Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Kummer  80

3#gerliche  Nabeich  en.

Alscholeins,  5.  April.  Herr  Frz.  Laver
unuswirth,  Schloßberr  in  Ascholding,  hat  sein
S  lof.  samt  dan  geböriyen  Alleen,  Gärlen  und
Fischwassern  usw.  an  Herrn  Dr.  Richard  Serau
aus  Oeterreich  flammend,  rerkauit.  Der  neue
Beriner  ist  bercits  aufgezogen.  Das  ganze  Schloß
soll  neu  reuoviert  werden.  Herr  Lungwirth
surn  zurzeit  als  Reservecoffirier  im  Felde:  auch
Herr  Seran  im  Offisier,  zureit  zur  Erholung
beurlaubt.

Candehunt,  5.  April.  Der  aus  dem  hiesigen
GCesangenenlager  entiprungene  französ.  Kriegs-Lesangene
  Amault  ist  bei  Gündlkosen  von  einem
Bauern  aufgegrisfsen  worden.  Er  wirde  der
CGem  armeri:  übergeben  und  wieder  in  Landrhut
  eingeiiesert.

 

Geenzlande.

Kufstein,  5.  April.  Durch  eine  Kundma
85  ung  der  l.  I.  Bezirl#s#auptmannschaft  vom  2.
Lronrl  wurden  für  die  Stadt  Kusnein.  solgende
#pPreise  fu  r  Alkisch  witgkhtasmlo
is:-  fleisch  3  wen,  Kubfleisch  2  Kronen
60  Oeller.  K.  2  Kronen  6/)  Heller,
Kalb#schl  iene.  Kronen  60  Hell#r.  Schweinesieisch
  Kronen  60  Leller,  Schaffleisch  1  Krone
80  Heller.  «

-·-»
*

 

     
 

 

beotsisachrachten.

Rosenheim,  6.  April.
jeiänungen  im  Felde.  Dem  Musiler
  Rudoh  Schnarn  im  1.  Landunrmbateillon
Pai#a  isl  das  Militärverdienlreuz  3.  Kl.  mit
Sc  weriern  verliellen  worden.  Schnarn  iin  Mit
glied  der  Rosenl.  ur  Sladttapelle.  Der  Vizewac#meihner
  Frauz  Biopur  im  8.#lbH  Art.-Neg.,
Soin  des  Rentiers  Bippus  in  Lind  Aibllng,  er-Lieli
  das

Viserne  Kreuz.
"iebesgahen,  die  Rosenheimer
„siaen  am  1#.  März  en  die  baner.
Enandioifsion  nufllidle  n,  ünd  don  Sr.  Exjellenz
Herrn  General  der  Insanteri:  Ritter  v.  Ben—
zino  einem  Negimeni  uberwiesen  worden,  das
zum  großen  Teil  aus  oberbayerischen  Landsleuten
  beileht,  nämlich  dem  bayer.  Reserve  Jnsanterieregiment
  Nr.  15.  Es  inmt  dies  es  Negienent,
  welches  sich  schon  gleich  za  Beginn  des
Nrieges  durch  Eroberung  der  ersten  französischen
  Fahne  besonders  ausgezeichne  t  hat;  letztere
besindet  sich  bedanntlich  jetzt  inmn  Bather.  Armee—
museum  in  München.  Auch  der  Oerr  Kommandeur
  deie  tepf.ren  Rg'm  ntörchtitle  unterm
28.  März  1915  an  den  Herirn  Professor,  der  die
Absendung  besorgie,  für  unsere  patriotischen
Gymnasiasten  ein  Danlschreiben.  Es  loutet:
„Für  die  beim  Regiment  eingetrofsene  Liebessendung
  Nosenheimer  Gumnasiaflen  sage
ich  den  Spendern  meinen  DHank.  Euer  Hochwol,lgeboren
  bitte  ich,  diesen  den  Spendern
udermitleln  zu  wollen.  Die  willlommene  Gabe
in  mir  ein  Beweis  dafüur,  daß  die  Jugend  in
der  Heimal  in  dem  Bemuhen,  ihre  Opferfreudigkeit
  für  unser  Heer  zu  zeigen,  mit  dem  Aller
  wekteifert.
Mit  dem  Auodrucke  vorzüglicher  Hochachtung


*½.

