Metadaten : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

200  Bayern-Landshut  unter  Georg  dem  Reichen.

Um  seinen  großen  Vorrath  an  baarem  Gelde,  das  in  Burghausen
  aufgehäuft  lag,  nutzbringend  zu  machen,  kaufte  Herzog
Georg  (1481)  die  Herrschaft  Kirchberg  an  der  Iller  und
einige  Jahre  später  (1486)  die  (vom  Herzog  Sigmund  von
Oestereich  an  den  Bischof  Johann  II  von  Augsburg  verpfändete)
  Markgrafschaft  Burgau,  die  aber  schon  1492  von
Oesterreich  wieder  eingelöst  wurde.  Auf  dem  Landtage,  den  Herzog
  Georg  1488  zu  Landshut  hielt,  um  die  Getränke  (Bier,
Meth,  Wein)  mit  einer  allgemeinen  Steuer  zu  belegen,  leistete
der  Adel')  solchen  Widerstand,  daß  der  Herzog  von  der  Erhebung
der  beabsichtigten  Steuer  abging  und  sich  mit  dem  begnügte,  was
die  Städte  Landshut  und  Burghausen  freiwillig  entrichteten.
Da  auf  diesem  Landtage  auch  viele  Beschwerden  wegen  erlittenen
Wildschadens  laut  wurden,  stellte  Herzog  Georg  die  größeren
Jagden  ein  und  schenkte  seine  Jagdhunde  und  Falken  größtentheils
an  den  König  Mathias  Corvinus  von  Ungarn.

In  demselben  Jahre  (1488)  schritt  Georg  zu  einer  Erweiterung
  und  Verschönerung  des  Schloßes  Burghausen,  die
mehrere  Jahre  Zeit  und  eine  große  Summe  Geldes  in  Anspruch
nahm.  Den  Frieden,  der  bis  jetzt  im  Lande  geherrscht,  unterbrach
im  Sommer  1490  eine  Waffenthat  des  Herzogs  Georg,  die
einzige  während  seiner  ganzen  Regierung.  Er  fuhr  (im  Juli
1490)  an  der  Spitze  eines  bayerischen  Truppencorps  auf  24
Schiffen  nach  Linz  hinab  zu  Herzog  Maximilian  1  von
Oesterreich  (1493—1519  deutscher  König),  um  an  dem  Feldzuge
  Theil  zu  nehmen,  welchen  dieser  ritterliche  Fürst  nach  dem
Tode  des  ungarischen  Königs  Mathias  Corvinus  (I/  6.  April
1490)  gegen  die  Ungarn  unternahm,  um  ihnen  die  im  Jahre
1485  eroberte  Stadt  Wien  wieder  zu  entreißen.  Bei  Herzog
Georg  war  auch  der  kriegslustige  Herzog  Christoph  von
Bayern-München.  Am  19.  August  zogen  sie  mit  Maximilian
  in  Wien  ein  und  kamen  erst  zu  Anfang  des  Jahres
1491  wieder  nach  Bayern  zurück.  Dieser  Kriegsthat  ließ  Herzog

)  Zum  Andenken  an  diesen  Landtag  ließen  sämmtliche  Ritter  in  die
St.  Martins-Pfarrkirche  zu  Landshut  Glasfenster  malen,  auf  denen  ihre
Wappen  angebracht  waren.