Volltext : Aus dem Leben der Königin Carola von Sachsen.

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empfohlen  worden.  Ihre  Anlage  dazu  war  nur  gering,  doch
versuchte  sie  es  immer  wieder  mit  der  ihr  eigenen  Energie,  bis
ihre  große  Kurzsichtigkeit  sie  veranlaßte,  ganz  davon  abzusehen.

Frau  von  Werthern  war  1858  von  ihrer  Stellung  zurückgetreten.
Die  Kronprinzeß  nahm  keine  neue  Oberhosmeisterin  in  ihren
Dienst,  sondern  eine  zweite  Hofdame,  die  von  ganzem  Herzen
ihrer  Fürstin  zugethane  und  ergebene  Fräulein  Marie  von  Minckwitz.
Als  Gräfin  Schall  sich  1865  verheiratete,  trat  Gräfin  Irma
Wallwitz  an  ihre  Stelle,  mit  angenehmem  Wesen,  mit  richtigem
Takte  und  guten  Formen,  aber  für  den  Hofdienst  etwas  zu  zarter
Gesundheit.

Pflichten  der  Repräsentation,  sein  militärischer  Beruf,  dem
er  sich  mit  größter  Hingebung  widmete,  und  die  Liebe  zum  edlen
Weidwerk  bewirkten,  daß  der  Kronprinz  öfter  abwesend  war.
Die  Kronprinzeß  verstand  ihre  Zeit  aber  auch  allein  nützlich  zu
verwenden.  Durch  völlige  Beherrschung  der  französischen  und
englischen  Sprache  war  ihr  die  Litteratur  beider  Völker  neben
der  deutschen  zugänglich.  Einige  Morgen-  und  Abendstunden
waren  der  ausgebreiteten  Korrespondenz  und  der  Lektüre  gewidmet.
Alles  künstlerische  Streben  wurde  unterstützt,  das  aufblühende  Kunstgewerbe
  gefördert.  Die  Kronprinzeß  besuchte  öfter,  entweder  allein
oder  mit  dem  Kronprinzen  zusammen,  die  Königliche  Kupferstichsammlung
  und  die  Privatsammlung  der  Sekundogenitur  unter  Führung
des  Professors  Gruner,  hörte  auch  Vorträge  über  Kunstgeschichte
bei  Professor  Hettner.  Von  den  Künsten  bevorzugte  die  Kronprinzessin
die  Malerei,  nahm  Stunden  bei  Professor  Kummer  und  entwickelte
neben  der  Blumenmalerei  das  Talent,  Landschaften  charakteristisch
und  rasch  zu  skizzieren.  Klavierlehrer  Krägen,  ein  Original,  hatte