Die
G’umi

Graßmann,  Oberst.“

Den  Paleien  an  deutsch=  Kriegs
gefangene  in  Rußland  brauchen  keine
Jollinleulls  llarangen  mehr  beigefügt  zu  werden.
  zunssen  bei  Paseten  an  deutsche
Givilgefangene  Nußland  zwei  weiße)  Jollinl
  aitserllärungen  deigegeben  sein.

Privaltelegram::  wrerlehr  zwischen
Feldheer  und  Heimat.  Die  Feld=  und
Etappentelegraphenanitalten  u  #rden  fortan  bei
Privattelegrammen  aus  dem  Feite  ##n  Kopfe
nicht  mehr  den  Abgangsort  angeben,  sondern
slalt  dessen  den  Vermerk  „Aus  dem  Felde“,  telegraphieren.
  Diese  Herkunftobezeichnung  wird
auch  bei  der  Aufnahme  in  das  Telegrammauskunftsformblatt
  an  Stelle  des  Aufgabeortes
eingetragen.

Die  Osterfeiertage  waren  vom  Wetter
besser  begünstigt,  wie  man  noch  am  Samotag
zu  erwarten  hofite.  Da  am  Samslagabend
Regen  einfsente.  glaubte  man,  auch  einen  verregneten
  Ostersonntag  erwarten  zu  müssen.  Erfreulicherweise
  fand  diese  Befürchtung  ihre  Bestäligung
  nicht.  Im  Gegenteil,  der  Ostersonntag
Lradhte  uns  das  schönste  Frühlingswetter.  Die
Sonne  lachie  vom  blauen  Himmel  und  überflulteie
  Stadt  und  Land  mit  goidenem  Schein.
Alles  freute  sich  des  schönen  Sonnentages  und
der  Spaziergänger  und  Ausfslügler  gab  es  gar
Vvietc.  Auch  im  VBahnverlehr  machte  sich  das
scene  Wetier  gur  geltend.  Abends  trat  wieder
  ein  Umschlag  in  der  Witterung  ein,  und  die
Nadlt  brachte  ergiebigen  Regen,  der  #rauch  am
Monlag  noch  nicht  aufhörte.  Erst  am  Nachmittag
  klar#  es  wieder  auf,  jung  und  alt  ins  Freie
lockend.  Der  heutige  Dienstlag  begann  mit  prächtigem
  Sonnenschein.

„Der  Kampf  gegen  England  in

au's  und  Familie“.  Ueber  dieses  Thema
veranstaltet  die  Ortsgruppe  Rosenheim-Aibling
des  Hansa-Bundes  am  Donncrstag,  den  8.  ds.
Mis.,  abends  38  Uhr,  im  Saale  des  Hotels
„Deutscher  Kaiser“  einen  Vortragsabend.  Der

 

Wolll

 

—  —752

Vortragende,  Oberbürgermeister  a.  D.  Dr.  Neff,
hat  an  dem  vom  preußischen  Ministerium  veranlaßten
  Kurifus  über  die  Volksernährung  im
Kriege,  bei  welchem  die  ersten  Professoren  der
Vollswirtschaft,  Physiologie  und  Landwirkschaft
Vorträge  gehalten  und  hervorragende  Prakiile#
Unterweisungen  gegeben  haben,  mit  teilgenommen.
  Auch  der  Hansa  Bund  will  durch  Vorlräge
  dieser  Art  dazu  beitragen,  die  Bevölkerung
über  ihre  Pflichten  zur  Abwelr  des  englischen
Ausbungerungsplanes  gegen  unser  Voll  auszullären
  und  bittet  F#nders  auch  die  Frauen,
welchen  in  diesem  Kampfse  eine  hervorragende
Rolle  zusällt,  um  zahireichen  Besuch  der  Versammlung.


Im  Stadt-Kinematograph  gelangt
heute  Dienslag  ein  neues,  herrlickes  Programm
zur  Vorfülrung.  (Siehe  Inserat.)

Gefunden.  Eine  Kindermütze  wurde  gesun.
den:  abzuholen  im  magisiratischen  Geschüftszimmer
  Nr.  2.

Masik  und  #heaker.

