Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

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Uummer  66

Noen##  #gs

Samsfag,  20.  März  1015

 

und  Kassala  zu  vereinzelten  Ausständen,  die
sich  dann  zu  einem  allgemeinen  Aufstande  auswuchsen,
  als  der  Derwisch  Mabur  el  Asl,  der
„neue  Mahdi“,  wie  er  jetzt  überall  genannt
wird,  die  blutrote  Fahne  des  Leiligen  Krieges
nach  dem  Niltale  trug.  Von  allen  Seilen  ström.
ten  ihm  die  Unzufriedenen  zu,  so  daß  er  bald
mit  10  000  Reitern  nach  dem  Late  No  ziehen
lonnte.

Am  13.  Dezember  zogen  gegen  40000  Derwische
  nach  Faschoda,  denen  der  General  Hawley
  etwa  60000  Mamm  britisch-ägyplischer  Truppen
  entgegenzustellen  vermochte.  Von  diesen
gingen  sämtliche  eingeborenen  Soldaten  zu  den
Derwischen  über,  so  daß  die  Regierungstruppen,
laum  noch  2000  Mann  stark,  im  ersten  Ansturm
  von  den  Rebellen  überrannt  wurden.
General  Hawlen  und  alle  Offiziere  fielen,  die
Mehrzahl  der  Soldaten  verendete  unler  den
Speerstichen  der  wilden  Wstenreiter.  Jedem
Gefallene  ließ  Mabur  el  As#l  den  Koss  abschlagen.
  Den  Kopf  des  gefallenen  Generals
Hawien  sandte  der  neue  Mahdi  nach  Khartum
mit  der  Drohung,  daß  jedem  Engländer  in
Kharium  und  ganz  Aecgypten  es  so  ergehen
werde  wie  diesem  Verfluchten,  den  das  Schwert
Allahs  getroffen  habe.

Insolge  dieser  ersten  großen  Wafsentat  der
Derwische  fielen  alle  Stämme  von  der  Regie
rung  ab,  die  bisher  noch  zu  England  bielten,
und  die  ögyptische  Regierung  wurde  gezwungen,
bedeutende  Truppenmassen,  die  sonfst  gegen  die
Türken  am  Sunezlanal  verwendet  wären,  nach
dem  bedrohten  Sudan  zu  schaffen.  Er.  in  nicht
zu  viel  geiangt,  daß  jetzi,  Ansang  März,  der
ganze  Sudan  mit  der  Haupistadt  Kharlum  so
wie  ein  großer  Teil  Nubiens  im  unbeitrittenen
Besine  der  Derwische  ist.

Allgemeines  vom  stieg
Das  Mandat  des  Abg.  Wetterle.
Berlin,  18.  März.  Die  Geschästsordnungslommission
  des  Reichstages  beschloß  heute,  das
Mandat  des  Abg.  Weiterle  für  erledigt  zu
erllären.
Englische  Ernüchterung.

London,  18.  März.  Die  „Times“  schreiben
  in  einem  Leitartikel:  .„Während  Kitcheners
ernte  Warnung,  daß  Arbeiterunruhen  unseren
Bedarf  an  Munition  in  Frage  stellen,  noch  in
unseren  Ohren  klingt,  machen  sich  deutliche  Anzeichen
  bemerkbar,  daß  der  Menschenbedarf  weder
  nachläßt  noch  nachzulassen  verspricht.  Die
"erlustlisten  der  Offiziere  in  den  lehten  Tagen
künden  nur  allzudenutlich  an,  um  wie  hohen
Preis  unsere  jüngsten  Erfolge  errungen  wurden.
  Wir  beiitzen  noch  immer  leine  amtliche
Darstellung  der  britischen  Gesamterluste,  man
glaudt  jedoch,  daß  sie  zwei  Driitel  der  deutschen
  Verlusle  ausmachen.  Und  das  ist  ern  das
Vorspiel  einer  Kampagne,  die  in  wenigen  Wochen
  ernitlich  beginnen  joll.  Die  Ergebnisse  der
Rekrutierung  sind  nicht  ganz  zufriedenstellend;
in  Irland  sind  sie  besonders  schlecht.“  Die  „Times“
  schließen:  „Der  große  Führer  der  grohen
  Demolratie  jenseile  des  Allantischen  Ozeans
  schreckte  nicht  vor  der  allgemeinen  Wehr-Vflicht
  zurück,  als  sich  die  Republik  im  Kampfe
auf  Leben  und  Tod  befand.  Wir  sind  überzeugt,
daß,  wenn  die  Regierung  unier  Voll  aufsordern
wurde,  dasielbe  zn  tun,  was  Lincoln  von  seinen
  Leulen  vinge,  es  dieses  Opfer  mit  größter
  Bereitwilligkeit  bringen  würde.“  (3.)

