Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

NHummex  61

CCMMCCCCXCI

Donnerstag,  8.  April  1915

 

Gri:  äckerzell,  vermißt;  Wehrm.  Lorenz  Korberg,
  Bergham,  verwundet;  Wehrm.  Simon
Meier,  Altmühldorf,  verwundet:  Wehrm.  Engellert
  Prer,  Altmühldorf,  vermiwt;  Wehrm.
Pius  Freitag.  Eriesbäckerzell,  schwer  verwundet;
Wehrm.  Johann  Ernst,  Nosenh-=  im,  schwer  verwundet;
  Wefr.  Andreas  Niederbichler,  Untersiegodorf,
  leicht  verwundet.

Res.-Feld-Art.-Rgt.  Nr.  8:  Fahrer  Joseph
NRoth,  Schliersee,  leicht  verwundet.

Res.-Pionier-Kompanie  Nr.  6:  Pionier  Georg
  Neumaner,  Rosenheim,  leicht  verwundet;
Hornist  Korbinian  Wernberger,  Westerndorf.
vermißt;  Gefr.  Johann  Hatzl,  Rottach,  vermißt;
Pionier  Lorenz  Heinrich,  Endorf.  vermißt:  Pionier
  vLudwig  Niederhuber,  Mühldorf,  vermißt.

Ssyerische  Rachrichten.

Sperer,  6.  April.  Ein  seit  eiwa  drei  Wochen
  in  Haßloch  (Pfalz)  untergebrachter  Verwundeter
  hatte  durch  das  Kampfgetöse  auf
dem  Schlachtselde  die  Sprache  verloren.  Dieser
Tage  nun  fand  er  plötzlich  die  Sprache  wieder;
  allerdings  kann  er  nur  langsam  und  kohweise
  sprechen.  Die  Aerzte  hoffen  aber,  daß
die  alte  Geläusi#lei:  sich  bald  wieder  einstellen
wird.

Bumberg,  6.  April.  In  Kremmeldorf  bei
Scheßtig  erstach  aus  Ulnvorsichtizleit  der  auf
Osterurlaut  besindliche  Pionier  Seelmann  aus
Höttensdorf  den  Jufanteristen  Betzler  aus
Sckeßlitz,  der  nach  zweimaliger  Verwundung
ebenfalls  sich  auf  Urlaub  befand.  Bride  halten
  sich  über  den  Wert  eines  sog.  Kniders  im
Felde  unterhalten.  Im  Eifer  des  Gespräches
zog  Seelmann  das  Messer  samt  der  Scheide
aus  dem  Stiefel  und  führte  gegen  Betzer  einen
  Stoß.  Der  Slich  traf  ihn  in  die  Brust,
sodaß  Betzler  nach  einer  Stunde  rerstarb.  Seelmann
  wurde  rerhaftet.

Bamberg,  5.  April.  Durch  die  Einwirkungen
  des  Krieges  sind  von  den  836  Bäckereien
der  Stadt  bis  jen:  12  zur  zeitweiligen  Einstellung
  ihres  Betrielen  gemungen  worden.

Amberg,  6.  April.  Durch  ein  Gropfeuer
wurde  das  Anwesen  des  Oekonomen  Rösl  zum
Schererhof  in  Uliersberg  in  Asche  gelegt.  Alle
Getreide=  und  Fur  ervorräe,  landwirtschaftliche
Maschinen  sowie  19  Schweine  sind  verbrannt
Als  Brandstifter  wurde  der  J#7
Gelegenheitsardeiler  Johann  König  verhaftet,
der  nach  seiner  .  erfolgten  Entlassung  aus
dem  Gesängui'fe  bei  dem  Brandleider  in  Dien',
getreten  war.

Jaeiches  sn

Au  bei  Aibling.  6.  April.  In  einer  der
letzten  Nächte  wurde  von  noch
Dieben  in  dir:  Fleischbank  des  Wirtschaftspäch
lers  Edmeier  eingebrochen.  Die  Diebe  machten
  reiche  Beute  und  schleppien  eine  groß:
Menge  Wurst=  und  Fleischwaren  fort.

