Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Nummer  2368

8  Frruppenkandungen
werden  fortgeseht.
openhagen,  8.  Olt.  Pariser  Meldungen
zufolge  sind  bisher  50  000  Mann  in  Saloniki
gelandet.  Die  Truppenlandungen  werden  entgegen
  anders  lautenden  Meldungen  fortgesetzt.
Forlwährend  treffen  neue  Truppentransportdampfer
  in  Saloniki  ein.  (Z.)

Die  Tüctei  un  Veilrieg
Eine  Rede  Enver  Paschas.

Konstantinopel,  8.  Okt.  (Verspätet  wingetroffen.)
  Die  Kammer  hielt  am  5.  Oktobe
eine  denkwürdige  Sitzung,  die  den  Verucheen
der  Nation  neue  Gelegenheit  bot,  ihre  grohe
Begeisterung  auszudrücken,  die  die  heldenhaften
Taten  der  türkischen,  deutschen  und  österreichischungarischen
  Armee  bei  ihnen  hervorrufen,  sowie
ihre  volle  Danlbarkeit  gegenüber  den  türkischen
Soldaten  und  der  gegenwärtigen  osmanischen
Negierung  auszusprechen.  Das  Hauptinteresse
der  Sitzung  lag  einerseits  in  der  Rede  des  Präsidenten
  Halil  Bey,  dessen  ergreisende  Worte
im  ganzen  Saale  vaterländische  Begeisterung
hervorriefen,  andererseits  besonders  in  der  Rede
des  Kriegsministers,  Vizegeneralissimus  Enver
Pascha,  der  in  diesem  entscheidenden  Augenblick
des  Weltkrieges  zum  erstenmal  das  Wort  ergriff
  seit  Anfang  des  Krieges.  Der  Kriegsminister
  führte  aus:

Inzwischen  bereileten  sich  wichtige  Ereignisse
an  den  Dardanellen  vor,  aber  vorher  unternahmen
  wir  einen  Zug  nach  Aecgypten.  Nach
den  vorbereitenden  Schritten  für  diese  Expedition,
  die  für  unmöglich  gehalten  wurde,  übersritten
  wir  den  Sinai  und  besetzten  das  Gelände
  in  der  Umgebung  des  Kanals,  das  für
die  zulünftigen  Operationen  für  unentbehrlich
erachtet  wird.  Wir  erkannten  den  Plan  des
Keindes  und  trafen  Gegenmaßregeln.  (Beisall.
Diese  Unternehmung  gab  uns  die  feste  Ueberzeugung,
  daß  die  Expedition  gegen  Aegypten
moöglich  ist  und  daß  sie  von  einem  vollen  Ersolg
  gekrönt  sein  wird.  (Lebhafter  Beifall.,

Den  Franzosen  und  Engländern  gelang  es
Uioher  nicht,  ihre  Ausgabe  zu  ersüllen,  trotz  der
tbaren.  Mittel,  über  die  sie  verfügten.  Es
wed  ihnen  auch  ferner  unmöglich  sein,  in  ihrem
Umernehmen  Erfolg  zu  haben.  (Lebhafter  Bei-„all
  Während  der  Dardanellenschlachten  blieb
der  türkische  Soldat  mil  der  Wasse  in  der  Hand
unerschütterlich  unter  dem  feindlichen  Artillerieseuer
  von  zwanzig=  bis  dreißigsacher  Uebermacht,
  erwartete  lächelnd  den  Angriff  des  Feindes
  und  brachte  ihm  schliehlich  den  Jusammen=Lruch.
  (Beisall,  Ruse:  Es  lebe  unsere  Armee!
Nach  unseren  Berechnungen  benutzte  der  Feind
ungejähr  500000  Mann  für  die  Angriffe.  Ungefahr
  die  Hälfte  dieser  Zahl  liegt  auf  der
Gullipolihalbinsel  begraben,  der  Nest  ist  verwundet
  zurückgetehrt.  Wir  erfahren,  daß  ein
n#r  Erxeignis  die  schon  erschütterte  Hoffnung
des  Feindes  vernichtet  hat,  der  schon  einen  Teil
seiner  Kräste  zurücknimmt.  Wie  ich  Ihnen  schon
sagle,  war  es  uns  unmöglich,  auf  allen  unseren
0  renzen  gleich  starl  zu  sein,  da  nur  das  End.
riel  dieses  Krieges  für  uns  in  Betracht  lam,
sonn  hätten  wir  keinen  Ersolg  erzwingen  lönnen.
Aur  diesem  Grunde  wurden  einige  Gebietle  des
Meiches  dem  feindlichen  Cinbruch  ausgesetzt,  aber
ich  lann  mit  Ueberzeugung  behaupien,  daß  wir
vor  dem  Hriedensschiuß  den  Feind  aus  diesen
Cehieten  vertreiben.  (Lebhafter  Beifall.  Gegenwärtig
  lämpsen  drei  verbundete  Heere  siegreich
  gegen  acht  Verbündete.  Mit  Gotles  Hilfse
werden  sie  den  Endsieg  erringen.  (Lebhafter,
wiederholter  Beifall.