Rosenbeimer  Volkstheater.  Fir
den  Ostersonntag  brachie  das  Rosenheimer
Vollotheater  die  Pos  Hie  „Die  beiden  Reichen  mül
ler“  von  A.  Amno.  Der  große  Saal  des  Doicl

Denischer  Kaiser“  war  vollbesetzt.  Als  große
Humorstuck  war  es  angelnadigt,  und  viel  Daeie
lerleit  löste  es  auch  aus.  Da  war  vor  allen
der  Steinllopfer  Knoche.  Dieser  bajuwarische
Urlyp  sand  in  Joses  Krämer  den  besten  Vertreter.
  Mil  der  größten  Ruhe  sand  sich  der
biedere  Nalurmensch  in  die  kritischiten  Si#nalionen
  und  wußte  ihnen  immer  die  beite  Seite
alngewinnen.  So  zeint  Zosef  Krämer  immer
non  Neuem  seine  ielseinzgkeit  alo  Charaller
darsiclier.  Auch  oie  Negie  war  von  ihm  fer
üut  geführt:  las  Zusammenspiel  war  ktreffiic
einstudiert  und  die  ein  selnen  Bilder  gaben  dazu
einen  gulen  Rahmen.  Hermann  Hofer  siellte  den
Fabrill#efiteReichenmüller.  Es  war  der  solide.
behabige,  mit  Ueberlegung  landelnde  Geschäft?
mann,  in  seiner  gewinnenden  Lieben#  würdiglkeit
eine  selr  ansprechende  Figur.  Vertüa  Zwilliag
mar  bemüht,  als  seine  Frau  Ulrite  ihm  mög.
geichitl  gleich  zu  slehen.  Em#l  Mahr  war  wohl  etwas
  zu  trocken  für  einen  Liebhaber,  doch  war
er  mit  Eiser  bei  der  Sache.  Eine  ganz  prach
lige  Fi  aur  und  einen  wasch  echten  Schwalen  fanden
  wir  in  .  B.  Huthmann.  Dieser  Kaufmann
Beusd,le  aus  Stuitgatt  machte  einen  vortrefflichen
  Eindrud  in  seiner  Biederkeit  und  Gulmütiglei:,
  die  schon  einen  starken  Anstoß  verlräqt,
  bis  sie  aus  ihrer  Gleichmäßigkeit  herausfällt,
  dann  aber  in  hohe  Erregung  geräl.  Dazu
der  unverfälschte  Dialelt  es  war  ein  Ver-Anügen,
  diesem  Spiel  zu  folgen.  Auch  seine

 

Tochler  Lisbeth  war  bei  Tlsa  Miller  in  sehr
guten  Händen.  Es  war  wirklich  so,  wie  sie
sagte:  „mit  mir  isch  net  guat  auslomma,  i

muaß  mein  Kopf  durchsetza,  andersch  gib  i  kei

uah“.  Finn  Vach  spielle  die  hübsche,  nach
höheren  Jdealen  strebende  Tochter  Elise  des
Steinilopfers  mit  autem  Geschmad.  Alois  Vach
weiß  slets  auch  in  die  kleinften  Nollen  die  beste
Rote  zu  bringen,  so  auch  hier  in  seinen  Diener
Baithafar,  dem  das  Kammerzöschen  Sophtie,
Marie  S  Sprenger,  unermüdlich  eine  bessere  Meinung
  über  die  Frauen  im  Allgemeinen  und  im
Besonderen  veibringen  wollte.  Es  wären  noch
zu  nennen  Therese  Bach  als  Frau  Bardara
des  Sieinllopfers.  Math.  Krämer  als  Kommie
und  der  Bahnbofinspelior  Lohrmann  von  Karl

Braun,  die  hach  Kräften  zu  einem  vollen  Gelingen
  beilrugzen.  Das  Sliück  fand  eine  aunerst
Ceifallofrendige  Aufnahme.

 

Soziaole  Nundschan.

