Feindee  zurück,  kauerten  sich  dort  zusammen  und  konnten  doch  dem  Vernichtungefeuer
  dee  Feindee  nicht  entrinnen,  das  matbematisch  genau  auf  dle
betäubten  Klumpen  der  Stürmer  niederprasselte.

Ludendorff  erkonnte  sofort  den  ganzen  unentrinnbaren  Ernst  der  Lage.
Schon  am  16.  mittags  gab  er  den  Befehl,  den  Angeiff  in  der  Champagne,  der
sich  völlig  festgerannt  hatte,  einzustellen,  die  Armeen  in  der  neuen  Linie  zur  Abwehr
  zu  organisieren  und  msglichst  schnell  allee  Entbehrliche  nach  rückwärte
berauszuziehen,  um  die  frel  gewordenen  Ololsionen  nach  Flandern  werfen  und
dort  zu  dem  längst  geplonten  Hauptstoß  ausholen  zu  können.  In  welcher  Verfassung
  diese  Oiovisionen  nach  dem  eben  5bgeschlagenen  Angriff  sein  würden,
datan  scheint  er  kaum  gedacht  zu  hbaben

Oamit  wurde  auch  der  Stoß  von  Reims  fnnlos,  die  über  die  Marne  vorgedrungenen
  Truppen  mußten  so  schnell  ale  möglich  zurückgenommen  werden.
Sofort  konnte  dae  nicht  gescheben:  die  wenigen  noch  vorhandenen  Brücken
lagen  unter  schwerster  Bedrohung  durch  Artillerie  und  Flieger.  Der  Rückzug
mußte  vordereitet  werden,  sollte  er  nicht  in  sinnlose,  mörderische  Flucht  ausarten.

Noch  einmal  zeigte  sich  der  Geist  der  Truppen  In  böchstem  Glanze.  Sie
begriffen  den  Ernst  ihrer  Lage,  begriffen,  daß  Panlk  Untergang  bedeutete.
Am  17.  erreichte  sle  der  Befehl,  noch  bis  zur  Nacht  vom  20.  zum  21.  auszuhalten.
Sie  hielten  aus  —  noch  vier  entsetzliche  Tage  hindurch.  Im  Schutze  der  Finsterni#.
giugen  sle  donn  völlig  geordnet  über  den  Fluß  zurück.

Noch  ehe  dleser  Befehl  erteilt  war,  hatte  Ludendorff  bereite  die  große  Verschiebung
  der  vorhandenen  und  der  aus  der  Kampffront  um  Reims  auezuscheidenden
  Reserven  nach  Flandern  angeordnet,  hatte  der  Eisenbahntransport
begonnen.  Aber  mit  grimmiger  Zäbigkeit  hlelt  Ludendorff  noch  an  der  letzten
schwachen  Hoffnung  fest,  den  Stoß  auf  Relme  wenigstens  nördlich  der  Marne
beiderselts  der  Stadt  noch  weiter  fortführen  zu  können.  Er  kom  am  17.  mit

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