Metadaten : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

44  Bayern  unter  dem  Luitpoldinger  Arnulf  I.

war,  und  mit  dem  Aussterben  der  Karolinger  in  Deutschland
den  Bajoariern  oder  Bayern  ihre  Selbstständigkeit  wieder
gegeben  schien,  so  begrüßten  diese  Arnulf,  den  Sohn  des  tapfern
Markgrafen  Luitpold,  als  unabhängigen  Herzog  (911—937),
und  die  Bewohner  Kärnthens  folgten  diesem  Beispiele.  Aehnliches
  war  unter  den  letzten  Karolingern  in  Sachsen,  Franken,
Alemannien  und  Lothringen  geschehen,  und  so  war  das
Reich  der  Deutschkarolinger  bei  deren  Aussterben  in  fünf  Herzogthümer
  aufgelöst.

Diese  Zerstücklung  des  Reiches  hielt  der  Erzbischof  Hatto
von  Mainz  auswärtigen  Feinden,  namentlich  den  Ungarn
gegenüber,  für  höchst  gefährlich,  und  brachte  daher  im  Benchmen
mit  dem  sächsischen  Landesherzoge,  Otto  dem  Erlauchten,  zu
Forchheim  die  Wahl  eines  neuen  deutschen  Königs  in  der  Person
  des  rheinfränkischen  Grafen  Konrad  von  Fritzlar  (911
—  918)  zu  Stande,  der  dem  karolingischen  Hause  verwandt  und
durch  persönliche  Tüchtigkeit  ausgezeichnet  war.  Bayerns  Herzog
Arnulf  I  hatte  sich  an  der  Wahl  Konrads,  seines  Stiefvaters
  ),  nicht  betheiligt,  denn  ihm  lag  daran,  seine  eben  gewonnene
  Unabhängigkeit  zu  bewahren.  Das  gleiche  Streben
zeigte  Arnulf  I  zwei  Jahre  später  (913)  den  Ungarn  gegenüber,
  die  in  Bayern  erschienen,  um  den  herkömmlichen  Tribut
zu  fordern.  „Er  wisse  nichts,“  soll  Arnulfs  Antwort  gelautet
haben,  „von  einem  derartigen  Uebereinkommen  und  sei  nicht  gewohnt,
  sich  Drohungen  gefallen  zu  lassen  und  fremde  Befehle
anzunehmen.  Wollten  die  Ungarn  ihrer  Habsucht  folgen,  so
würden  sie  in  Bayern  Männer  und  Schwerter  finden".  Die
Ungarn  erschienen  bald  darauf  wirklich,  und  wurden  von  den
vereinigten  Bayern  und  Schwaben  unter  Arnulf  und  den
beiden  Kammerboten  Alemanniens,  Erchanger  und  Berthold,
bei  Oetting  am  Inn  (913)  bis  auf  dreißig  Mann  aufgerieben.

Durch  diesen  Sieg  gehoben  wagte  es  Arnulf,  seinen
mütterlichen  Oheimen,  Erchanger  und  Berthold,  die  als
Herzöge  Alemanniens  ihre  Selbstständigkeit  zu  behaupten

*)  Konrad  hatte  Kunigunde,  die  Wittwe  des  907  gefallenen
Markgrafen  Luitpold,  geheirathet.