München,  5.  April.  Die  Heeresverwallung
liat  ein  wesentliches  Intereise  daran,  daß  in
ihren  eigenen  und  in  den  für  das  Heer  oder
die  Marine  liesernden  privaten  Betrieben  jeder
nicht  unbedingt  geboiene  Arbeilerwechse
vermieden  wird.  Es  erscheint  daher  ange--zeigt,
  die  dort  beschäftigten  Arbeiter,  soweit  sie
vom  Heeres#enn  zurückgestellt  oder  beurlaubt
sind,  darauf  hinzuweisen,  daß  ihre  Zurückstellung
bezw.  Beurlaubung  bei  jedem  Arbeitswechsel
sofort  auhet  Scaft  tritt.  Xs  ist  Anordnung
getrossen,  die  soforlige  Einstellung  eines  jeden
dienstpflichtigen  Arbeliers  in  die  Truppe  zu  veranlassen,
  der  bei  einem  der  bezeichneten  Betriebe
die  Arbeit  niederlegt  oder  das  Arbeitsverhältnis
kündigt,  auch  wenn  dies  in  der  Absicht  geschicht,
in  einen  anderen  solchen  Betrieb  einzutreten.

2
Bunte  Cijronil.
Eine  erschütternde  Episode
aus  dem  Luftkrieg.

Englische  Blätler  bringen  folgende  Schilderung:
  Ein  Leutnant  als  Beobachter  mit  einem
Sergeanten  als  Führer  war  von  der  französischen
  Heeresleitung  beauftragt,  eine  verdecie
deutsche  Batterie  festzusiellen,  deren  Feuer  grosten
  Schaden  anrichtete.  „Als  wir  über  die  deulschen
  Linien  kamen,“  erzählte  der  Flugzeugführer,
  „wurden  wir  von  einem  furchtbaren  Granatfeuer
  begrüßt.  Wir  stiegen  höher  und  sahen
endlich  nicht  eine,  sondern  drei  Batterien.“  „Da
sind  sie  also!“  sagte  der  Leutnant  und  ballte  die
Faust  gegen  sie.  Dann  rief  er,  zu  mir  gewendet:

—

 

 

zusnlere  Aufgab  ist  erfüllt,  schnell  zurück!“  Ich
wandte  rasch,  aber  wir  waren  kaum  500  Meter
weit  gesommen,  als  der  Regen  der  Schrapnells
schlimmer  denn  je  wurde.  Der  Nauch  hüllte
und  in  so  dichte  Wolken,  daß  es  unmöglich
war,  20)  Meter  weit  zu  sehen.  Wir  versuchten,
aus  dieser  Hölle  hinauszukommen,  aber  Schrapnells,
  eines  Ummer  besser  gezielt  als  das  andere,
  erplodierten  gerade  über  unsern  Köpfen
mit  emsetziichem  Krachen.  Einen  Augenblick
alaubte  ich,  daß  mein  Gehirn  zersprungen  sei.
Gleichzeitig  sühlte.  ich  mich  plötzlich  krank;  dann
schnitt  mir  zun  einem  Male  dichter  Nebel  iede
Aussicht  ab,  so  daß  ich  wie  in  Nacht  saß-  Trotz
meiner  Schmerzen  hielt  ich  die  Maschine  in
derselben  Höhe,  um  den  Geschossen  auszuweichen,
  die  sellener  wurden.  „Sind  Sie  gesund,
Leuluant?“  rief  ih,  aber  ich  belam  keine  Anlwort.
  Da  ich  giauble,  dah  er  mich  nicht  gehört
hatte,  wiederholle  ich  meine  Frage  und  öffnete
dalei  meine  Augen.  Aber  ich  empfing  wieder
leine  Antwort,  und  ich  sah  nichts  als  liese
Dunlelheit  um  mich  her.  Ich  befand  mich  allein
  im  weiten  Naum,  6C/110  Fuß  über  der
Erde.  Ich  sürchtele  mich  und  besahl  Gott  meine
Sceie,  denn  inl  suhlte,  mein  leyzteo  Slündlein
sei  gelommen.  Da  ich  jedoch  die  Batterien  meiner
  Feinde  unter  mir  hörte,  so  hatte  ich  nur  den
einen  GCedanken,  zurückzukehren,  koste  es,  was
es  wolle,  ½2„  die  Meldung  zu  überbringen.
Geleitet  von  dem  Geräusch  der  Schrapnelle  unler
  mir  wendete  ich  die  Maschine  in  der  Nichtung,
in  der  ich  zu  meinen  Kameraden  zu  kommen
hossie.  Ich  suhr  in  dieser  Richtung  ungefähr
zwei  Minuten,  als  der  Leutnant  zu  meinem
Erstaunen  plotzlich  aurrief:  „Achlung.  Mann.
Höher  Linaus!“"  Ich  riß  das  Flugzeng  so  rasch
empor,  daß  es  hinauf  schoß,  und  dabei  die  Wettersalnne
  eines  Kirchlurms  mit  sortriß,  an  dem
die  Maschine  um  ein  Haar  zerschmetiert  wäre.
„Daule,  Herr  Leulnant,“  sagie  ich.  „Sie  müs,
sen  entsckaldizel,  aber  ich  lann  nichis  sehen.
Sind  Sie  verwundet“"  „Ja“,  antworlele  er,
ich  glaule,  schwer;  ich  fühle  mickht  selrr  schlecht.“
Dann  sagie  er:  „Wenden  Sie  jenzt  nach  linlo.
nodd.  mehe  nach  links.  So  ilst's  gut.  Nun  gerade
vorwärts!“  Vald  zeigle  mir  ein  frischer  Kugei
legen  an,  daß  wir  wieder  über  den  Linien  der
Deulschen  waren,  elma  drei  Minuten  später
rief  die  Stimme  des  Beobachiers:  „Nun  sind
wir  da.  Ich  sehe  unsere  Leuie,  die  auf  uns
warten.  Laßt  den  Apparat  niedergehen!“  Ich
Uörte  nichis  mehr,  aber  bald  landelen  wir  auf
sestem  Grund  und  Boden.“  Den  Wartenden,
die  das  Flugzeug  umringten,  bot  sich  ein  erschrekender
  Anblick  dar:  der  Flug  zeugführer  war
erblindet,  für  immer  des  Lichtes  beraubt,  und
neben  dem  bleichen  Mann  mit  den  toten  Augen
lehnte  der  leblose  Körper  des  Osfiziers,  der
soeben  seinen  letzten  Atemzug  gelan  hatte.