Bolzkirchen,  6.  April.  Die  33  jährige
Sägearbeiter#frau  Katharina  Mittl,  deren
(Mann  vor  8  Tagen  zum  Militär  einnucen
mußte,  regie  sich  darüber  derart  auf.  daß
schon  am  29.  März  durch  Erhängen  sich  dae
Leben  nehmen  wollte.  Von  Haueinwohnern
wurde  sie  von  diesem  unseligen  Schritte  abgehalten.
  In  das  Krankenhaus  verbrachl,  ver
hielt  sich  die  Frau  die  ganze  Nacht  sehr  ruhig
und  bat  am  Samslag,  daß  sie  zu  ihrem  Mannc,
der  auf  Ostern  Urlaub  erhielt.  und  zu  ihren
3  klleinen  Kidern  beimlehren  dürfe.  Da  kein
Grund  gegen  die  :!  Munsch  vorlag,  durfte  die
Frau  am  Osterson::  das  Krankenhaus  i
lassen.  Auf  dem  Heimme#e  wurde  Frau  Miltll.
wie  es  scheint,  wieder  von  Orcilun  4  befallen,  denn

Jadella  aber  mochte  der  Mer#f##  sein.  daß  ich
mich  bereits  entfernt  habe;  denn  als  sie  am
Arm  des  deusschen  Sennors  aus  dem  Innern
des  Hauses  in  den  Hof  hinaustrat,  benahm

sie  sich  so,  als  ben  sie  jede  Möglichkeit  des
Belauschtwerdens  für  ausgeschlossen.  So  wurde
ich  zu  einer  unfreiwilligen  Zengin  der  zärtlichen
Szene,  die  sich  da  unmittelbar  vor  mir  am
Springbrunnen  abspielte  und  deren  ausführliche
  Schilderung  Sie  mir,  wie  ich  holje,  erlassen.“


Aber  er  durfte  ihr  nichts  erlassen.  Jetzt,
em  1#

nachdem  er  so  viel  gehört  hotse,  mußte  er
erfahren,  wenn  er  auch  sahy,  daß  es  ihr
chenbasten  Empfinden  blberielle  seinem  Verlangen
  Folge  zu  leisten,  und  daß  die  Worte
nur  widerwillig  von  ihren  Lippen  kamen.  Mit
Mühe  und  wahrscheinlich  nur  unvollkommen
verbarg  er  selbst  seine  von  Sekunde  zu  Sekunde
wachsende  Crregung,  als  er  nun  bestätigt  hörte,
was  er  bei  ihrer  ersten  Andeutung  geahnt.
Glaubte  er  doch,  in  einen  schwindelerregenden
Abgrund  zu  blicken,  während  er  ihr  zuhörte.
Seine  gestrige  Unterhaltung  mit  sabella
del  Vasco,  diejes  von  ihr  herbeigeführte  Gespräch,
  das  mit  einer  so  überraschenden  und
verhängnisvollen  Wendung  geendet,  war  nur
eine  getreue  Wiederholung  dessen  gewesen,  was
sich  an  der  nämlichen  Stelle  schon  einmal  zuetragen,
  nur  mit  dem  kleinen  Unterschiede,  daß
statt  seiner  damals  sein  ungi#talicher  Vorgänger
die  schöne  Tochter  Manuels  in  seinen
Armen  gehalten.  Tuch“  lhm  hane  sie  von  ihrer
heißen  Sehnsucht  gesprochen,  aus  den  unwürdigen
  Verhältnissen  befreit  zu  werden,  deren
chmach  sie  nicht  langer  ertragen  lonne  —,
olelleicht  woren  es  sogar  die  nömlichen  Worte
gewesen,  mit  denen  sie  gestern  auch  ihn  betört

 

 