Da  das,  was  von  den  Balkankriegen  ubrig
blieb,  unbedeutend  war,  anderseits  unsere  Verbindungen
  nach  außen  abgeschnitten  waren,  begungten
  wir  uns  selbst  mit  den  Erzeugnissen
unieres  Landes.  Ich  habe  Ihnen  mitgeteilt,
daß  die  Unterbrechung  der  Verbindung.  die
leine  Gesahr  bedeuten  würde,  selbst  wenn  sie
andauerte,  schließlich  verschwinden  wird.  Injolgedessen
  wird  der  Bedarf  unseres  Heeres  an
Wassen  und  Munition  und  Sonstigem  sichergeellt
  werden.  Die  Armce  wird  stärker  aus-Ferü#et
  und  bewaffnet  sein.  "

à  #

der  IEIIII

Die  englischen  Verluste  an  den  Darßen.



NRolterdam,  8.  Olt.  Wie  man  aus  London
  meldet,  teilte  Saatsselretär  Tennant  im
Unterhaus  mit.  daß  gegenwärtig  50  englische
Traneportdampfer  damit  beschäftigt  sind,  die
Kranken  und  Verwundeten  aus  Gibraltar,  die
aus  den  Kämpfen  an  den  Dardanellen  stammen,
  nach  England  zu  bringen.  Tennant  erllärle,
  salls  sich  diese  Anzahl  Dampfer  als  zu
gering  erweisen  sollte,  würden  weilere  in  Dienst

FKltellt.  Wenn  man  bedenkt,  daß  in  den  letzten
  Wochen  keine  nennenswerten  Kämpfe  auf
Gallipoli  stattgefunden  haben,  kann  man  sich
ein  ungefähres  Bild  machen,  welche  schweren
Opfer  den  Engländern  die  seinerzeit  immer  wieder
  erneuerten  Angrifse  gegen  die  türlischen
Stellungen  kofleten.  (3.)

 

Dei  Eroberer  von  Warschan.
Prinz  Leoboid  von  Bayern  X  im  Schützengraben.

 

 

 

Soz  ale  Rundschau.
Rosenheim,  9.  Cit.  Ueber  die  Anwartschaften
  der  bayer.  Berg.,  Hütten=  und  Sa-Hnar
  beiner  im  Krieg  lesen  wir  in  der  „„M.
.  A.“:  Um  zahlreichen  Anfragen  und  Anre-Mnoln.
  aus  Arbeiterlreisen  innerhalb  unierer
Verg-,  Salinen,  und  Hütlenverwallung  gerecht
zu  werden,  sei  mitlgeleill,  daß  Landtagsabg.
Bühler,  der  seit  Jahren  für  die  liberale  Fraltion
  die  in  das  Gebiet  der  Berggesetzgebung
einschlägigen  Fragen  sachlundig  vertrim,  gleich
bei  seinem  ersten  Eintreffen  in  München  in  dem
Ministerium  des  Aeußern,  zu  dessen  Ressort  das
Kapitel  „Verggesengebung“  gehört.  vorsiellig
wurde.  Angesichte  der  Tatsache,  daß  für  eine
große  Anzahl  von  Knappschaftelassenmitgliedern,
  die  zu  Kriegs-,  Sanitäts=  und  ähnlichen
Diensten  einberufen  jind,  die  Gefahr  besteht.
daß  für  sie  die  mit  dem  Ausscheiden  aus  der
Beschäfligung  gesetzlich  verbundenen  Folgen  eintreten,
  daß  sie  insbesondere  die  bis  zum  Kriegsausbruch
  bei  ihren  Vereinen  erworbenen  Anwartschaften
  verlieren,  betonte  der  Abgeordnele
die  unbedingte  Rotwendigkeit  der  alsbaldigen
Vorlegung  eines  Gesetzentwurfes  seitens  der  K.
Staatsregierung,  durch  welchen  den  besichenden
Cesahren  vorgebengt  werde.  Der  betresfende
Ministerialreserent  konnte  dem  Abgeordneten,
der  in  der  Aussprache  auch  auf  das  diesbezugliche
gesetzgeberische  Vorgehen  anderer  deutscher  Bundeostaaten
  hingewiesen  hatte,  die  bestimmte  Erllärung
  geben,  daß  die  K.  Staatsregierung
den  gleichen  Standpunlt  einnehme  und  daß  demzufolge
  der  Gesetzentwurf  schon  in  den  allernächiten
  Wochen  dem  Landtag  unterbreilet  werde.
Die  beteiligten  Arbeiterkreise  und  deren  Familien
  mögen  also  ohne  Sorge  in  die  Zulunft
blicen,  zumal  erwartet  werden  darf,  daß  beide
Kammern  des  Landtags  in  voller  Einmütigkeit
den  Gesetzentwurs  mit  Rückwirkung  ab  1.  Augqust
  1913  annehmen  werden.