 

Für  die  zunehmende  Ernüchterung  in  England
spricht  noch  eine  Reihe  von  Prepäußerungen,
die  in  den  letzten  .  eeschienen  sind.

1

Dle  Kulegslage.

(Aus  der  leyten  Nummer  wiederholt.)
Strenge  Plltungsmohnahmen  gegen
llnderne  und  sengende  Nasseuh#rden.

12  0  Kussen  gesang  u
4  Waschinengewehre  erbentet.

WTB.  Großes  Hauptauartier,

13.  März,  vormitlags.  Aimntlich.
Westlicher  Kriegsschauplatz.

Ein  franzö  ischer  Vorsioß  auf  unsere  Stellungen
  am  Südhange  der  Loretloiöne  murde
abgeschlagen.

Französische  Teilangrisse  in  der  Champagne
nördlich  von  Le  Mesnil  wurden  durch  Gegenangrisse
  zum  Stehen  gebracht.  Ein  dort  gestern
Abend  erneut  einsetzender  französischer  Angriff
ist  unter  schweren  Verinsten  für  den  Feind  zurückgewiesen.


den

In  den  Argonnen  flaulen  die  Gesechle  gestern
  ab.

Französische  Flieger  warsen  auf  die  ossene  elsassische
  Stadt  Schleititadt  Bomben  ab,  von
denen  nur  eine  Wirkung  er  ielle,  indem  sie  in
das  Lehrerinnenseminar  einsching,  zwei  Kinder
tötete  und  zehn  schwer  verletzte.  Al5  Antwort

darauf  wurde  heule  Nacht  die  Feilung  Calais;

mit  Bomben  schweren  Kalibers  belegt.

Oesllicher  Kriegsschauplatz.

Die  russischen  Angrisse  auf  unsere  Stellungen
zwischen  Pissek  und  Orzuc  sowie  nordöstlich  von
Praszuyez  murden  auch  geitern  ohne  Erfolg
sortgesetzt.

Westlich  der  Stlwa  machten  wir  900  und
östlich  der  Slma  1000  Gesangene  und  erbeuteien
  vier  Maschinengewehre.

Einen  billigen  Erfolg  errangen  krussische
Reichswehrhaufen  beim  Einbruch  in  den  nördlichsten

  Zipfel  von  Preußen  in  Nichtung  auf
Sie  plünderten  und  setzten  Dörfer  und  i

Memel.
Güter  in  Brand.  Den  Städten  des  von  uns
besetzten  russischen  Gebietes  ist  zur  Strafe  die
Zahlung  größerer  Summen  als  Entschädigung
auferlegt.  Für  fedes  von  diesen  Horden  auf
deutschem  Voden  niedergebranntes  Dorf  oder
Gut  merden  drei  Dörfer  oder  Güter  des  von
uns  besetzten  russischen  Gebietes  den  Flammen
übergeben  werden.  Jeder  Brandschaden  in  Memel
  wird  mit  Niederbrennen  der  russischen  Regierungsgebände
  in  Suwalli  und  in  anderen
in  unseren  Händen  befindlichen  Gouvernements-=hauptstädten
  beantworlet  werden.

ebe##  Heeresleitung.