Jahre  alte  i

unbelannten

“

siee  ging  nicht  zu  ihrer  Familie  heim,  sondern
auf  den  Bahndamm.  am  Teufelsgraben  und
wars  sich  vor  einen  Zug.  Sie  wurde  von  der
Maschine  gestreift  und  am  Kopf  und  rechlen
Fuß  leicht  verletzt.  Hierauf  faßte  die  Frau  den
Plan,  sich  vom  nächsten  Zuge  überfahren  zu
lassen  und  verstedte  sich  im  Walde.  Ein  Strek
lenwärter  wurde  durch  einen  Soldaten  auf  die
Frau  aufmerksam  gemacht  und  bewachte  das
Bahngeleise.  Bei  nkunft  eines  Zuges  warf
sich  Frau  Mittl  auf  die  Schienen,  konnie  aber
vom  Bahnbediensteten  weggerissen  werden,  worauf
  nach  Anhalten  des  Personenzuges  die
Frau  im  Dienstwagen  nach  der  Station  Holztirchen
  verbracht  wurde.  Am  Sonntag  verbrachte
  Herr  Mitlll  seine  Frau  nach  München
in  die  Psychiatrische  Klinik.

Bausham,  6.  April.  Die  Gemeinde  überweist
  ein  Grundstück  an  der  Schlierach  in  Abwinlel,
  das  in  Parzellen  von  900  Quadratmeter
abgeteilt  wird,  Gemeindebewohnern  unentgeltlich
  zum  Anban  von  Gemüsen  und  Kartofseln.

Ruhpolding,  6.  April.  „Gruß  aus  der
Heimat“  betitelt  sich  eine  von  Forstmeister  Keyser
  ins  Leben  gerufene  lleine  Zeitung,  die  an
die  Ruhpoldinger  Krieger  versendet  wird.  In
vornehmer  Ausstattung,  auf  gutem  Papier  ge
druckt,  enthält  das  sechsscilige  „Blättle“  aͤb
wech  ;slungsreich  en  Inhalt  in  Poesie  und  Prosa.
Nach  einer  Widmung  des  Herausgebers  spricht
in  der  ortüllichen  Mundarkt  herzliches  „Grüas,
Gott“  in  Gedichtform  von  Pfarrer  Ficker  zu
den  Herzen  der  Soldaten.  Eine  historische
Slize  von  Kooperator  Bergmaier  schildert  das
Miesenbachtal  in  den  napoleonischen  Kriegsjah:
ren.  „Schwere  Zeit“  und  „Trost“  sind  zwei
tief  empfundene,  warmherzige  Gedichte  von
Frau  Kunstmater  Therese  Bredt,  während  Frei
frau  von  Berchem  zu  erzählen  weiß  von  drei
Kriegen,  die  sie  als  „Tochter“  (1806),  al-„Braut“
  (1870)  und  als  „Mutter“  (1914  15
miterlebte.  Forstmeister  Keyser  berichtet  dann
einiges  aus  Ruhpoldings  zeisiger  Vergangen
heit“,  bringt  eine  kurze  Tagrevue  und  läh:
in  einem  reizenden  Gedichte  die  Krieger  vom

 

folgen  Familiennachrichten.  Pfarrer  Fider  ge
denlt  in  der  Beilage  noch  der  gefallenen  Hel
den  der  Psarrei.

Terninorich'ea.
Rosenheim,  7.  März.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Nupert  Hieninger,  Maler  aus  Rosenheim,  Soldat
  bei  der  Fliegerableilung,  gestorben  in  München:
  K.  Grenzobertontrolleur  August  Leib  aus
Grafing  (vor  mehreren  Jahren  am  Hauptzoliamt
  NRosenheim  tälig),  Oberleutnant  und  Kompagnieführer
  im  Res.=  Jnf.-Reg.  Nr.  20.;  Mar
Mayer,  Bauerssohn  aus  Sattelttambach  bei
Kloster  Au  a.  J.,  Juf.  im  16.  Res.-Juf.
NReg.;  Johann  Eberl,  Pfieger  in  Gabersee.  Res.
im  2.  Inf.Reg.;  Seb.  ayerhofer,  Feicht#
ner-Bauerssohn  an  der  Mörn,  Pf.  Engelsberg,
Soldat  im  16.  Juf.-Reg.:  Franz  Schillmaier,
Harrer-Bauerssohn  in  Oberneukirchen,  Soldat
im  8.  Iuf.-Reg.:  Gütlers=  und  Zimmermannssohn
  Alois  Darenberger  aus  Trucktlaching.

