8 20. Polizeivorschriften über Errichtung oder Reparatur von Gebäuden. 137
Diese Erlaubniß kann versagt werden, wenn der Bau oder die Veränderung
zum Schaden oder zur Unsicherheit des gemeinen Wesens gereicht
(§ 66). Freilich kann auch ein Bau, der einer polizeilichen Erlaubniß
nicht bedarf, Schaden und Unsicherheit herbeiführen (88 66, 71).
Aber die Thätigkeit der Polizei ist in soweit eine nur repressive. Die
Anzeigepflicht ist danach eine erheblich geringere als in den Städten.
Daß auf dem Lande nicht jeder Bau von der Polizei genehmigt zu
werden braucht, ergiebt sich aus Folgendem. 865 I, 8 erkennt ausdrücklich
das Recht des Eigenthümers an, seinen Grund und Boden mit
Gebäuden zu besetzen, oder sein Gebäude zu verändern. Die folgenden
Paragraphen enthalten die Einschränkungen dieses Satzes. Zu ihnen
gehört § 67: Wer also einen neuen Bau in Städten anlegen will, muß
davon zuvor der Obrigkeit zur Beurtheilung Anzeige machen. Hier ist
doch das argumentum a contrario ganz unbedenklich: in Städten, also
nicht auf dem Lande. § 69 spricht dann von den Feuerstellen auch auf dem
Lande. Anstoß könnte in diesem Paragraphen nur das Einleitungswort
„vorzüglich" erregen. Man könnte daraus folgern, daß für Feuerstellen
jedenfalls die Genehmigung erforderlich ist, aber auch für andere Bauausführungen
eine Genehmigung gefordert werden darf. Indessen bezieht
sich das Wort doch offensichtlich auf das Vorhergehende. Die Genehmigung
zur Errichtung und Verlegung von Feuerstellen wird als das
wichtigste Stück baupolizeilicher Kontrole hingestellt und deshalb nicht
nur für die Städte, von denen bisher ausschließlich die Rede war, sondern
auch für das Land gefordert.
Diese Auslegung wird indessen von den Polizeibehörden
nicht getheilt!). Vielmehr fordern sie in ihren Bauordnungen die Einholung
einer Baugenehmigung in viel weiterem Umfange. Beispielsweise
zu allen Anbauten und zu allen Hauptreparaturen und -Veränderungen.
Was zu den Hauptreparaturen und -Veränderungen zu rechnen ist, wird
dann im Einzelnen aufgezählt, oder es wird gesagt, daß Hauptreparaturen
und -Veränderungen solche sind, welche auf die Festigkeit oder Feuersicherheit
oder auf die äußere Gestalt des Gebändes wesentlichen Einfluß
haben?). Dem Gesetz entspricht, wie gesagt, diese Ausdehnung des
Konsensprinzipes nicht.
1) Auch nicht vom Minister des Innern, vgl. die Reskripte vom 30. IX. 34
(v. Rönne, Baupolizei S. 457) und vom 25. XI. 38 (das. S. 465). Ebenso wenig
vom Obertrib., Entsch. vom 15. III. 77 (J. M. Bl. S. 0).
2) Vgl. Verordn. der Regier. zu Erfurt vom 3. II. 76 § 2 (Beil. zu Nr. 8 A.Bl.),
des Regierungspräs. zu Magdeburg vom 22. XII. 93 82 (A.Bl. S. 555).