Bom  weillchen  Eiegsschunplat.

Der  jüngste  französische  General
gefallen.
Rotterdam.,  18.  März.  Der  im  Dienstalter
jüngite  General  der  franz.  Armee,  de  Sansmaison,
  wurde  bei  einer  Relognoszierung  getötet.

 

 

Die  engkischen  Verluste
bei  Neuve  Chapelle.

Amsterdam,  13.  März.  Die  „Times“  ge·
ben  zu,  daß  die  englischen  Verluste  bei  Neuve
Chapelle  sehr  groß  gewesen  sind.  Das  Blatt
gibt  sie  auf  etwa  12000  Mann  an.  Es  will
nichts  heißen,  wenn  zur  Beruhigung  der  Gemüter
  die  deutschen  Verluste  auf  angeblich  18  000
Mann  angegeben  werden.  (3.)

Französische  Einberufungen.

Paris,  18.  März.  Der  „Matin“  berichtet:
  Der  Kriegsminister  ordnete  die  Einberusung
  der  Jahreollasse  1916  an.  Die  Einberusung
der  Pariser  Rekruten  erfolgt  am  12.  April.
Die  Einberufung  der  für  die  afrikanische  leichte
Infanterie  beflimmten  Mannschasten  wurde  auf
den  2.  April  festgesetzt.  (Z.)

dom  zsilchen  Briegsschanpiag.

Die  Lage  im  Osten.

VWITB.  Berlin,  18.  März.  (Amtlich.)  In  der
Provinz  Ostpreußen  und  darüber  hinaus  sind  in
den  letzten  Tagen  wieder  unsinnige  Gerüchte
in  Umlauf  gesetzt  worden,  wonach  die  Russen
neuerdings  einen  Teil  der  Provinz  Ostpreußen
in  Besih  genommen  hätten.  An  der  Hand  der
amtlichen  Berichte  ergibt  sich  für  jeden  Einsichtigen,
  daß  derartige  Ausstreuungen  nicht  dem
#irlielen  Sachverhalt  entsprechen.  Die  von  uns
im  Osflen  besetzte  Linie  verläuft  von  der  Pilica
  längr  der  Rawla  und  Bsura  bis  zur  Weichsel.
  Nördlich  der  Weichsel  setzt  sich  die  Linie
unierer  Truppen  über  die  Gegend  ösllich  Plock
über  kronlinet  Supen  (beide  südlich  Mlawa)
  sort.  Von  dort  verläuft  sie  in  östlicher
Richtung  über  die  Gegend  nördlich  Przasnus),
südlich  Myniniec,  südlich  Kollno,  nördlich  Lom
za  und  trifst  bei  Mocarce  den  Bobr.  Von  hier
folgt  sie  der  Vobrlinie  bis  nordwestlich  Ossowier,
  das  von  uns  beschossen  wird,  und  läuft
über  die  Gegend  östlich  Augustow-Krasnopol
Mariampol-Pilwisski  Slazi  der  Grenze  entlang
über  Tauroggen  nach  Nordwesten,  also  vom
Anfang  bis  zum  Ende  auoschließlich  auf  seindlichem
  Boden.  In  der  äußersten  Nordspitze  von
Ostpreußen,  in  der  Gegend  nördlich  Memel,
sind  am  17.  März,  also  nach  Entstehung  der
oben  erwähnten  Gerüchte,  schwache  russische  Abteilungen
  eingefallen.  Es  find  alle  Maßnahsen
getroffen,  diese  Banden  zu  vertreiben,  die  man
nur  als  Mordbrenner  bezeichnen  kann.

Die  Not  in  Östpreußen.