Auszeichnungen  im  Felde.  Der  Grenz
aufseher  X.  Borhammer,  welcher  als  Ofisziere
steilvertreter  im  8.  Feld-Art.-Reg.  steht,  wurde
für  sein  tapferes  Durchhallen  in  der  Feuerstellung
  mit  dem  Eisernen  Kreuz  ausgezeichnet.

Dem  Unterofsizier  Georg  Zahler  beim  Landwehr-
  Ins.-Reg.  Nr.  2,  welcher  bereits  im  Be
sig  des  Eisernen  Kreuzes  ist,  wurde  das  Verdienstkreuz
  3.  Kl.  mit  Schwertern  verliehen.
Der  Gehilfe  im  städt.  Lageriaus  Ludwig  Mühl
hauer,  Landwehrmann  im  Landwehr-Iuf.-Reg.
Nr.  1,  hat  das  Eiserne  Kreuz  erhalten,  ebenso

 

hatte,  nachdem  sie  sehon  einmal  ihre  Wirksamkeit
  erprobt.

Die  erste  EGmyfindung.  die  sich  bei  der  Erkenntnis
  von  so  viel  Lüge  und  Verworsenheit
in  Werner  geregt.  war  begreiflher  veise  die
eines  heftiaen  Zornes  gewesen:  aber  sie  haue,
noch  ehe  Conchita  geendet,  bereuts  ganz  anderen
Gefühlen,  ##rn  (Jesühlen  namenloser  Erleichterung
  und  jubelnder  Freude  Plagz  gemacht.
Wenn  es  sich  so  verhielt,  war  er  ja  aller  Verrank.
  6.  en  ei.,  und  keine  Niksicht  mehr
binderte  hn,  die  Schlinge  zu  gerreißen.  mit  der
man  ihn  hinterlistig  zu  fesseln  versucht  hatte.
Es  war  ihm  zumute,  als  wöre  plöglich  eine
Bergeslast  von  seiner  Brust  genommen  worden.
Er  atmete  freier,  und  der  dumpfe  Druck,  den
er  so  lange  noch  immer  in  den  Schlafen  gespürt
  hatte,  wor  mit  einem  Male  wie  verschwunden.


„Und  weiter?“  drängte  er,  als  Conchita
Innehielt.  güher  geschah  dann  weiter

Ich  mußte  natürlich  glauben,  D%  die
beiden  sich  er  alle  Ewigkeit  angehörten.  Bauten
sie  doch  allerlei  Iuoissbtäne:  wie  nur  Verlobte
es  tun  können.  Und  spielte  Isabella  ihre  abscheutiche
  Rolle  doch  1  zuse  daß  selbst  mir,  die
ich  zur  Genüge  kannte,  kein  Zweisel  an
ihrert  frichngte  kom.  Es  wunderte  mich
auch  nicht,  daß  die  beiden  während  der  folgenden
  Zelt  ihre  Liebe  zunächst  noch  als  ein  Geheimnis
  zu  bewahren  schienen.  Sie  moshten  ja
tristige  Gründe  dafür  haben,  und  ich  us
hundert  klelinen  Anzeichen,  wie  sie  uns  Saen
nicht  so  leicht  entgehen,  daß  sie  nach  wie  vor
in  stillem  Einverständnis  miteinander  waren.
Dann  aber  kam  ein  Tag,  den  ich  niemals  vergessen
werde,  weil  er  meine  Abneigung  gegen  Isabella
und  ihre  Mutter  bis  zu  Haß  und  Verachtung

