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den? Wird er sich vorerst damit begnügen, durch persönlichen Handschlag
im Namen Italiens ein thatkräftiges Bündniß mit England zu schließen?
Wird er, vielleicht über die Gränzen seines Berufes schweifend,
nach einem gewiß heroischen Todeskampfe untergehen und wird bald einer
unserer geistvollsten Geschichtschreiber sich berufen sehen, jener Reihe räthsel-
hafter Persönlichkeiten, welche in der Dämmerung eines Welttags, als
hohe, aber kurze Erscheinungen erstehen und verschwinden, von ihm so
treffend „die neuen Propheten“ genannt, den Bildern Savanarolas, der
Jungfrau von Orleans das Bild Garibaldis beizufügen? Oder wird Ga-
ribaldi gesegnet von seinem Vaterlande als sein Suffet, als sein Richter,
das friedliche Alter des freien Bürgers verleben? Kurz, wird er wie
ein Simson sich unter Trümmern begraben, oder wie ein Gideon ab-
scheiden?
In der Antwort, welche das Schicksal vielleicht bald auf diese Frage
geben wird, liegt eine wichtige Entscheidung nicht blos über die Zukunft
Italiens, sondern ganz Europas und namentlich Deutschlands, zu welchem
Garibaldi eine besondere Zuneigung bekennt, welches ihm vielleicht bald
mit dem Schwerte, in allen Fällen aber stets mit der Wahrheit begeg-
nen soll.
Ende Januar 1861.