Großbrillanien. (Mai 20 — Juni 1.) 365
2. Lesung mit 383 gegen 45 Stimmen an, doch steht die Spezial-
debatte derfelben noch bevor.
20. Mai. (Agypten.) Die englisch-frang. Flotte langt vor
Alexandrien an. Die nächste Folge ist aber nur eine noch größere
Verwirrung in Agypten und eine Steigerung der Macht und des
Einflusses Arabi's. Alle drei, der Khedive, Arabi und die West-
mächte wenden sich an den Sultan um Hilfe.
22. Mai. General Wolseley spricht sich gelegentlich als Vor-
sitzender eines Klubs sehr energisch gegen die allg. Wehrpflicht für
England aus, da sie den Gefühlen des englischen Volkes widerstreite
und für dieselbe in England keine Notwendigkeit vorhanden sei:
„Wir haben das gute Glück, von Europa getrennt zu sein durch einen
großen üülbernen Meeresstreisen, auf welchem unsere Flotte schwimmt, und
so lange unsere Flotte dort das übergewicht behält, und so lange dieser
große nasse Graben unser Gestade umgibt, ohne daß eine Brücke über den-
selben gebaut oder ein Tunnel unter demselben von irgendwelchen Spelulanten
hergestellt wird, wird England nicht jener durch Konskriplion auf die Beine
gebrachten großen Heere bedürfen, welche das Lebensblut einer jeden Nation
auf dem europäischen Festlande, welche sie zu unterhalten hat, aussangen.“
23. Mai. Unterhaus: nimmt die Pachtrückstandsbill in 2.
Lesung mit 269 gegen 157 Stimmen an, beschließt jedoch, daß die
Zwangsbill in der Spezialdebatte vor der Pachtrückstandsbill er-
ledigt werden solle.
25. Mai. Unterhaus: beginnt die Spezialdebatte der irischen
Zwangsbill.
29,31. Mai. (Agypten.) Frankreich schlägt England die Ein-
berufung einer Konferenz bez. Agypten in Konstantinopel vor, Eng-
land stimmt dem Vorschlage bei. England ist entschieden für eine
Intervention des Sultans in Agypten und Frankreich nicht mehr
unbedingt dagegen; beide aber wollen dem Sultan dabei Bedingungen
auferlegen (vgl. Pforte).
1. Juni. Unterhaus: Dilke gesteht offen ein, daß seit der
Mitte des vorigen Monats zwischen der englischen und der frangösi-
schen Regierung (Freycinet) ein entschiedener Zwiespalt bez. der ägyp-
tischen Frage über die Beschickung der Konferenz in Konstantinopel
und einer eventuellen Intervention der Türkei in Agypten einge-
treten sei.
Inzwischen erklärt sich die französische Deputiertenkammer an dem-
selben Tage für die Konstantinopler Konferenz und die vom Ministerium
Freycinet betriebene Teilnahme Frankreichs an derselben und erteilt Frey-
cinet mit 293 Stimmen gegen 70 (Gambetta) ein Vertrauensvotum. Vergl.
Frankreich.