Der  Hagel  im  Jahre  1915.

München.  7.  Olt.  Nach  dem  Jahresbericht
der  K.  Verticherungskammer,  Abteilung  für  Hagelversicherung.
  beung  im  gegenwärtigen  32.
Versicherungejabhre  die  Jah  der  Versicherten
172056  gegen  1726061  im  Vorijahre,  die  Ver
sicherungesumme  311½883  950  Mark  gegen
318  410  860  Mk.  im  Vorjahr.  An  83  Tagen
wurden  in  2  77  Källen  13.302  Mitglieder  in
1698  Gemeinden  *.  1300  Gemeinden  ein
mal,  237  zweimal,  55  dreimal,  8  viermal  und
1  fünfmal  verha:  eli  und  192  Nentamtsbezirle

 

von  Hagelschaden  betrofjen.  Die  83  Tage  ver
leilen  sich  wie  folgt:  April  2.  Mai  13.  Juni
17,  Juli  26,  Augun  21.  Sertember  J.  Als

Hageitage  mit  meh  alo  11011111  Ml.  Schaden
werden  hervorgehoben:  13.  Mai  mit  131  I17
Marl,  4.  Juni  mil  181  35½  Mil.,  11.  Juni
mit  195  603  Ml.,  7.  Zuli  mil  327138  Mt.,
23.  Juli  mit  521969  Mi.,  11.  August  mit
265  945  Mk.,  16.  Augun  mit  195  746  Ml.,
10.  August  mit  106  471  Mk.  Die  Sachverftän
digen  schätzten  die  Schäden  im  allgemeinen  ohne
Anstand.  Der  diesjährige  G  esanithagelschaden
beträgt  mit  einem  Zuschlage  für  etwa  noch  ansallende
  Schäden  32/½0000  Mk.  Die  Jahresbeiträge
  sind  5035046  Mk.;  hiervon  werden
zu  Beitragserleichterungen  für  Anstaltemilglieder.
  welche  bisher  mehr  an  Beiträgen  gezahlt
als  an  Cntschädigung  erhallen  und  im  laufenden
  Jahre  keine  Emischädigung  beansprucht  haben,
  rund  565  000  Mk.  für  1916  zurückgeslellt:
mit  Einschluß  von  10000  Mk.  Zinsen  aus  lau
sender  Rechnung  bleiben  sonach  rund  4  43½0  1110
Mark  und  nach  Decung  der  Verwaltungskonen
zu  380  000  Mk.  rund  4  100000  Mk.  Hiermit:
können  die  Entschädigungen  voll  ausbezahlt  v##rden;
  der  Ueberschuß  von  9000000  Ml.  fließt
in  den  Reservefonds,  der  sich  hiedurch  und  durch
seine  sonstigen  Einnahmen  um  rund  1.,60  Millionen
  Mark  erhöht.

r-  .
HONIGBIENE-as
Canoͤshut,  8.  Olt.  Ein  auhergewöhnlicher
Wohltäter  unserer  Stadt,  Großkaufmann  Joseph
  Schütz  in  Bayreuth,  ist  gestorben  und
wurde  im  städt.  Friedhofe  dahier  an  der  Seite

 