Wieesin  Deutschland  aussieht.  Die
„Liller  Kriegszeitung“  verspottet  die  französiichen
  Jeitungsberichte  über  die  „veltungelosen
Zustände  in  Deutschland“  in  amüsanter  Weise
wie  folgt:  lleberall  müssen  sich  die  Deutschen
einschränten.  Im  seinsten  Berliner  Westen  lann
man  sehen,  wie  gleichzeitig  zwei  Personen  ein
Klavier  benutzen.  An  Kopfbedeckung  mangelt
es  so,  daß  man  dort  Leute  der  verschiedensten
politischen  Gefinnung  unter  einen  Hut  gebracht
hat.  Auch  die  Wäsche  wird  knapp.  An  einem
Keller  stand  bereits  angeschrieben:  Wöschemangel!
  Was  Lebensmittel  anbelangt,  so  klann
es  im  Osten  laum  noch  Reis  geben:  die  Russen
haben  überall  Reis  aus  genommen!  Das
Rriegsmaterial  soll  schlecht  sein.  Bestimmt  weiß
ich'“  von  den  deutschen  Lafetten.  Die  sollen
unter  jeder  Kanone  sein.  Wir  glauben  an  den
Sieg  der  Verbündeten.

Der  Srief  eines  Kindes  an  den
Kaiser.  Das  „Neue  Winterthurer  Tagblatt“
veröffentlicht  per-  Brief  des  Töchterckens  cines
Zahnarztes  an  den  Deutschen  Kaiser.  Das  Kind
hatte  den  Brief  im  Jannar  gesch  rieben,  eäa
trotz  den  strengen  Vorschriften  im  Elsaß  die
Abreise  einer  Nichte  aus  Mülhausen  zu  erlangen.
  Er  hatte  folgenden  Wortlaut:  „Lieber
Deutscher  Kaiser!  Als  Sie  uns  Schweizern  einen
  Besuch  gemacht  hatten,  habe  ich  Sie  auch
esehen.  Sie  sind  in  einem  schönen  Auto  ge
essen.  Jetzt  habe  ich  gedacht,  ich  wolle  Ihnen
einen  Brief  schreiben  und  Sie  bitten,  uns  zu
helfen.  Wir  haben  in  Mülhausen  ein  Cousinchen,
  das  dort  in  die  Ferien  ist.  Jetzt  kann  sie
nicht  mehr  heraus.  Ihre  Eltern  wohnen  in
Le  Rainch  und  sie  sind  in  Sorgen  um  sie,
weil  es  ihre  einzige  Tochter  ist.  Eine  Tochter
und  ein  Sohn  sind  gestorben.  Nun  haben  wir
sie  zu  uns  in  die  Schweiz  nehmen  wollen  und
sie  dann,  bis  der  Krieg  vorbei  ist,  bei  uns  behalten
  wollen.  Aber  man  läßt  sie  einfach  nicht
heraus.  Zetzt  habe  ich  gedacht,  wenn  Sie  in
Mülhausen  einfach  sagen:  „Ich  will“  daß  Gretchen
  Götz  nach  Winterthur  in  die  Schweiz  geht!“
dann  kann  sie  gewiß  kommen,  weil  Ihnen  doch
alle  Leute  solgen  müssen.  Ach,  bitte,  tun  Sie
es.  Wissen  Sie,  ein  Vetter  von  Erelchen  und
mir  kämpft  ja  auch  für  Sie  an  der  russischen
Front.  Ich  will  Ihnen  dann  auch  gern  etwas
zuliebe  tun.  Sie  müssen  mir  dann  nur  schreiben,
  was.  Herzliche  Grüße  sendet  Ihnen
Eretchen  wohnt  an  der  Zillisheimer  Straße  42,
Mulhausen.  Ich  gratullere  Ihnen  noch  herz- 



