Full text: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Dritter Band: Neuere Geschichte Sachsens von 1806-1866. (3)

772 Sachsen unter König Johann. Deutsche Verhältnisse. 
die durch Mißbrauch einer überlegenen Gewalt erfolgte Be- 
setzung von Rendsburg für eine Verletzung der Rechte des 
Deutschen Bundes und eine Kränkung der Ehre deutscher 
Bundestruppen und legten gegen diesen von einer deutschen 
Bundesmacht vollzogenen Gewaltact Verwahrung ein. In 
Frankfurt aber ließ die Regierung die Erklärung abgeben: 
Eingedenk dessen, was sich seinerzeit in Altona begeben, nicht 
minder der Erfolglosigkeit ihrer damaligen Beschwerden, werde 
sie diese Vorgänge nicht zum Gegenstand eines Antrags machen 
sondern erwarten, welche Anregungen von seiten der nicht un- 
mittelbar betroffenen Bundesregierungen geschehen würden; 
sie für ihren Theil werde sich durch die neueste schmerzliche 
Erfahrung nicht abhalten lassen die übernommene Verpflichtung 
getreu zu erfüllen, sei aber nicht minder entschlossen, bei einer 
abermaligen Zumuthung nur der Gewalt und nicht der Dro- 
hung zu weichen, und lehne im voraus die Verantwortung für 
alle daraus entstehenden Folgen feierlich von sich ab. Aber 
dieser Appell an das Ehrgefühl der anderen Mittelstaaten blieb 
ohne Antwort. So konnte Sachsen den wiener Frieden vom 
1. August nur mit dem Gefühle schmerzlicher Resignation be- 
grüßen, zumal der darin ausgesprochene Verzicht des Königs 
von Dänemark auf seine „Rechte“ auf die Herzogthümer zu 
Gunsten Osterreichs und Preußens den Bund mit neuen Be- 
einträchtigungen bedrohte. Auf der Stelle meldete daher die 
sächsische Regierung für die nächste Bundestagssitzung einen 
Antrag an, beide Mächte um eine beruhigende Erklärung des- 
halb zu ersuchen. Weil dies aber bei der Kürze der Zeit nur 
telegraphisch geschehen konnte, so nahm das Präsidium dies 
zum Vorwand um denselben als formell unzulässig zurückzu- 
weisen, und da er weder bei den Regierungen noch bei der 
öffentlichen Meinung die gehoffte Unterstützung fand und die 
preußische Presse, die auch wegen einer von General v. Hake an- 
geordneten Dislocierung einiger Truppen nach Lauenburg Lärm 
schlug, der sächsischen Regierung deshalb den Vorwurf der 
Undankbarkeit und unnsthiger, mit der Demokratie frater- 
nisierender Opposition gegen die Vormächte machte, so ließ