Königsberg,  18.  März.  Ueber  den  Zustand
  im  Kreise  Oletzko  erfährt  das  WTB.  von
zuständiger  Seite  u.  a.  solgendes:  In  dem
Kreise  Oletzto  wurden  durch  den  Einfall  der
Russen  rund  280  Gehöfte  ganz,  234  Wohngebäude,
  570  Ställe  und  Scheunen  zerstört.
Die  Gotteshäuser  sind  im  ganzen  erhalten  geblieben.
  Nach  den  bisherigen  Feststellungen
schleppten  die  Russen  aus  dem  Kreise  450  Personen
  fort,  darunter  52  Frauen,  60  Kinder  (1).
Als  umgebracht  wurden  bisher  ermittelt  32
Müänner,  2  Frauen.  Es  in  leider  zu  befürchten.

daß  sich  die  Zahlen  erheblich  erhöhen.  Die  Zahl
der  gegenwärtig  vorhandenen  Personen  ist  schälzungsweise
  4000.  Die  Landbevölkerung  ernährte
  sich,  bis  durch  die  Behörden  Lebensmittel
  herangeschafft  wurden,  durch  ungesalzene
Kartoffeln  und  mit  Handmühlen  geschrotenes
Brotgetreide.  Als  Ersatz  für  Salz  wurde  vielfach
  Kainit  verwendet.  Außer  in  den  GErenzbezirken
  sind  die  Vorräte  an  Brotgetreide  fast
ganz  erhalten.  Das  gleiche  gilt  für  die  Kartoffelbestände.
  Haser  ist  nur  an  ganz  wenigen
Stellen  in  neunenswerten  Mengen  vorhanden.
Die  landwirtschaftlichen  Maschinen  wurden  fass
sämtlich  oon  den  Russen  geraubt.  Etwa  800)
landwirtschaftliche  Maschinen  wurden  von  den
Russen  zusammengeschleppt.  In  Philipowo  wurden
  die  vorgefundenen  an  Landwirte  verteilt.

Eine  Unterredung  mit  Hindenburg.

