Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Achter Jahrgang. 1892. (33)

200  Das  Dentsche  Reihh  und  seine  einzelnen  Glieder.  (Dezember  10)

Maximal=  und  Normalziffer,  sondern  als  eine  Durchschnittsziffer.  Es  ist
unbedingt  richtig,  daß  gegenüber  dem  bisherigen  Zustande  dies  eine  finanzielle
Mehrbelastung  bedeutet.  Es  fallen  weg  —  es  ist  dies  auch  in  den  Motiven
ausgeführt  worden  —  die  ganzen  Manquements,  die  wir  jetzt  haben.
Darüber  muß  doch  jeder  klar  sein:  bei  zweijähriger  Dienstzeit  muß  der
Mann  dienen  vom  ersten  bis  zum  letzten  Tage,  sonst  ist  die  Aufgabe  unerfüllbar,
  die  der  Armee  gestellt  ist.  Also  alle  Rekrutenvakanzen  fallen  fort.
Das  ist  die  eine  Seite.

Wenn  wir  nun  jetzt  statt  einer  Maximal=  und  Minimalzeit  die
Turchschnittsziffer  geben,  so  ist  das,  abgesehen  von  dem  erwähnten  finanziellen
Ergebnis,  welches  nur  ein  thatsächliches  ist,  eigentlich  keine  Mehrbelastung
für  den  Etat;  denn  die  Fiktion  besteht  auch  bei  der  bisherigen  Friedenspräsenzstärke,
  daß  eigentlich  das  Recht  besteht,  die  Mannschaft  drei  Jahre
im  Dienst  zu  behalten.  Also  darin  ist  scheinbar  keine  Mehrbelastung.  Ich
möchte  diese  Frage  heute  nicht  zum  Austrag  bringen,  ob  wir  die  Bestimmung
  bewilligen  können  oder  nicht.  Richtig  ist,  wenn  man  die  Sache
an  der  Hand  der  Begründung  weiter  durchdenkt,  daß  Augenblicke  eintreten
können,  wo  eine  mäßige  Ueberschreitung  der  Normalzahl  nach  dem  jetzigen
Begriff  eintreten  würde,  um  nachher  einer  Verminderung  Platz  zu  machen
und  dadurch  die  ausgleichende  Durchschnittszahl  wieder  herbeizuführen.  Es
ist  darauf  hingewiesen,  daß  bei  Einstellung  der  Rekruten,  wenn  man  alle
Leute  zwei  Jahre  bei  der  Fahne  haben  will,  man  einen  gewissen  Ueberschuß
einstellen  muß,  den  die  vierten  Bataillone  bekommen  sollen,  und  daß  dieser
Ueberschuß  mit  der  Ausbildung  mit  fortschreitet  und  in  die  anderen  Bataillone
  übertreten  soll,  um  die  Manquements  auszufüllen,  die  im  Laufe  des
Jahres  bei  diesen  entstehen.  Die  Bataillone  des  Regiments  sollen  vom
ersten  bis  zum  letzten  Tage  immer  voll  gehalten  werden,  So  verstehe  ich
die  Maßregel,  die  hier  gedacht  ist.

Dann  ist  vorgeschlagen,  diese  Bewilligung  auf  fünf  Jahre  zu  machen.
Da  kann  ich  auch  anerkennen,  daß  gegenüber  den  sieben  Jahren  ein  Zurückgehen
  auf  fünf  Jahre  ein  Entgegenkommen  bedentet.  Ich  kann  auch  sagen,
daß  ein  gewisser  Zusammenhaung  mit  den  Wahlen  des  Reichstags  hergestellt
ist,  indem  jeder  Reichstag  auf  diese  Weise  mindestens  einmal  in  die  Lage
kommt,  diese  Frage  zu  prüfen.  Aber  wir  haben  damals  den  Wunsch  ausgesprochen,
  die  ganzen  Mititärforderungen  einfach  durch  den  Etat  jährlich
feststellen  zu  lassen;  und  ich  meine,  grundsätzlich  wäre  das  heute  noch  der
richtige  Standpunkt.  Ich  habe  mich  früher  einmal  —  ich  glaube,  es  war
in  der  Kommission  —  dahin  ausgedrückt,  es  sei  mir  sogar  zweifelhaft,  ob
wir  finanziell  dabei  ein  Geschäft  machen,  denn  wenn  man  jedes  Jahr  eine
kleine  wohlbegründete  Forderung  uns  brächte  —  ich  will  sagen,  uns  z.  B.
in  einem  Jahre  eine  kleine  Vermehrung  der  Artillerie,  im  nächsten  Jahre
der  technischen  Truppen,  dann  wieder  etwas  anderes,  es  würde  z.  B.  das
Bedürfnis  hervortreten,  die  Etats  der  Bataillone  zu  erhöhen  —  so  kann
man  in  jedem  Jahre  eine  hübsche,  niedliche  Vorlage  machen,  und  am  Ende
der  sieben  Jahre  hätte  man  vielleicht  mehr  bekommen  wie  auf  einmal.  Das
ist  möglich,  wenn  wir  nicht  sehr  aufmerksam  sind.  Also  die  kleine  finanzielle
Schwäche  sehe  ich  wohl  ein,  aber  es  ist  einmal  Grundsatz,  daß  alle  Ausgaben
  jährlich  festgestellt  sein  sollen,  und  man  soll  von  dem  Grundsatz  nicht
abgehen  ohne  zwingende  Gründe.

Nun  kommt  dazu,  daß  wir  mit  dem  letzten  Septennat  doch  ganz
cigene  Erfahrungen  gemacht  haben.  (Zustimmung  links  und  im  Zentrum).
Früher  war  das  Septennat  wirklich  ein  Septennat,  d.  h.  in  der  Bedeutung
des  Septennats,  wie  sie  im  §  1  ausgedrückt  war.  (Zurufe.)  —  Hinsichtlich
der  Friedensstärke  ist  man  früher  in  dem  Umfange  nicht  abgewichen.  Aber