Full text : Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft. Neunter Band. Jahrgang 1853. (9)

über  Armenpflege  und  Heimathsrecht.  73

für  die  Provinzialvertretungen  eine  sehr  würdige  und
nicht  zu  schwierige  Aufgabe.

Die  Mitwirkung  der  Gemeinden  würde  in  Anspruch  zu
nehmen  sein,  um  die  Betheiligung  an  dieser  wohlthätigen  Einrichtung
  allgemein  zu  machen.

Abnahme  der  Kräfte  im  Alter  und  Schmälerung  wo  nicht
völliges  Versiegen  des  Erwerbes  bei  zunehmender  Hinfälligkeit
muss  für  die  Klasse  der  Handarbeiter  als  ein  allgemeines  und
fast  unvermeidliches  Naturgesetz  angesehen  werden.  Diesem
Bedürfniss  zu  begegnen,  ist  Aufgabe  des  Jünglings  nach  Vollendung
  seiner  Erziehung,  so  lange  er  in  der  Jugendkraft  und  für
sich  allein  stehend  bei  aller  Leistungsfähigkeit  doch  noch  im
Stande  ist,  seine  Ausgaben  zu  beschränken.

Von  dieser  Ansicht  aus  erscheint  es  im  eigenen  Interesse
des  Arbeiters  begründet  und  daher  zulässig,  als  Pflicht  von  ihm
zu  verlangen,  dass  er  durch  Einkauf  in  die  Altersversorgungskasse
  sich  ein  sorgenfreies  Alter  sichere,  ehe  er  daran  denkt,
neue  Pflichten  nämlich  die  Verantwortlichkeit  einer  selbstständigen
Stellung  und  die  Sorge  für  andere  zu  übernehmen  oder  eine
Familie  zu  gründen.

Die  Frage,  ob  es  stalthaft  ist,  die  Niederlassung  oder
die  Begründung  eines  eigenen  Haushaltes  und  die  einer  Familie
oder  die  Schliessung  einer  Ehe  unter  gewissen  Bedingungen  an
die  Zustimmung  der  Gemeinde  zu  knüpfen,  wird  weiter  unten
einer  ausführlicheren  Erörterung  unterworfen  werden.  Wir  werden
  dann  gleichzeitig  zu  untersuchen  haben,  wie  die  Gemeinde
zu  wirksamer  Ausübung  dieses  Rechtes  befähigt  und  an  einem
Missbrauch  desselben  verhindert  werden  kann.  Wir  setzen  für
jetzt  die  bejahende  Beantwortung  dieser  Fragen  voraus  und  bezeichnen
  die  eben  geltend  gemachte  Forderung  als  eine  Bedingung,
  welche  die  Geineinde  zu  stellen  befugt  ist.

Verabsäumt  die  Gemeinde  von  denen,  welche  sie  als  Mitglieder
  in  ihre  Genossenschaft  aufnimmt,  oder  denen  sie  die
Schliessung  einer  Ehe  gestatlet,  den  Einkauf  in  die  Altersversorgungskasse
  zu  verlangen,  so  ist  sie  nach  Maassgabe  der  bestehenden
  oder  noch  zu  erlassenden  Geseize  zu  ihrer  Verpflegung
im  Fall  der  Verarmung  verpflichtet.