Millwoch,  vv.  *rmW  1015

lich  zum  Geburtstage,  daß  Sie  gesund  bleiben
mögen,  und  daß  es  bald  Frieden  gibt.“  Bald
nach  Abgang  des  Schreibens  erhielt,  so  teilt
das  „Berl.  „Tagbl.  "“  weiter  mit,  die  in  Frage
kommende  Familie  von  amtlicher  Stelle  die
Meldung,  daß  infolge  des  Briefes  eines  Schweizermädchens
  ans  Deutsche  Kaiserhaus  die  Abreise
  der  lleinen  Nichte  gestattet  sei.

7  *

Englischer  Kriegsaberglaube.  Die
lileinen  Antiquitätengeschäfte  in  London  blühen
und  haben  viele  Kunden,  die  seltsame  Kleinigleiten
  aller  Art  erstehen.  Der  Beweggrund  für
diese  Anläufe  ist  lein  lünstlerisches  oder  Samm.
lerinteresse,  sondern  Aberglauben.  Wie  ein  solcher
  Antiquitätenhändler  erzählt,  werden  hauptsächlich
  Dinge  verlangt,  die  eine  tragische  Geschichte
  haben.  Schmuck  von  belgischen  Flüchllingen,
  den  diese  Unglücklichen  reichlich  anbielen,
  kaufen  andere  Leute  aus  Interesse  an  den
Kriegeereihnissen.  die  damit  in  Verbindung
lehen.  Die  besten  Kunden  aber  sind  Offiziere
  und  Soldaten,  die  Amulette  aller  Art
erstehen.  Ich  hätte  nicht  gedacht,  daß  Soldaten
so  abergläubisch  sind.  Vielleicht  kommt  es  von
den  vielen  Antomobilisten  her,  die  ja  schon
immer  Amulette  bevorzugten.  Kleine  Bildchen,
alte  Kreuze  und  Anhänger,  die  eine  Geschichte
oder  einen  erolischen  Ursprung  haben  müssen,
werden  bevorzugt.  Ueberhaupt  slehen  Kriegserinnerungen
  hoch  im  Preise.“

Bccherschan.

Das  musilalisihe  Universum,  die
weltberühmte  210  Pfg.j  Ausgabe,  die  seit  landem
  das  musitalische  Gegenstück  zu  Reclams
Universal  Vibliothek  bildet,  ist  in  den  letzten
Monaten  um  elwma  1#1  patriotische  Werke  be
reichert  worden,  die  verdientermaßen  lebhaften
Anklang  gesunden  haben.  Es  ist  erstaunlich,
wie  biese  mustergultigen  Arrangements  in  typohraphischer
  Vollendung  zu  dem  billigen  Preis
algegeben  werden  lönnen.  Auch  die  Auswahl
ltrifft  den  Geschmack  des  Publilums.  Alle  be
ltanmen  Nationallieder,  Märsche  usw.  sind  in
leichten  und  mitlelschweren  Arrangements  Jur
Klavier,  sur  Gesang  und  für  verschiedene  In-#rumente
  erschienen  und  jeder  wird  auf  seine.
Rechnung  kommen.  Der  umfangreiche,  jetzt  schon
über  2000  Nummern  sassende  Katalog  wird
durch  jede  Musikalien=  und  Papierhandlung  gra-.
lis  abgegeben,  oder  auch  vom  Verlag  Anton
J  Benjam-  #  Kgl.  Schwed.  Hofmusikalkenhandlung,
  Hamburg  XlI.