 

 

Gnaigbers  aus  die  teure  Heimat  schauen.  Dann- 



 

der  Maurer  Hubert  Greger  in  Eimsfilzen  bei
Landl,  Landwehrmann  im  Vandw.-Juf.-Reg.  1.
Hans  Wallner  aus  Wasserburg,  Unterossizier
im  10.  Feld-Art.-Reg.,  erhielt  das  Militärverdienstkreuz
  3.  Kl.  mit  Krone  und  Schwertern.
  Der  Hauptmann  Ferdinand  Kolb  aus
Traunstein  wurde  zum  Major  befördert  und
mit  dem  württemb.  Militärverdienstorden  ausgezeichnet;
  er  ist  bereits  im  Besitze  des  Eisernen
Kreuzes  1.  und  Lehrer  Georg  Mühl
bauer  in  Traunstein  wurde  zum  Leutnant  im
Jägerbataillon  Freising  befördert.  Der  als
Inf.-Unterofsizier  ins  Feld  gezogene  Oekonomenssohn
  Anton  Jahner  zum  Preußen  in  Siglberg
  (Traunstein),  Inhaber  des  Eisernen  Kreu
zes,  wurde  zum  Vir  eseldwebel  befördert  und  mier
der  goldenen  Tapferkeitsmedaille  ausgezeichnet.
Die  beiden  Unterofsiziere  Matthias  und  Hein.
rich  Meier,  Bürgermeisterssöhne  aus  Sch  lehi  ing,
erwarben  sich  das  Eiserne  Kreuz;  Heinr.  Meier
wurde  außerdem  noch  mit  der  silbernen  Tapfer
keitsmedaille  und  dem  badischen  Verdienstkreuz
ausgezeichnet.  Der  Sanilätsunterofsizier  J.
Kirchmayer  in  Inzell  hat  sich  das  Eiserne  Kreuz
erworben.

Ernennung.  Der  Kgl.  Regierungs=  und
Vauassessor  Josef  Unterberger  bei  der  Kal.
Regierung  der  Oberpfalz  in  Regensburg,  iil
zum  Bauamtmann  und  Vorstand  des  Straßen
und  Flußb##mts  Regensbur)  ernannt  worden.
Herr  Vauamtmann  Unterberger  ist  in  Nosenheim
  bestens  bekannt.  Bereits  im  Jahre  19001
war  er  Baupraktikant  am  Kgl.  Stlraßen=  und
Flußbauamt  in  Rosenheim,  und  vom  1.  Septem
ber  1901  bis  zum  1.  Februar  1912  wirkte  er
als  Bauamtaassessor  am  gleichen  Amte,  bis  er
dann  Regierungs-  und  Bauassessor  in  Regensburg
  wurde.  Herrn  Bauamtmann  Unterberger
lnüpfen  auch  verwandtsch  hasliiche  Bande  an  un
sere  Stadt.  Er  ist  Schwiegersohn  des  Herr#.
Magistratoratles  Zischal  in  Rosenheim.  Seine
jehzige  Exnennung  wird  in  weiten  Kreisen  unserer
Stadt  sreudig  begrüßt  werden.

Förderuna  der  Volksernährung
durch  die  Verkehrevernaltung.  Der
Ztaatminiier  für  Verkehrsangelegenleiten  hat
genehmi#t,  daß  dem  Personat  der  Staatseisen
baluverwaltung,  das  an  seinem  Dienst=  oder
Wohnort  teine  Gelegenbeit  hat,  Feld--  oder  Gar
lenban  zu  betreiben,  während  der  Kriegszei:
nach  einem  in  der  Nähe  gelegenen  Ort,  an  dem
es  Land  gepachtet  oder  im  Besitze  hat,  frei:
Fahrt  zu  dessen  Bewirischaftung  gewälrt  wird.
Die  gleiche  Vergünstigung  ist  auch  für  die  An
gehörigen  dieses  Personals  zugellanden  worden

Gendarmerie-Dienst.  Befördert:  zum
Wachtmeister  der  Gendarmerie-Sergeant  Joi.
Braun  in  Sachrang.  Versetzl:  Gendarmerie
Wachtmeister  Venanlius  Edenberger  von  Burg.
zirchen  nach  Fischbachau;  Gendarmerie-Sergeant
Andreas  Schielein  von  Lalling  nach  Kirchdorf.

