Full text: Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dritter Jahrgang. 1887. (28)

396 Lie Rämische Kurie. (Dezember 19.—Ende.) 
gerufen, welche an das italienische Parlament gerichtet werden und 
die Aussöhnung des Staates mit dem Papsttum fordern soll. 
19. Dezember. (England.) Der Papst empfängt in feier- 
licher Audienz den Herzog von Norfokk, welcher ihn im Namen 
der Königin zu seinem Priesterjubiläum beglückwünscht und einen 
Brief der Königin überbringt. 
Der Papst erwidert auf die Ansprache des Herzogs: 
„Die Freude, die ich vor sechs Monaten bei der Absendung eines 
Sondervertreters zu Ihrer Majestät der Königin von England enshen 
wird heute wiederum in mir wach. Ihnen, die Sie den hohen Auftrag 
ausführen, mir die Glückwünsche und das Wohlwollen Ihrer erlauchten 
Hereetern zu überbringen, erkläre ich förmlich und öffentlich meine volle 
ufriedenheit mit der Freiheit, welche die katholische Kirche in allen Eng- 
land unterworfenen Ländern genießt. Diese Frähhein macht mir meine Aus- 
gabe leicht und ersprießlich und beweist auf der andern Seite die hohen 
geistigen und Gemütseigenschaften der Königin. Ich bitte Ew. Exzellenz, 
Ihrer Majestät für den Ihnen gewordenen Auftrag zu danken und ich ver- 
sichere Ew. Gnaden, daß ich zu Gott ein aufrichtiges und heißes Gebet für 
die Wohlfahrt und den Ruhm der Königin von England richte." 
Hierauf hat der Herzog eine dreiviertelstündige Privataudienz 
und macht dem Staatssekretär einen längeren Besuch. 
22. Dezember. (Bayern.) Der Payst erläßt eine Enzyklika 
an die bayerischen Bischöfe. 
Dieselbe wahrt in sehr bestimmter Weise die Ansprüche der Kirche 
auf die Erziehung der Geistlichkeit in den Seminarien und die Erziehung 
der Jugend. Der Papst ermahnt ferner die Bischöfe, die Gläubigen von 
geheimen Gesellschaften abzuwenden, empfiehlt den Katholiken Einigkeit und 
kräftige Verfechtung der Rechte der Kirche und des Glaubens, weist auf die 
Vorteile der Einigkeit zwischen der Kirche und dem Staate hin und erinnert 
an das zwischen Bayern und dem heiligen Stuhle abgeschlossene Konkordat. 
Der Papfst bedauert, daß der Staat nicht in derselben Weise wie der Vatikan 
seinen Verpflichtungen nachgekommen sei, und setzt seine Hoffnung auf die 
Weisheit des Prinz-Regenten. 
Ende Dezember. (Rußland.) Der Zar läßt dem Papste 
durch den französischen Botschafter beim Vatikan ein Glückwunsch- 
schreiben zu seinem Jubiläum überreichen. Man erblickt darin eine 
Bestätigung des vielfach erörterten Gerüchtes, daß zwischen dem 
Vatikan und Rußland neue Verhandlungen eingeleitet seien, was 
vorher beiderseits mehrmals in Abrede gestellt worden war. 
 
	        
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