Contents : Um den Kaiser.

stützung  zu  rauben  vermöchte.  Es  liefen  zwei  Versuche  nebeneinander
her,  die  gleicherweise  bezweckten,  den  Streit  um  die  bosnische
Frage  materiell  aus  der  Welt  zu  schaffen:  ein  englischer  in  Wien
und  ein  deutscher  in  Petersburg.  Der  englische  bezog  sich  darauf,
eine  Formel,  die  Österreich-Ungarn  befriedigen  würde,  für  eine
gemeinsame  Erklärung  der  Mächte  in  Belgrad  zu  finden.

Der  deutsche  Vorschlag  ging  dahin,  daß  die  Mächte  in  besonderen
  Noten,  jede  für  sich,  auf  die  Mitteilung  des  österreichischungarischen
  Protokolls  über  den  neuen  Zustand  in  Bosnien  und  der
Herzegowina  erklären  sollten,  sie  erkännten  die  Annexion  als  vollzogene
  Tatsache  an.  Ging  Rußland,  dessen  Haltung  ja  bisher  auf
die  waghalsigen  Begehrlichkeiten  Serbiens  von  maßgebendem  Einfluß
  war,  darauf  ein,  so  war  dem  serbischen  Anspruch,  daß  die
Mächte  über  die  bosnische  Frage  zu  Gericht  sitzen  und  Kompensationen
beschließen  sollten,  der  Boden  entzogen.

Die  von  Österreich-Ungarn  am  §.  Oktober  lgos  mit  einem
Springerspiel  begonnene  Partie  hatte  sich  mit  mancherlei  Pausen
langsam  hingeschleppt.  Anfang  März  1909  stand  sie  infolge  des
diskreten  Rückhalts,  den  England  dem  russischen  Spieler  gewährte,
auf  Remis  mit  einem  Vorteil  für  unseren  Bundesgenossen.  Den
entscheidenden  Zug  taten  wir  für  ihn.  Unser  Botschafter  Graf
Pourtalös  wurde  am  21.  März  1909  beauftragt,  Herrn  v.  Iswolski
einen  letzten  Vorschlag  zu  machen.  Dieser  ging  davon  aus,  daß
inzwischen  sowohl  der  bulgarisch-türkische  Streit  wegen  Ablösung
des  ostrumelischen  Tributs  und  wegen  Vergewaltigung  der  bulgarischen
  Teilstrecke  der  Orientbahn  geschlichtet,  als  auch  die  türkische
Anerkennung  der  bosnischen  Annexion  auf  dem  Wege  direkter  Verständigung
  zwischen  Österreich  und  der  Pforte  erlangt  war,  womit  die
von  Iswolski  immer  wieder  betriebene  große  Konferenz  ihren  Halt
verloren  hatte.  Der  deutsche  Rat  an  Rußland  lautete  nun  dahin,
daß,  wenn  die  Wiener  Regierung  den  Vertragsmächten  den  Abschluß
  der  Verhandlungen  mit  der  Pforte  anzeigte  und  gleichzeitig
das  Ersuchen  um  Anerkennung  der  bosnischen  Annexion  stellte,
Rußland  sich  nicht  von  der  Anerkennung  d.  h.  dem  Verzicht  auf  die
Konferenz  ausschließen  sollte.  Der  Vorschlag  war  eine  Brücke  für

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