Der  Österverkehr  stand  heuer  weit  hin
ter  dem  Vorjahr  zurück.  Am  Karsamstag,
Ostersonntag  und  Ostermontag  wurden  an  den
Fahrkartenschaltern  in  Rosenheim  8081,  in  Kuf
stein  356,  in  Aibling  2435  und  in  Prien  180|1
Fahriarten,  verkauft.  Gege:  nüber  dem  Vorjalr
bedeuten  diese  Ziftern  ein  merkliches  Weniger,
nämlich  in  Nos  senheim  2701,  in  Kufflein  3618.
in  Aibling  917  und  in  Prien  721  Fahrkarten
weniger.  Die  Kriegsostern  zeigten  also  auc#-in
  dieser  Hinsicht  ihre  Wirkung.  Für  Kusstein
war  noch  der  Paßzwang  von  besonderer  Wie
iung.

Städtischer  Kartoffelverlauf.  Die
Stadigemeinde  läßt  am  kommenden  Freitag  ir

jlädl.  Lagerhaus  einen  Waggon  Speitelarlof
seln  an  die  hiesigen  Einwohner  Lerkaufen.  Der
Preis  belrägt  secha  Mark  für  den  Zentner.

JZentner  und  men  Bt  wie
Zentner  werden  an  eine  Fami.  ir  nich!  ab

Weniger  wie  ein  halber
drei

steigerte.  Ich  war  aus  irgend  einem  Urunde'  frader
als  sonst  in  das  7  dau  meines  Obein.:  gekommen,
und  als  ich  das  Mustlzimmer  ging.  sah
ich  draußen  jm  Po  Strabiend  em  mi  2cen
bleichem,  verstörtem  Gesicht  au  nnd  nioder
rennen.  Ich  zweiselte  nicht.  daß  irgend  elwas
Schlimm  28  geschehen  sein  müsse,  und  ermarleie.
meine  Base  in  Toinen  oder  doch  in  graßer
Aufregung  zu  sinden.  Aber  i##  traf  sie  zu
meiner  Wosrraschung  mit  ihre  N.utter  am
Fenster  eines  Zimmers  im  crmen  Seock,  von
wo  aus  sie  den  deutschen  Sennor  be  obachteicn
und  allerlei  spöttische  Bemerkungen  über  lein
Benehmen  untereinander  tauschten.  Sie  nahmen
meinen  Eintrin  nicht  sogleisz  wahr,  und  so
vermochte  ich  einige  Acußerungen  Ischeilas
aufzufangen,  die  mir  offenbarten,  daß  sie  ebenso
grausam  und  herzlos  sei  wie  ihre  Mutter,  ja,
vielleicht  noch  schlechter.  Sie  sprach  von  der
Komödle,  die  sie  dem  Vater  zuliebe  mit  dem
deutschen  Dummkopf  so  lange  habe  spielen
müssen,  als  von  elner  faden  und  widerwärtigen

osse,  die  schon  längst  ausgehört  hätie,  sie  zu
amüsieren.  Und  sie  sogte  noch  manches  andere,
das  ich  nicht  wiederholen  mag.  Da,  als  sie  eben
eine  besonders  häßfliche  Bemerkung  über  den
armen  jungen  Mann  gemacht  hatte,  konnte  ich
mich  nicht  länger  beherrschen  und  verriet  durch
eine  ungestüme  Bewegung  meine  Anwesenhit.
Isabella  erschrak,  und  wenn  ich  bis  dahin
nichts  von  ihren  Gesinnungen  gegen  mich  gewußt
  hätte,  der  Blick,  den  sie  mir  in  jenem
Momemt  rst  würde  mich  darüber  belehrt

ben,  daß  e  fzae  nur  an  einer  Moglichkeit,
nlch  aber  *  dibr  guten  Witlen  sehlte,  mich
umzubringen.  Am  nächsten  Tage  hörte  ich,
daß  man  den  Sennor  in  seinem  Zimmer  erschossen
  gefunden  habe.  Glauben  Sie  nun,  daß

 

 

gegeben.  Der  Verkauf  erfolgt  nur  genen  Barzahlung.
  Wir  machen  auf  die  Belanntmachung
des  Stadtmagistrates  hierüber  aufmerksam.

Auszahlung  der  Rubegehälter,

itwen=  und  Waisengelder  durch  die
Post.  Im  Bereich  der  bayerischen  Staatseisenbahn-
  Verwaltung  wird  in  nächster  Zeil  eine
lehr  vorleillaste  Neuerung  eingeführt  werden.
Die  Auszahlung  der  Ruhegehälter,  Witwenund
  Waisengelder  des  Eisenbahnpersonals  wird
lünftig  auch  an  den  Postschalrern  erjolnen.  Empsänger
  von  Ruherehällern,  Wilwen  und  Waisengeldern,
  die  von  der  Zahlstelle  ziemlich  weit
entsernt  wohnen,  lönnen  verlangen,  daß  ihnen
das  Geld  im  Postsche4verlehr  überwiesen  wird,
wofür  sie  eine  Gebühr  von  5  Pig.  zu  ent.
richten  haben.  Die  Jal  lung  ersolgt  dann  wie
bei  Postanweisungen.  Die  an  großen  Verkehrsplätzen
  wohnenden  Empfänger  lönnen  ilre  Vejüge
  bei  der  nächst9zelegenen  Postank#alt  erheben.
  Dadurch  wird  insbesondere  für  die  bejahrten
  Ruhegehaltsempsänger  eine  gan:
sentliche  Erleichter#ung  geschafsen.

Aus  Industese  und  Gewerbe

Waitzingerbräu  Miesbach.  Wie  seitens
  der  Direltion  der  Brauerei  milgeteilt
wird,  soll  der  Generalversammlung  mit  Mück
sicht  auf  die  durch  den  Krien  geschaffenen  s.wierigen
  Verhäilnisse,  die  Verteilung  von  5%.  Dividende
  (im  Vorjahr  87  vor  geschlagen,  dagegen
  der  Vortrag  auf  neue  Rechnung  erheblich
  vermehrt  werden.

Feldposkörlese  und  Feldpoftkurken.

Französischer  Verrat.

Der  Bränzehilse  Josef  Hartl  der  Flöninder#
Frauerei.  Landr  vehrmann  im  1.  Landwelr  Jnfs.-Rat.,
  fand,  wie  bereits  belannt,  den  Heldentod
fürs  Vaicrland.  Wie  er  durch  französische  Hinterlist
  gefallen  ist,  schiloert  der  Kriegsfreiwillige
Heinrich  Kaul,  Asiitent  der  Stlaalsanwaltschaft
in  München,  in  einem  Brief  an  Frau  Harll.
Er  shreibt:  „Ich  war  Zeuge,  wie  Ihr  Garte
den  Heldentod  fürs  Vateriand  geskorben  ii.
Es  war  am  12.  Februar,  morgens  1.8  Uhr.
Wir  waren  in  Reservestellung  zurück  und  wurden
  alarmiert,  weil  die  Franzosen  während  eines
Schneegestöbers  in  unsere  Schün  engräben  eingedrungen
  waren,  und  zwar  mit  ganz  bedeutender
  Uebermacht.  Es  galt,  keine  Zeit  zu  verlieren.
  Jeder  griff  sofort  zu  seinem  (bewehr
und  eilte  in  di:  bedrohten  Siellungen,  die  bereits
  von  Feie  den  wimmelten.  Ihr  Mann  war
einer  der  erften,  die  sich  den  Franzosen  ente.-





 

gegenwarfen.  Ihr  Mann,  noch  drei  Kameraden
und  ich  scloe  un  in.  tr#nuruppe  zusammen.
Wir  dran  Tarie  Vor,  stießen

nach  einem  neei-  nen  Vair-  nelilamps,  in  welchem
die  Franzosen  den  lürzeren  zogen,  auf  eine  große
Abteilung  von  Franzosen,  die  einen  C  ssizier
und  ungefähr  60  Mann  zählte.