Berlin,  18.  März.  Aus  Amsterdam  wird
der  „Voss.  Ztg.“  gemeldelt:  „Neuyork  Times“
und  „Daily  Chronicle“  veröffentlichen  eine  Unterredung
  des  Berichterstattere  der  „Newyorl
Times“  mit  Generalfeldmarschall  v.  Hindenburg
in  dessen  Hauptquartier.  Hindenburg  sagle:  Sagen
  Sie  unseren  Freunden  in  Amerika  und  auch
denen,  die  uns  nicht  wohlwollen,  daß  ich  mit  uners
  iterlicher  Zuversicht  dem  Sieg  und  den
wohlverdienten  Ferien  entgegensehe;  wann,  lann
ich  nicht  sagen,  ich  bin  kein  Prophet.  Groß  ist
die  Arbeit,  die  uns  noch  bevorsleht,  aber  größer
noch  meln  Vertrauen  in  meine  Truppen.  Hin
deuburg  sora,  dann  in  warmen  Worten  von
den  nn  ungarischen  Truppen  und  lobte
auch  den  Mut  der  Feinde.  Die  Russen  kämpfen
gut,  aber  weder  bhysischer  Mut,  noch  die  Ueberbl,
  noch  beide  zusammen,  gewinnen  heute
Krlege.  Die  russische  Dampfwalze  habe  die
Wege  mit  ihren  Vorwärts-  und  Nückwärtsbewe-Kungen
  keineswego  verbessert.  Ueber  die  Pläue
des  Großfürsten  Nilolaus,  der  über  Pelersburg
und  London  eine  neue  rufsische  Kavallerieoffensive
  verkündet  bat,  sagle  Hindenburg:  Sie  wird
sich  den  Kopf  einrennen  gegen  die  Mauer  gekreuen
  Fleisches  und  Blules,  durchsetzt  mit  Stahl,
wenn  sie  überhaupt  kommt.  Von  Amerika  spre
chend,  meinte  er:  Amerika  habe  ick  es  vielleicht
zu  dantken,  daß  meine  Armeen  heute  in  Rußland
stehen,  dem  amerikanischen  Eisenbahngenino,  der
mir  durch  diese  wunderbare  Wafse  ermoglichte,
immer  wieder  mit  einer  geringen  Angahl  Tiuppen
  Millionen  von  Russen  auszuhalten  und  zu
rückzutreiben.  Die  Lolomotive  gegen  die  Dampf.
walze!  Schon  deshalb  hat  sich  Amerika  als
unser  Freund  erwiesen,  wenn  es  auch  nicht  unser
Verbündeter  ist.  Wir  erwarten  mit  wirllichem
Interesse  die  Ankunft  unserer  ersten  amerikani
schen  Kanone.  Verwundert  fragte  der  Bericht:
erstatter,  was  der  Feldmarschall  meine.  Dieser
antwortele  lächelnd:  Ich  habe  gelesen,  daß
schwere  Kanonen  aus  Amerika  nach  Rußland
unterwegs  sind;  sie  sind  nur  an  Ruhland  adres
siert,  aber  für  und  bestimmt.  Ernst  fügte  er
hinzu:  Haben  die  klugen  amerikanischen  Geschäftsleute
  sich  schon  einmal  das  Bild  eines
deulschen  Soldaten  ausgemalt,  der  von  einer
amerikanischen  Kugel  durchs  Herz  getroffen
wird?  Sollte  solch  ein  Bild  nicht  auch  dem
Geschäftsmann  zu  denlen  geben?  Spater  fragle
Hindenburg  den  Berichterstatter:  Also  Sie  wollen
  zur  Front?  Wohin?  Antwort:  Nach  Warschaut
  Hindenburg  entgegnete  lachend:  Ich
auch,  aber  heute  ist  es  noch  v-ausgeschlossen;  doch
es  wird  schon  kommen.  Der  Berichterstalter
jragte:  Darf  ich  dann  mit?  Antwort:  Gewiß,
dann  sollen  Sie  selbst  sehen,  welche  Barbaren
die  Deutschen  sind.  (J3.)

 

Der  neue  Bankdirektor.

Nemen  ven  Reinbold  Ortimenss.
12  (Kachdruckk  verhoten)

Oie  Sunatton  ware  ohne  Zweisel  zu  einer
krinihen  geworden,  wenn  nicht  einer  aus
dem  Dausen  Vidal  erkannt  häne.  Und  der
Name  des  allgemein  beliebten  und  verehrten
Ar#te:  wirkte  auch  hier'wie  ein  Zauberwort.
Sobald  man  innegeworden  war,  daß  der  blonde
Gremde  und  Doltor  Vidal  zueinander  gebrten,
anderte  sich  mit  einem  Schlage  das  Benehmen
der  Menge,  und  von  einer  leindseligen  Stim.
mung  war  nichts  mehr  zu  spüren.  E;z  wurden
sognr  aleri  Acußerungen  des  Unwillens  uber

d#'s  Veryalten  des  Soldaten  laut,  und  dieser
iel:  es  darum  fur  geraten,  stillschweigend  zu
verschwinden.

Nodewaldt  merkle  kaum  etwas  von  diesem
Plöoglichen  Lmsichwung,  wie  er  auch  von  der
Gesahr,  in  der  er  sich  eine  kurze  Zeit  befunden,
nichts  wabrgenommen  hatte.  Seine  ganze
Aufmerksamteit  und  sein  ganzes  Interene
Goo  der  mutigen  Dame,  welche  durch  ihr

wischenireten  den  Indioner  vor  weiteren
Mhmandlungen  bewahrt  hatte.  Sie  wor  neden
dem  zu  Boden  ge'unkenen,  zerlumpten  Cinge
borenen  niedergekniet  und  bemühte  sich,  mit
ihrem  seinen  Taschentuche  das  aus  seiner
Bunde  hervordringende  Blut  zu  siulen.  So
eisrig  gab  sie  sich  diesem  allerding  ziemlich
äweclosen  Samariterwerke  hin,  dan  der  lunge
Deutsche  von  .4  Gesicht  zunachst  nichts
wahrnehmen  konnte.  Er  sah  nur  die  Fülle
wirrer,  schwarzer  Logerr.  die  sich  unter  der
elwas  verschobenen  Mantllla  heroordrängten;