 

seiner  Eltern,  der  Postoberkondukteurseheleute

Schüt,  zur  letzten  Ruhe  gebracht.  Wie  Oberbürgermeister
  Marschall  am  Grabe  namens  der
-Stadtgemeinde  und  als  Testamentsvollstrecker
seines  Nachlasses  mitteilte,  hat  der  Verlebte
all  diesen  Vereinen  und  Wohltätigkeitsanstalten
nnierer  Stadt  große  Legate  (dem  Vernehmen
nach  über  40000  Mk.  zugedacht  und  nach  Wegrichtung
  derselben,  sowie  größerer  Zuwendungen
an  seine  Verwandten  und  an  die  Bayreuther
Anstalten  auch  sein  restiges  Vermögen  der  Stadt
Landshut  für  wohltätige  und  gemeinnützige
Zwetke  als  seiner  Erbin  überlassen.

Hasing,  8.  Oll.  Zwei  Geschwister,  der  11
Jahre  alie  Sohn  und  die  12  Jahre  alte  Tocher
  Krieda  der  in  München  wohnenden  Werkmeisterswitwe
  Reiter  srielten  nmährend  eines  Besuches
  bei  Belannten  mit  einem  geladenen  Revobve;
  Dabei  ging  ein  Schuß  los  und  traf
das  Mädchen  in  den  Hinterkopf.  Es  ist  vergangene
  Nacht  der  Verletzung  erlegen.

Grenzlande.

Kufstein,  8.  Okt.  Eine  Weinpreiserhöhung
in  Kusstein  wurde  in  der  kürzlich  hier  stattgefundenen
  Versammlung  der  Gastwirtegenossenschaft
  beschlossen.  Darnach  lostet  das  Viertei
Rotwein  nunmehr  statt  26  Heller  30  Heller.

Bauerisches  ——

Vrannenbarg,  8.  Okt.  Seit  19.  September
  il  der  Oekonom  Sebastian  Eiblwieser  von
Bramnenburg.  abgängig.  Er  ist  mittelgroß.  bartos,
  (3  Jahre  alt  und  trug  graue  gose,  Loden
joppe.  Schunrschuhe  und  weißes  Hemd.  Für
Ausfindigmachung  sind  25  Nr.  Beloh

ieine
ung  ausgesetzt.

Dausham,  83.  Olkt.  In  der  Grube  des
Klenzeschachtreviers  brach  gestern  vormittag  ein
Abbau  zusammen.  Die  vier  dort  beschaftigten
Vergleute  wurden  verschütiet,  kamen  jedoch  mit
leichten  Verletzungen  davon.

Verchtesgaden,  8.  Olt.  Das  am  Furstenstein
  gelegene  Lehrererholungsheim  des  Vayer.

Lehrervereina  wird  gegenwärtig  durch  Baumeirer
  Jos.  Amort  vergrößert  und  soll  bis  zum
räch'tten  Frühjahr  fertig  werden.  Durch  die  Ver-Sröberung
  werden  zwolf  gegen  Süden  gelegene
Himmer  und  sechs  weitere  Näumlichkeiten  gewonnen.
  Der  als  Flügel  hinter  dem  jetzigen
Gebäude  gedachte  Anbau  kommt  ohne  Licht=  und
DHampfheizungsanlage  auf  eitwa  23000  Mk.  zu
stehen.

—

 

 

 

5½5%n
2½3½

inait

Unsere  Kriegs-  und  Kluilgefangeren.

Kriegsgesangenen  hilfreich  beistehen,  ist  doprelle
  Veranlasung.  Viele  find  wahre  Helden.
Sie  haben  Leben  und  Freiheit  rücksichtlos  eingesetzt,
  und  wälrrend  alücklichere  Kameraden  zuülehrten
  und  die  sosorlige  Belohnung  ihrer
Laxferkeit  empfingen,  mußten  sie  die  geliebte
Waffe  niederlegen,  sich  durchsuchen.  oft  unwürdig
  behandeln,  manchmal  von  einem  verhetzten
Pobel  mißhandeln  lassen,  hilf#  und  wehrlos
oft  Not  leiden  bis  zur  Ankunft  im  Gefangenenlager.
  Welche  Seelenqualen  für  die  Tapferen!?
Und  sind  sie  erst  gar  verwundet  oder  leidend,
wer  vermag  zu  schildern,  was  sie  dulden!  Dabei
  werden  sie  sirengstens  von  allen  Nachrichten
aus  der  Heimat  ferngehalten.  alsichtlich  mit
salschen,  schlimmen  Nachrichten  bedient,  müssen
vit  schwer  arbeiten  bei  mangelhafter  oder  ein
seiliger  Ernährung  oder  Hunger  leiden,  wenn
sie  sich  nichi  um  teures  Geld  etwas  kaufen
lonnen  oder  dürsen.