Diese  Abteilung  brachten  wir  sünf  zunächst
zum  Stehen.  Dann  forderte  ich  die  Franzosen
auf,  sich  zu  ergeben.  Die  Franzosen  hoben  zum
Zeichen,  daß  sie  sich  ergeben  wollien,  die  Hände
hoch.  Wir  gingen  auf  sie  zu,  um  sie  zu  entwaffnen.
  Doch  plönlich,  als  wir  etwa  I  Meter
vor  dem  OÖssiner  flanden,  kommandierte  er  plötzlich
  Feuer.  Ungefähr  20  Franzosen  gaben  eine
Salue  auf  mich,  Ihren  Mann  und  einen  anderen
  Kameraden  ab.  Ihr  Mann  und  der  andere
  Kamerad  sielen  sofort,  ich  selbit  kam  unverletzt
  davon.  Ihr  Mann  bekam  einen  Schuß
in  sein  treuen  Herz  und  einen  zweiten  in  die
rechte  Schuiter.  Ihr  Mann  war  ein  Held  bis
zu  seinem  letzten  Angenblid  und  konnie  nur
melschem  Verrat  und  franzölüscher  Hinterlist
zum  Opser  Lalleu-"

ich  verecheiat  Euns  zu  sagen-.  oie  ne  e  del
Vasco  alie  ihn  in  den  Tod  geir
J.u  darf  wohl  nidh.  *  i
Was  aber

 
  
  

bra#u#te  Sie  ung,
daß  man  auch  mir  ein  ähm  iic  5ir  zunedacht
  hatte?  War  denn  in  Daune  Huuse
schon  vor  meiner  Ankunft  von  mir  5%  i  inlin
worden?

„Ja.  Nicht  so  zwar,  daß  ich  es  Dören  sollte,
und  daß  ich  non  einem  brimuten  aig  in
bezug  auf  Sie  Kenntnis  erhalten  ba  elder
ich  hien  jelzt  Augen  und  Obren  vici  5½r  sierksamer
  osfsfen  als  früher.  Die  inzmilchen  gewonnene
  Erkenninis,  daß  ich  das  O8er  eines
nichtswürdigen  Betruges  werden  sole.  und
die  Gewißheit,  mich  unter  Mensihen  zu  bewegen,
denen  jede  Schändlichteit  zu  zutrauen  sei,  halten
meinen  anfänglichen  Abscheu  vor  dem  Horchen
und  Spionieren  besiegt.  Aus  ein  zelnen  Worten,
die  ich  hie  und  da  erbaschte.  lernte  ich  ziemlich
lichere,  Schlüsse  auft  die  Absichten  meiner  Verandten

  zieher  d  ich  verstand  mich  bald
in  wenig  auch  anls  Mrr.  Blicke  und  ibr  Mienene
spiel,  wenn  sie  sich  untereinander  verftändigten.“

„Und  weil  Sie  mich  für  bedrebt  hielten,
warnten  Sie  mich,  obwonl  ich  Ihnen  ein
Fremder  war?  Fürwahr.  Sennorita,  ich  weiß
nicht,  wie  ich  Jlnieiidaairtnnkcnlot

»  wilcieinneiiFie  nNi  waren,
und  weil  ich  danialpisniidiiiandcndm  elbe
getan  hätte  wie  für  Sie,  bedarf  es  keiner  Dankes,
Sennor!

—  -

(For#setzung  #uloe