Inhaltsverzeichnis : Die Weltgeschichte. Dritter Theil. Die neue Zeit. (3)

60  Die  Reformation.  Religionskriege.  Verfall  Deutschlands  2c.

Heer  die  Hugenotten  bei  Jarnak,  Kondé  selbst  wurde  gefangen  und
von  einem  Herrn  de  Montesquiou  durch  einen  Schuß  getödtet.  Jetzt
übernahm  der  16jährige  Heinrich  von  Navarra  den  Oberbefehl  und
hatte  den  erfahrenen  Koligni  zur  Seite;  die  Hugenotten  verstärkten  sich
durch  protestantische  Söldner  aus  Deutschland  und  der  Schweiz,  das
königliche  Heer  durch  Italiener,  katholische  Schweizer  und  Deutsche,  und
noch  einmal  wurden  die  Hugenotten  bei  Monkontour  auf's  Haupt  geschlagen.
  Doch  waren  die  Königin-Mutter  und  der  König  zu  einem
Frieden  genelgt,  entweder  weil  sie  die  vollständige  Besiegung  der  Hugenotten
  für  unmöglich  hielten,  oder  weil  sie  gegen  die  Häupter  der
katholischen  Partei  mißtrauisch  waren.  Er  wurde  1570  den  8.  August
zu  St.  Germain  en  Laye  abgeschlossen.  Die  Hugenotten  erhielten
alle  ihre  Aemter  und  Güter  zurück;  die  öffentliche  Ausübung  ihrer  Religion
  wurde  da  erlaubt,  wo  sie  bis  zum  1.  August  stattgefunden  hatte;
in  jedem  Gouvernement  sollte  sie  in  den  Vorstädten  zweier  Städte  gestattet
  sein,  jedoch  nicht  an  dem  Hofe  und  nicht  zwei  Stunden  um  denselben,
  auch  nicht  in  Paris  und  nicht  zehn  Stunden  um  Paris.  Die
Hugenotten  erhielten  Zutritt  zu  allen  Aemtern  und  als  Sicherheitsplätze
auf  zwei  Jahre  la  Rochelle,  Montauban,  Kognak  und  la  Charité;  nur
den  Zehnten  sollten  sie  an  die  katholische  Geistlichkeit  auch  ferner  noch
entrichten  und  die  katholischen  Festtage  äußerlich  feiern.  Seitdem  näherte
sich  der  König  den  Hugenotten  auffallend;  er  knüpfte  Verbindungen  mit
England  an,  sprach  von  einem  Kriege  gegen  Spanien  und  der  Unterstützung
  der  aufständischen  Niederländer,  rief  den  Admiral  Koligni  an
den  Hof,  um  mit  ihm  über  den  spanischen  Krieg  zu  berathen,  und  verlobte
  endlich  seine  Schwester  Margaretha  mit  Heinrich  von  Navarra.
Im  März  1572  kam  Johanna  von  Navarra  mit  ihrem  Sohne  Heinrich  und
ihrer  Tochter  sammt  dem  jungen  Kondé  an  den  Hof  nach  Paris,  wo  ihnen
der  König  auf  das  freundlichste  begegnete.  Aber  unterdessen  sannen  der
König,  die  Königin-Mutter  und  ihre  Partei  auf  das  Verderben  Kolignis
und  der  Häupter  der  Hugenotten,  und  am  24.  August  1572  wurde  die
sogenannte  Bluthochzeit  oder  Bartholomäusnacht  angerichtet  (Bluthochzeit,
  weil  die  hugenottischen  Edelleute  zur  Heirath  Heinrichs  von
Navarra,  ihres  Hauptes,  nach  Paris  gekommen  waren),  in  welcher  in
Paris  Koligni  und  etwa  700  andere  Hugenotten  ermordet  wurden.  Diesem
  Beispiele  folgten  Meaur  am  25.,  la  Charité  am  26.,  Orleans  am
27.,  Saumur  und  Angers  am  29.,  Lyon  am  30.  August,  Troyes  am
2.  September,  Bourges  am  11.,  Rouen  am  17.,  Romans  am  20.,
Toulouse  am  23.  September  und  Bordeaur  am  3.  Oktober;  wie  viele
Hugenotten  ermordet  wurden,  läßt  sich  nicht  mehr  angeben,  jedenfalls
4000,  wie  eine  neuere  Berechnung  angibt  (nach  der  höchsten  20,000).
Aehnliches  war  von  beiden  Parteien  in  den  vorhergehenden  Jahren  viel-