 

aber  es  war  ihm  seltsamerweise  trotzdem  als.

müsse  er  dlesem  entschlossenen  und  warmherzigen
weiblichen  cchn  schon  einmal  begegnet  sein.
1  da  Doktor  Vidal  sich  ebemalls  uber
den  Verletzten  hinabbeugte,  um  seine  Wunde
zu  untersuchen,  erhob  sie  den  Kopf,  und  jetzt
erner  ein  seines  Profil  mit  leicht  gebogenem,
  schmalem  Näschen,  rundlichem  Kinn
und  anmutig  Leschwungenen  Lippen.  Das
zarte,  längliche  Gesichichen  war  etwas  dunkler
efärbt,  als  es  sonst  bei  den  Kreolinnen  der
Vall  zu  sein  pflegt;  aber  dieser  warme  Bronzeton
  erschien  ihm  von  einem  ganz  besonderen
Reiz  Er  wußte  1ege,  daß  er  dies  Antlitz,  das
man  —  nicht  so  leicht  wieder  vergaß,  zum
ersten  Male  erblickte,  aber  er  konnte  trogdem
noch  immer  die  Empfindung  nicht  loswerden,
daß  irgend  etwas  in  der  Erscheinung  des  Mädchens
  idn  eigentümlich  bekannt  anmute.

Sie  wechselle  einige  Worte  mit  dem  Arzte,
und  dieser  wandte  sich  jent  an  leine  Um  bchlln
itrt  der  Turolbrtenne  den  noch  immer  tith  ih
winselnden  Indianer  in  den  nächsten  Verkaufsladen
  zu  tragen,  damit  er  ihm  dort  die  erforderliche
  Hilse  angebdeihen  lassen  könne.  Ein
Dutzend  Hände  waren  sofort  zu  dem  Liebesdienst
bereit,  obwohl  sich  ohne  Doktor  Vidals  perfönliches
  r2  wahrscheinlich  kein  einziger  aus
dem  Juschauertreife  geneigt  gesunden  hätte,  die
schmutzige  Rothaut  zu  berühren.  Auch  Werner
hatte  unbedenklich  zugegriffen,  und  so  brachte
man  den  Patienten,  der  allem  A#schei  nach
über  die  Mühe,  die  man  sich  mit  ihm  gab,  am
meisten  erstau  nt,  war,  in  ein  nur  wenige
Schritte  entserntes  Maga  zin,  dessen  Inhaber
in  nutlt  Bee-  belde  Glastüren
welt  geöffnet  hatte,  den  voraus  rettenden
Arzt  mit  tleser  Verbeugung  beg

Der  Menschenschwarm  wollte

8

 

beaten

 

nachdrängen,  aber  eine  gebieterische  Handbewegung
  des  Arztes  reichte  hin,  ihn  zurückzuscheuchen,
  und  glei  y  darauf  besond  sich
außer  Vidal  nur  non,  Werner  und  die  tapsere
junge  Unbekannte  in  dem  kleinen  Gemach,
der  menschenfreundliche  Tiendero  (Kaufmann)
ihnen  zur  Verfügung  geitellt  hatte.  Der  Eiser,
den  dieser  wackere  Geschäftsmann  bewies,  indem
  er  dienstbeflissen  hundert  Dinge  herbeischaffte,
  deren  man  durchaus  nicht  bedurfte,
würde  etwas  wahrhaft  Rührendes  gebabt  haben
  wenn  er  )  un.  moch  höherem  Maße
belustigend  gewejen

