44 Das Deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (März 5. 7.)
Am 11. März wird folgender Antrag der Budgetkommission angenommen:
Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zur Verhütung der Soldatenmißhandlungen,
insbesondere der systematischen Mißhandlungen, darauf
hinzuwirken, daß in den Fällen des Militär-Strafgesetzbuches § 147, welcher
die schuldhafte Verabsäumung der Beaufsichtigung von Untergebenen
mit Freiheitsstrafen und Dienstentlassung bedroht, gegen die für die Disziplin
verantwortlichen Vorgesetzten die Strafverfolgung unnachsichtlich eingeleitet
wird. Ferner wird der Kommissionsbeschluß über die Oberstleutnantsgehälter
(S. 20) angenommen.
Am 11. und 12. März wird über die Vermehrung der Unteroffizierstellen
beraten. Die Kommission beantragt Ablehnung, Abg. Oriola (nl.)
beantragt Wiederherstellung der Regierungsvorlage, Abg. Spahn (Z.) Bewilligung
von 650 Stellen anstatt 765 auf ein halbes Jahr. Am 13.
wird der Antrag Oriola mit 104 gegen 104 Stimmen abgelehnt, der Antrag
Spahn angenommen. — In den folgenden Tagen werden insbesondere
die Löhne der Militärarbeiter, die Vergebung militärischer Bauten und die
Remontebeschaffung erörtert.
5. März. (Hannover.) Generalfeldmarschall Graf Waldersee
nach kurzem Leiden †.
Geboren 8. April 1832 in Potsdam, trat 1850 in die Armee, 1866
und 1870 Major im Generalstab, zeichnete sich besonders im Loirefeldzug
aus, 1881 Generalquartiermeister, 1888 Generalstabschef, 1891 kommandierender
General des 9. Armeekorps, 1898 Inspekteur der 3. Armeeinspektion,
1900/1 Kommandeur der internationalen Truppen in Tschili. — Seit
der Rückkehr aus China litt er an Venenentzündung.
Anfang März. (Jena.) Konfessionelle Streitigkeiten an
der Universität.
Der Senat verbietet farbentragende Studentenverbindungen auf konfessioneller
Grundlage. Das Verbot ist veranlaßt durch die Gründung einer
katholischen Verbindung „Sugambria“, die Reibungen unter den Studenten
hervorgerufen hatte. Die katholische Presse greift das Verbot als einen
Akt der Intoleranz an; von protestantischer Seite wird ausgeführt, daß
die „Sugambria“ den konfessionellen Frieden gestört habe, indem die katholischen
Studenten durch einen Druck außerakademischer Kreise zum Eintreten
bewogen würden.
7. März. Das Preußische Abgeordnetenhaus verweist
nach zweitägiger Debatte über die Lage der Zuckerindustrie folgende
Anträge an eine Kommission:
Abg. Graf Praschme (3.), Frhr. v. Richthofen (kons.): Die Regierung
zu ersuchen, der jetzigen Notlage der heimischen Zuckerindustrie durch
eine anderweitige Gestaltung der Eisenbahngütertarife für Rüben-(Roh- und
Konsum-) Zucker mit tunlichster Beschleunigung Rechnung zu tragen. Abg.
Stupp (3.): Die Regierung zu ersuchen, in Rücksicht auf die andauernde
Notlage der deutschen Zuckerindustrie und Landwirtschaft die Eisenbahntarife
für Zuckerrüben, Schnitzel, Melasse und Melassefutter noch weiter herabzusetzen.
7. März. (Preußisches Abgeordnetenhaus.) Beim Eisenbahnetat
teilt Minister der öffentlichen Arbeiten Budde einiges mit
über die allgemeine wirtschaftliche und finanzielle Lage der Eisenbahnen
und die Verhältnisse der Beamten: