Die Rãmishe Rurie. (Juni 24.— September.) 393
ein Regolamento für die periodischen und außerordentlichen Versammlungen
des Episkopats zu entwerfen. Die Direktion des heiligen Stuhls würde die
Bischöfe leiten und diese ihrerseits würden durch das lebendige Wort oder
durch Hirtenschreiben ihren Einfluß auf das Volk geltend machen. Dies,
glaubt Kardinal Manning, sei bei der gegenwärtigen Lage Englands und
Irlands die wirksamste diplomatische Politik für den heiligen Stuhl. Speziell
in der Frage der eventuellen Errichtung einer Nuntiatur in London kommt
der Kardinal zu dem Schlusse, daß in einem Lande wie England, wo die
katholische Kirche keine Beziehung irgend welcher Art zum Souverän oder
Staate habe, wo die bürgerliche Gewalt kein Recht besitze, bei der Ernennung
der Bischöfe mitzusprechen, wo die Kirche sich nur auf das allgemeine Landrecht
stütze, gerade so wie alle anderen Unterthanen, nicht zu sehen sei, was
für einen Nuntius zu thun bleibe. Derselbe könne in Bezug auf die Gesetzgebung
und die Anwendung der Gesetze keinen Einfluß irgend welcher Art
ausüben. Er würde also keinen Vorteil bringen, eher schaden, und überdieß
die Empfindlichkeit der englischen und schottischen Protestanten erregen, was
dem Katholizismus große Gefahren bringen könnte.
Nach dem Zusatze des römischen Korrespondenten der „Germania“
seien diese Anschauungen bisher für das Verhalten der
Kurie zu England maßgebend gewesen.
Am 27. Juni erklärt Schatzkanzler Smith im englischen
Unterhause auf eine Anfrage, die Wiederherstellung der diplomatischen
Beziehungen zum Vatikan sei weder vom Papste noch von
England angeregt worden.
24. Juni—September. (Irland.) Der Consultor propagandae
fidei, Msgr. Persico, und sein Sekretär Gualdi begeben
sich im Auftrage des Papstes zum Studium der religiösen und
nationalen Verhältnisse nach Irland.
Die Mission wird mehrfach aufgeschoben, auch in Paris werden die
Abgesandten Ende Juni wiederum zurückgehalten, weil khnen von Irland
gedroht wurde, daß sie „geboykottet“ werden würden; dann reisen sie endlich
nfang Juli nach Irland.
Von authentischer Seite wird als Zweck der Mission mitgeteilt: Der
Papst wolle England damit nur einen Beweis seiner freundlichen Gesinnung
und Gerechtigkeit geben; er habe von dem Berichte, welchen ihm der Herzog
von Norfolk über Irland unterbreitet, nicht Kenntnis nehmen können, denn
er schien ihm von Parteigeist getrübt. Die Irländer könne er nicht opfern,
um aber sachgemäß unterrichtet zu sein, entsende er vertrauenswürdige Männer,
welche die Dinge mit eigenen Augen prüfen und dann mit den Bischöfen
Rücksprache nehmen werden. Die Mission werde Belege zu einem Urteile
über die Haltung der irischen Geistlichkeit sammeln, bezwecke jedoch keinesfalls,
das Vorgeen der Staatsbehörden zu prüfen.
Im September wird aus dem Vatikan als Ergebnis der Sendung
dem „Daily Chronicle“ berichtet: es sei ein Umschlag der Stimmung in
Bezug auf die irische Nationalbewegung eingetreten. Persico habe darauf
hingewiesen, daß die irische Geistlichkeit eine viel zu starke Teilnahme an der
Bewegung zeige, die revolutionärer Natur sei und unterdrückt werden müsse.
Es werde demnach eine päpstliche Meinungsäußerung an die irischen Bischöfe
erwartet. Persico habe auch berichtet, daß viele Geistliche für die Phönix-