Nicht  viel  ander-  ergeht  es  den  Zivilgesanbenen.
  Ee  sind  meist  tüchtige  Menschen,  die
ale  Deutsche  und  Oesierreicher  im  Ausland  von
dessem  herben  Schicksal  betrofsen  wurden,  viele,
die  durch  ihre  Weltkenntnis  und  Erfahrung  einen
wertvollen  Bruchleil  des  Deutschtums  darstelien,
  der  uns  auch  innerlich  nicht  verloren  gehen
darf.  Sie  sind  entblöht  von  allem,  denn  ein
durch  die  feindliche  Hetzpresse  aufgestacheller
herzloser  Pöbel  hat  sie  beraubt,  verjagt,  geguält
  und  an  Leben  und  (besundheit  geschädigt
in  unmenschlicher  Weise.  Sind  sie  getrennt  von

Sonniag,  10,  Okteber  1913

den  Ihrigen,  von  Weib  und  Kind,  so  zerwühlt
die  Sorge  um  deren  Schicksal  die  geängstigte
Seele;  teilen  sie  die  Gefangenschaft  mit  ihnen,
peinigt  das  sichtbare  Elend  das  Vater-,  Mutter-
  oder  Gattenherz.  Sie  leiden  oft  namenlos,
Kriegs-  und  Zivilgefangene,  besonders  dann,
wenn  ein  unmenschlicher  oder  unsähiger  oder
gewinnsüchtiger  Kommandant  des  Gefangenenlagers
  unumschränkte  Gewalt  hat.  Die  zurückgelehrten
  Austauschgefangenen  berichten  teilweise
traurige  Dinge.  Es  ist  nur  zu  hoffen,  daß  die
Beschwerden  auch  eine  wirkungsvolle  Abhilfe
erzielen.  Was  alles  da  berichtet  wurde,  ist  kaum
zu  glauben  und  zu  verstehen.

Deshalb  ist  es  Pflicht  unser  aller,  die  in
der  Heimat  zurückgeblieben  sind,  diesen  Unglucklichen
  ihr  hartes  Los  zu  erleichtern,  ihre  Gesundheit
  vor  dem  russischen  Winter  zu  jchühen.

Darum  tut  morgen  Eure  Hand  auf!
2  «

Dank  der  resti  ——  in

als  sie  dle  —  *
von  der  Heimat  aus  u  dem.

9  Mt  en,  daß  sie
öltigsten  ver  2  werden

In  rauhem  Erze  —*  der  Krieg  gezogen,
Und  unter  seinem  Tritt  erdröhnt  die  Welt.
Des  Volkes  Blüte,  jugendfrische  Wangen
Sah  man  hinauszieh'n  auf  das  Ehrenfeld.
Der  frohen  Rücklehr  hoffnungsfroh  Warlangen
Bei  vielen,  ach,  hat  es  der  Tod  zerschellt
So  mancher  auch,  wie  tapfer  er  gerungen
Sitzt  fern  gefangen  vom  Ceschick  bezwungen.

Er  ist  entrückt  des  Krieges  wilden  Wehen
Und  weiß  es  nicht,  wie  drauß  der  Würscl  jällt.
Fragt  bangend  sich,  was  wird  noch  all  geschehen,
Wie  wohl  wär  mir,  ständ  kämpfend  ich  in  Feld.
Der  Heimat  Bilder  lachend  vor  ihm  üehen.

Liegt  er  die  Nächte  schlummerlos  im  Zelt.
Und  Zweifel  trübt  der  Hoffnung  frohen

Schimmer:
Die  Heimat,  ach,  sie  denkt  wohl  meiner  nimmer.

Doch  siehe  da:  der  Freude  goldner  Morgen
Hat  plötzlich  sich  dem  Frühling  gleich  genaht.
Der  Heimat  zartes  liebereiches  Sorgen
Zerstreut,  verweht  des  Zweifels  dunkle  Saat.
Ach  könnte  man  doch  Engelszungen  borgen,
Zu  schildern,  wie  so  wohl  die  Volschait  tat.
Nein,  niemand  kann  das  Glüd  ermessen,

Das  Baterland,  es  hat  uns  nicht  vergessen.

