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sandten an den deutschen Höfen seine vorläufige Ansicht über die
preuß. Antwort auf die Reformacte mit:
„ . . . Nach unserer Ueberzeugung sind die drei (präjudiciellen) Vor-
bedingungen, von deren vorgängiger Annahme der k. preußische Hof sogar
seinen Entschluß abhängig machen will, ob er über eine Reform des Bundes
unterhandeln wird oder nicht, nicht allein unvereinbar mit der Aufrecht-
erhaltung des föderativen Princips in Deutschland, sondern es scheint mir
auch sehr bezeichnend, daß Preußen den bestimmten Anträgen seiner Bundes-
genossen nichts als allgemeine Ansprüche gegenüberstellt, deren schwankende
Form und deren Lücken keine bestimmte und klare Idee geben können. Es
wird eine unangenehme und wenig lohnende, aber keineswegs schwere Auf-
gabe sein, jeden der Irrthümer wie der schreienden Widersprüche nachzuweisen,
in welche die preußischen Minister in ihrem Bericht vom 15. d. M. sich ver-
wirrt und verwickelt haben (se sont confusément embrouillés).... Nach
meiner Ansicht würde es sich empfehlen, in bundesfreundlichem Ton eine voll-
ständige Ablehnung der preußischen Anträge zu entwerfen und dem Berliner
Cabinet mittelst identischer Noten aller bei der Reformacte betheiligten Re-
gierungen mitzutheilen, und zwar mit dem dringenden Ausdruck der Hoff-
nung, daß Preußen nicht auf unannehmbaren Präliminarbedingungen be-
stehen, sondern daß es einwilligen werde, auf der Basis derjenigen Vorschläge
zu verhandeln, welche von 24 deutschen Regierungen bereits angenommen sind.
Die Erklärung, daß diese Vorschläge nicht ohne practisches Resultat bleiben
dürfen, wird in diese identischen Noten sehr wohl aufgenommen werden kön-
nen. Außerdem möchte es am Platze sein, einige der Höfe, welche zwar die
Reformacte nicht en bloc angenommen, aber sich an dem Frankfurter Fürsten-
tag in einem dem Hauptzweck günstigen Sinne betheiligt haben, besonders die
Höfe von Mecklenburg-Schwerin und Sachsen-Weimar, einzuladen, daß sie an
diesem Schritt Theil nehmen, wenigstens sofern sie denselben mit ihren An-
sichten übereinstimmend finden."
26. Sept. Deutscher Handwerkertag in Frankfurt. Derselbe lehnt das
Princip freier Genossenschaften ab und spricht sich für das Princip
der Zwangsinnungen aus.
„ „ (Bayern)). Die II. Kammer beharrt gegenüber einem Be-
schlusse des Reichsraths mit 70 gegen 57 Stimmen darauf, den
außerordentlichen Militärcredit nur auf 2 Jahre zu bewilligen. —
Der Reichsrath verwirft den Beschluß der II. Kammer bezüglich
Abkürzung der Finanzperioden einstimmig und spricht mit 26 gegen
17 Stimmen bloß den Wunsch einer baldigen Vorlage aus.
28. „ Versammlung katholischer Gelehrter in München.
29. „ (Bundestag). Erste engl. Depesche bezüglich der schleswig-
holstein'schen Frage (s. England).
„ „ (Anhalt). Der frühere Anhalt-Bernburg'sche Minister v. Schätzell
erhält seine Entlassung.
1. Okt. (Bundestag). Die Bundesversammlung beschließt den Ein-
tritt des Executionsverfahrens gegen Dänemark:
„I. die k. dänische herzoglich holstein-lauenburgische Regierung hat ihre
bundesmäßigen Verpflichtungen bezüglich der Verfassungsverhältnisse der Herzog-
thümer Holstein und Lauenburg nicht erfüllt, und insbesondere dem Bundes-
beschlusse vom 9. Juli d. J. durch ihre Erklärung vom 27. August d. J.
nicht Folge geleistet; es ist daher nunmehr das geeignete Executionsverfahren