§ 1. A. Begriff des Staates. — B. Entstehung des Staates.
Ständige Besorgung bestimmter Staatsaufgaben überträgt und sich
selbst nur ein Aufsichtsrecht über die Ausführung seiner Befehle sichert.
(Vergl. S. 13, § 3. B.)
B. Entstehung des Staates. Die ersten Anfänge einer
solchen unbeschränkten Herrschaft, die wir heute „Staat" nennen, liegen
natürlich weit zurück in der Vergangenheit, sie finden sich zweifellos in
der Familie: die natürliche Hülflosigkeit der Kinder, ein Achtungsgefühl
gegen die Eltern, besonders gegen den Vater, gaben diesem eine völlig
selbständige und uneingeschränkte Herrscherstellung innerhalb der Familie,
deren Glieder, da kein höheres Wesen über der Familie existirte, vollständig
seiner Willkür preisgegeben waren, deren Leben und Tod in
seiner Hand lag. Wuchs die Familie, wuchs naturgemäß auch die Macht
des jeweiligen Familienoberhauptes: neben seinen Kindern hatte er jetzt
seine Enkel und auch noch deren Kinder zu beherrschen; er war das
Haupt der ganzen Familie, ein Gebieter von unbeschränkter Machtvollkommenheit,
dem oft eine stattliche Anzahl anderer Menschen unterworfen
war und häufig völlig rechtlos gegenüberstand.
Das ungleiche Wachsen der verschiedenen, nebeneinander bestehenden
Familien führte bald dazu, daß die weniger zahlreiche und daher weniger
starke sich zu ihrem Schutze mit der größeren und mächtigeren verband.
Weitere Vereinigungen fanden aus den verschiedensten Gründen
statt: besiegte Feinde wurden dem alten Verbande eingegliedert, gemeinsame
Unternehmungen führten zu dauerndem Zusammenhalt ect .ect
kurz und gut, wir finden bald eine Verschmelzung früher selbständiger
Familien, die sich nun gegenseitig unterstützen und gewisse Rechte nur
noch gemeinsam ausüben, übrigens aber unabhängig bleiben. Zu
dieser gemeinsamen Ausübung bilden anfangs die Häupter aller
Familien, später wieder nur noch von einzelnen einen „Rath“, der
nun über diese gemeinsamen Dinge zu beschließen hat und dem alle
anderen untergeordnet sind. In diesem Rathe gewinnt der Mächtigste
und Tüchtigste bald einen besonderen Einfluß, die Anderen erkennen
seine Ueberlegenheit und lassen sich wohl oder übel von ihm leiten, bis
er im Laufe der Zeit zu solchem Ansehen gelangt, daß er es eigentlich
ist, der die Geschäfte der Gesammtheit führt, während die anderen
Mitglieder des Rathes von ihm abhängig werden und ihm schließlich
nur noch berathend zur Seite stehen. So entsteht allmählich das
Königthum.
Bei dem fortgesetzten Inverbindungtreten ursprünglich selbständiger
Familien und dem Zunehmen der gemeinsamen Interessen wächst die
Bedeutung dieses „Rathes“; es wird immer deutlicher, daß wir jetzt
nicht mehr allein die Einzelfamilien vor uns haben, sondern daß diese
eng miteinander verknüpft sind, daß sie, alle zusammengefaßt, eine
dauernde Lebensgemeinschaft bilden, daß über allen diesen Einzelfamilien
gleichsam eine neue Einrichtung besteht, und diese neue Einrichtung, das
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