 

Ein  unzertrennlicher  Kamerad  des  deutschen
Soldalen  ist  das  deutsche  Lied.  Singend  ziehn
unsere  Truppen  fort  von  der  Heimat,  singend
ziehen  sie  in  die  4%%  l.  Diesem  Sangesbedürfnis
  trägt  das  Soidarenliederbüchlein  Rechmung,
  das  neu  im  Verlag  von  Carl  Aug.  Seyfried
  &  Comp.  unter  dem  Titel:  Stolzziehn
wir  in  die  Schlacht  erschienen  ist.  Neu  ist
nicht  bloß  die  Auswahl  der  besten  volkstümlichsten
  Soldatenlieder,  neu  ist  auch  die  Aufnahme
  älterer  fast  halbvergessener  und  doch
so  wunderschöner  Weisen,  neu  ist  endlich  die
allen  Liedern  beigefügte  einfache  Begieitung  in
Buchstaben  mit  Jissern.  JZeder  halbwegs  Nolenkundige
  wird  fie  aus  Guitarre  oder  Klavier
schnell  spielen  können.  Preis  15  Pfg.

Kriegsbuch  der  Volklsernährung
von  Dr.  Mar  Winckel  (Verlagsanstalt  Carl
Gerber,  München),  Preis  4%  Mk.  Der  Autor
dieses  Buch  es  ist  bereits  durch  seine  seit  Kriegsbeginn
  erschienene  Broschüre  über  „Krieg  und
Vollsernährung“  bekannt.  Er  hat  auf  Beschluß
der  bayerischen  Regierung  die  vom  Ministerium
in  Berlin  abgehaltenen  Kurse  besucht  und  ist
seit  vielen  Jahren  ein  eisriger  Förderer  der
Vollsernährung.  In  dem  vorliegenden  „Kriegsbuch
  der  Volksernadhrung“  sind  nicht  nur  die
schon  so  viel  gepredigten  Lehren  von  der  sparsamen
  Küchenwirtschaft  niedergelegt,  sondern  in
einer  Reihe  von  Kapiteln  wird  die  Vollsernährung
  behandelt  im  Zusammenhang  mit  dem
Krieg,  den  Bundesratsbeschlüssen,  mit  der
Volksgesundheit  und  der  Bekämpfung  der  Vollskrankheiten,
  mit  Industrie  und  Gewerbe,  mit
unserer  Kolonialpolitik  und  endlich  mit  den  Forderungen,
  die  das  neue  Deutschland  an  unsere
Frauen,  an  die  Schulen,  an  jeden  Bürger  stellt.
Dr.  Winckel  hat  kürzlich  auch  in  Rosenheim
einen  trefflichen  Vorthg  über  Volksernährung
gehalten.

Die  „Bibliothek  der  Unterhaltung
und  des  Wissens“,  deren  schmucke,  in  der
ganzen  Welt  bekannte  Bände  eine  Zierde  jeder
Büchersammlung  bilden  und  von  den  aiten
len  stets  mit  Ungeduld  erwartet  werden

eine  Einrichtung  getroffen,  die  bei  allen  vet
große  Freude  bereiten  wird.  Sie  beginnt  in
dem  dritten  Bande  mit  der  Veröffentlichung
einer  in  einzelne  Kapitel  eingeteilten,  aber  in
sich  esammenhängenden  Geschichte  des  Weltkrieges
  1914,  so  daß  die  Abonnenten  ohne  besondere
  Kosten  auf  diese  Weise  in  den  Besitz
einer  reich  illustrierten  Kriegsgeschichte  vom  Anbeginn
  bis  zum  Abschluß  gelangen.  D  ige
Inhalt  bringt  nach  wie  vor  eine  rei  e  auswahl
von  spannenden  Romanen,  Novell-,  Erzählungen,
  belehrenden  Aufsätzen  usw.  Der  in  echt
ke  kein#n  eingebundene  Band  koltet  nur

6