Wie  strahlt  der  Liebe  Sorgfalt  uns  entgegen,
Nur  Lieb  und  Sorgfalt  solche  Gaben  fand.
Wir  seh'n  im  Geiste  alle  Hände  regen.

Darunter  manche  liebe  Mädchenband.

Vergelt  es  dir  des  Himmels  reichiter  Segen.

Was  du  uns  tatst.  du  liebes  Vaterland!

Und  blüh'n  des  Wiederiehens  Hoffnungsranken,

Dann  wollen  wmir's  durch  euige  Treue  danken.
——-—*lä  1
Rosenheim,  98.  Oliober.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Michael  Buchauer.  Bauerssohn  von  Schöffau,
Pf.  Törwang,  Unterjäger:  Martin  Eioner,
Zanklbauerssohn  in  Högling.  Gefr.  im  3.  Juf.
Rat.,  Inhaber  des  Eisernen  Kreuzes  und  der
würtlemb.  silbernen  Tapferleilemedaille:  Micha!
  Kraus,  Schweizer  in  Marlrain,  Inf.  im
1.  Landwehr=  Juf.  Rai.:  Georg  Küchhaber,  Baklersfohn
  von  Vagen.  Landflurmmann  im  3.
Ref.-Inf.-Rgt.;  Crorg  Rappl.  Soldat  im  12.
Reis.-Jnf.-Rat

MMWeich#n  ngenim  Felde.  Das  Eiterne
Kreuz  wurde  verlichen  dem  O  berleutnant  Amon
Kock  (Rosenheim  des  Landwehr  Trai#  1.  Auf.
gebots  und  dem  Stadsveterinädr  Kari  Neinmann

(Rosenheim'.  Der  Einjährig-FSreimillige  Willi
Binder,  Sohn  des  Kgl.  Ilutmeiters  Laver

Binder  in  Rosenheim,  zurzeil  Keldwebel  Leut
nant  und  Offiziersa##pirani,  wurde  mir  dem  Ti#e#
nen  Kreuz  ausgezeichnet.  ODem  Ockonomen  Bernhard
  Hoiß  aus  Dettendorj,  BA.  Ebers#erg.
wurde  das  Verdienlrenz  #3.  Klasse  mit  der
Krone  und  mit  Schwertern  verliehen.  Er  iteht
als  Unteroffizier  in  der  Hußz-Art.  Landiturm—
Batlerie  Germereheim  2.

Nachmusterung  der  Reichsdeutschen
in  Tirol.  Vom  kais.  deutschen  Koniulat  in
Innsbruck  wird  verlautbart:  In  (Gemäßheit
des  Gesetzes  vom  4.  Sepitember  18915  haten
sich  sämtliche  am  8.  September  18770  und  ipaler
geborenen,  als  dienstundranchbar  ausgemustertlen
  oder  als  dauernd  ganz  invalide  oder  dauernd
garnisonsdienftunfähig  aus  dem  Heere  und  der
Marine  entlassenen  Wehrpflichtigen.  die  in  Tirol
und  Vorarlberg  sich  aufhalten.  sich  mundlich
oder  schriftlich  bei  dem  kaiserlichen  Komnlat
in  Junsbruck  zur  Eintragung  in  die  Linen  in
melden.  Die  Nachmunerungen  werden  in  Jnnsbruck.
  Meran  und  Feldkirch  abgehalten  und  die
Termine  hierzu  seinerzeit  bekannt  gegeben.  Eine
Rückkehr  in  die  Heimat  hat  erst  zu  erfolgen,
nachdem  die  Nachmusterung  die  Kriegsvermen-.
dungsfähigkeit  ergeben  hat.  Wer  die  Anmeldung
  unterlaßt,  oder  in  dem  bekanm  gegebenen
Termine  zur  Nachmusterung  nicht  ericheint,  macht
sich  itrafbar

Die  Schulräume  des  K.  Gymnasiums
  sind  jeßzt  vom  Militar  wieder  sreigemacht
  und  die  notwendige  Inslandsetzung  ist  bereits
  in  Angri,  aenommen.  Die  Aufnahme  des
vollen  Unterricht=  u.  eines  etwaigen  vorlau- 



sigen  Notbetriebs  wird  re.  #lzeitig  den  Eltern