Als  er  zum  sunsten  oder  sechsten  Male
bereingeschossen  kam,  weil  er  noch  irgendwo
ein  Püchschen  mit  Salbe  auifgestöbert  hatde,
komplimentierte  ihn  Vidal  freundlich  hinaus
und  verriegelte  hinter  ihm  die  Tür.  Auch  die
Hilfe,  die  ihn  Werner  anbot,  lehnte  er  kopfschüttelnd
  ab

*s  Siee  nicht  übel,  lieber  Freund,
aber  für  d  §8  hier  zu  tun  ist,  taugen
Frruenberde  Gbege  r  Und  ich  möchte  wünschen,

daß  ich  immer  so  zarte  und  gelchtate  zur  Versügung
  hätie,  wie  in  diesem  Augenblick.“

Die  junge  Dame  schien  das  Lob  gar  nicht
gehört  zu  haben,  oder  es  für  etwas  Seldstverständliches
  zu  nehmen,  denn  sie  sah  nicht
einmal  von  ihrer  Besaaelt.  ung  auf.  Gleich
nach  ihrem  Einurtte  e  sich  des  (Gies
Straßenlsäckchens  F  pnt  unk  die  Uermek  ihres
Kleides  bis  zu  den  Ellenbogen  über  die  schöngeformten
  Arme  binqufgesteft,  Beherzt  und
icher,  wie  wenn  es  sich  für  sie  um  eine  gewohnte
  und  lön  t  vertraut-schindan
etftetesledensztelledte  mannigfachen
Handreichungen,  deren  er  bei  der  Reinigung,
der  Untersuchung  und  *5  t  der  unde

 

 

r#————“t"““““4“
vedurfte.  Um  die  Anwesenpent  Werners  küm.
merte  sie  sich  dabei  nicht  im  mindesten,  und
er  konnte  sich  dorhal  Lanz  ungestort  von
seinem  Platze  am  Fenster  aus  dem  Vergnügen
hingeben,  das  ihm  die  Beobachtung  dieses  sellsamen
  Wesens  gewährte.

Einmal,  als  ihre  linke  Hand  hell  von  der
Sonne  beschienen  wurde,  sah  er  an  dem  seinen
Rbingsinger  einen  Brlllanten  aufblitzen,  und  in
diesem  Augenblick  wurde  es  ihm  plöglich  zur
Gewißheit,  daß  sie  keine  andere  war  als  seine
geheimnisvolle  Bekannte  aus  Sennor  Manuel
del  Vascos  Hause.  Er  hatte  ihr  Gesicht  damals
  nicht  erkennen  können,  und  bei  der  Vorliebe
  der  Kreolinnen  für  Schmuck  gab  es
licherlich  in  Buenos  Aires  mehr  als  eine  junge
Dame,  welche  derartige  Kleinodien  trug.  Trotdem
  begie  er  nicht  mehr  den  geringsten  Zweisel
an  der  Richtigkeit  seiner.  Vermutung.  Das  war
dieselbe  behende,  seinglledrige  Gestalt;  daos
waren  dieselben  wirren  schwarzen  Locken,  die
sich  so  reizend  widerspenstig  um  Hals  und

Schläsen  ringelten,  und  das  war  auch  dieselbe
melodische,  dunkel  gefärbte  Stimme,  deren
Klang  damals  so  eigentümlich  reizvoll  auf  ihn
Vewirtt  batte.

t  begriff  er  66  kaum,  daß  sie  seine  Gedonten
  in  eir  ganzen  Zeit  so  wenit  beschäftigt
hatte,  denn  er  empfand  über  den  Zufall  dieser
unter  so  ungewöhnlichen  Umständen  ersolgten
Wiederdegegnung  eine  Freude  wie  über  ein
großes  und  unwerhofftes  Glück.  Nun  konnte
ihm  He  #en  auch  nicht  länger  verborgen  bleiben
wer  sie

 

(Fortsetzung  kolgt.)

——

.