Metadata : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dritter Jahrgang. 1887. (28)

4  Das  deutsche  Reich  und  seine  einzelnen  Glieder.  (Jan.  Anf.  —3.)

gelische  Gemeinbewußtsein  stärken,  gegenüber  dem  lähmenden  Parteitreiben
den  innerkirchlichen  Frieden  pflegen,  gegenüber  der  landeskirchlichen  Geteiltheit
  des  evangelischen  Deutschlands  die  Wechselbeziehungen  zwischen  den  Angehörigen
  der  einzelnen  Landeskirchen  beleben  und  mehren.  Zur  Erfüllung
dieser  Aufgabe  verpflichtet  sich  jedes  einzelne  Glied  des  Bundes  an  seinem
Teile  mitzuwirken.  Behufs  gemeinsamer  Thätigkeit  organisiert  sich  der
Bund,  unter  Leitung  eines  Zentralvorstandes,  sowie  eines  weitern  Ausschusses
  und  gegliedert  in  landeskirchliche  oder  landschaftliche  Zweigvereine,
über  das  ganze  evangelische  Deutschland.  Dem  Vorstande  tritt  an  die  Seite
eine  Kommission  zur  Vertretung  der  evangelischen  Interessen  in  der  Presse.
Generalversammlungen  vereinigen  die  Bundesglieder  zu  persönlichem  Meinungsaustausch
  und  zu  den  für  das  Ganze  maßgebenden  Beschlüssen.  Die
Kosten  des  Bundes  werden  teils  durch  regelmäßige  Beiträge,  teils  durch
außerordentliche  Zuwendungen  gedeckt.

Unterzeichnet  ist  der  Aufruf  von  dem  provisorischen  Vorstande  des  Bundes:
  Dr.  Bärwinkel,  Pfarrer  in  Erfurt;  Dr.  Beyschlag,  Professor  in  Halle;
Dr.  Fricke,  Professor  in  Leipzig;  Konsistorialrat  Göbel  in  Halle;  Superintendent
  Greeven  in  Büderich;  Professor  Kawerau  in  Kiel;  Konsistorialrat
Leuschner  in  Merseburg;  Professoren  Lipfius  und  Nippold  in  Jena;  Konsistorialrat
  Niemann  in  Münster;  Professor  Riehm  in  Halle;  Geh.  Ober-Regierungsrat
  v.  Voß  in  Halle;  Pfarrer  Dr.  Warneck  in  Rothenschirmbach;
Graf  v.  Wintzingerode-Bodenstein,  als  Vorsitzender,  in  Merseburg;  Dr.  Witte,
Professor  in  Schulpforta,  und  240  anderen  Mitgliedern.

Die  streng-orthodoxe  Partei  spricht  sich  im  „Reichsboten“  in
schroff  ablehnender  Weise  gegen  den  Bund  aus.

Anf.  Januar.  (Preußen.)  Die  Staatspfarrer  Kubetschak
und  Kick  legen  ohne  sich  der  Kirche  zu  unterwerfen  ihre  Stellen  nieder.
Später  folgen  die  Staatspfarrer  Rymarowicz  und  Golembiawski  nach.
Es  bleibt  somit  nur  noch  einer  im  Amte.

Anf.  Januar.  (Polnische  Rettungsbank.)  Einer  der
Mitbegründer  der  in  Posen  zur  Rettung  des  polnischen  Grundbesitzes
  unter  Beihilfe  der  gesamten  poln.  Nation  begründeten  Bank
verkauft  das  Rittergut  Radlowo  im  Kreise  Mogilno  an  die  preuß.
Ansiedlungskommission.

Anf.  Januar.  (Ostafrika.)  Einige  der  Ende  des  Jahres
1886  vor  Zanzibar  angelangten  deutschen  Kriegsschiffe  begeben  sich
nach  der  Mandabucht,  nehmen  von  den  im  Londoner  Abkommen
unerwähnt  gelassenen  Inseln  Manda,  Pata  und  Kweio  für  den
Sultan  Achmed  v.  Witu  Besitz  und  verkünden  feierlich  im  Witulande
  die  Londoner  Beschlüsse  und  damit  die  Übernahme  des  deutschen
  Protektorats.

Anf.  Jan.  (Preußen.)  Der  frühere  Unterstaatssekretär  des
Reichsschatzamts,  v.  Burchard,  wird  zum  Präsidenten  der  Seehandlung
  ernannt.

3.  Januar.  (Türkei  und  Rußland.)  Die  „Norddeutsche