Full text : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

494  Fünftes  Buch.  II:  König  Heinrich  VI.

Munde,  daß  die  Kirche  vom  Staate  befreit  werden  müsse!  Auch  Bischof
Adelhog  von  Hildesheim  erschien  bei  Goslar,  der  dem  Herzoge  das  ihm  rechtmäßig
  zugehörende  Schloß  Homburg  zu  entziehen  gewußt')  und  jetzt  den
nahen  Welfen  vor  allem  zu  fürchten  hatte.  Natürlich  fehlte  auch  Herzog
Bernhard  von  Sachsen  nicht,  der  sich  gegen  den  gefährlichsten  Gegner  seiner
jungen  Würde  zu  wehren  hatte.  Außerdem  waren  noch  viele  andere  Fürsten
mit  beträchtlichen  Heeresabteilungen  dahin  gekommen.  Dieses  große  Heer
fiel  sengend  und  brennend  in  die  Umgegend  des  nahen  Braunschweigs  ein.
Allen  voran  zog  der  Erzbischof  von  Mainz,  den  friedlichen  Landleuten  und
Klerikern  ein  Schrecken.  Weit  und  breit  verwüstete  er  die  Gefilde;  der  Kirche
von  Steterburg  allein  wurden  sechzig  Hufen  Landes  mit  allem  Zubehör
niedergebrannt.  Daß  auch  der  wilde  Kölner  nicht  zu  schonend  mit  dem  Lande
seines  Feindes  verfahren  sein  mag,  läßt  sich  nach  den  Taten,  die  er  zehn  Jahre
früher  in  denselben  Gegenden  verübt  hatte,  leicht  ermessen.  Jammer  und
Elend  erfüllten  die  ganze,  sonst  so  schöne  und  fruchtbare  Gegend.  Der  König
hat  diesem  Treiben  wenigstens  nicht  gewehrt“*).  Je  mehr  Schaden  die  gefürsteten
  Räuber  dem  armen  Lande  durch  ihren  Verheerungszug  getan
hatten,  um  so  weniger  richteten  sie  gegen  die  Hauptstadt  selbst  aus.  Hier  befehligte
  der  junge  Heinrich,  der  höchstens  sechzehn  Jahre  zählte,  aber  schon
mit  rühmenswerter  Umsicht  seine  Maßregeln  getroffen  hatte.  Aus  der  ganzen
Umgegend  hatte  er  Unterhaltsmittel  zusammengeschafft  und  in  Braunschweig
aufgehäuft,  so  daß  die  Stadt  für  lange  Zeit  vor  Mangelgeschützt  war“““).  Ob-Dezember
  wohl  der  König  sie  mit  aller  Macht  bestürmte,  richtete  er  doch  gegen  die
tapfere  Gegenwehr  der  Bürger  und  ihres  jugendlichen  Führers  nichts  aus.
Nicht  einmal  die  vor  der  Stadt  liegenden  Häuser  konnte  er  erobern.  Da  auch
die  schlechte  Jahreszeit  hereinbrach,  mußten  die  Fürsten  und  mit  ihnen,  gewiß
  zu  seinem  großen  Verdruß,  der  König  die  Belagerung  aufheben  und  sich
nach  dem  Süden  zurückziehen.  Es  war  ein  geringer  Ersatz  für  das  Scheiterm
der  Unternehmung  auf  des  Herzogs  Hauptfeste,  daß  es  dem  Könige  auf
seinem  Rückzuge  noch  gelang,  Hannover  zu  überfallen  und  in  Brand  zu
steckenf).  Als  aber  Heinrich  VI.  auch  den  Grafen  Konrad  von  Rothe  bestrafen
  wollte,  weil  er  für  den  Welfen  Partei  genommen  hatte,  und  deshalb
dessen  festes  Schloß  Limmer  angriff,  wurde  er  mit  großem  Verluste  zurückgetrieben.
  Verweilen  konnte  er  sich  bei  dem  Eintritte  des  Winters  nicht  mehr,
und  so  mußte  er  auch  diesen  Versuch  aufgeben  und,  ohne  vielen  Ruhm  geerntet
  zu  haben,  sich  nach  Goslar  zurückziehen  und  seine  Armee  auseinander
  gehen  lassenff).  Jedoch  wurde  bestimmt,  daß  am  29.  April  des

 

*)  Seite  453.

½%%  Krit.  Erört.  II  b.

An.  Stederb.,  p.  221.

1)  Arn.  Lubic.  V,  3.  —  An.  Pegav.  I.  o.  —  An.  Stederb.,  p.  221  f.

l)  Arn.  Lubio.  1.  c.  LRexl  abüt  Limberc  ad  castrum  Conradi  de  Rothe,  volens
obtinere  illud.  Sed  cum  nye  obi  Profecisset,  amaro  animo  reuersus  est  in  locum
suum.  —  An.  Stederb.  :  LRexl  castrum  Conradi  de  Rothen  Liembero