138 Beusches Reich. (Februar 18.)
einerseits die Zusammenfassung der Verwaltung in Preußen erreicht und
zugleich dem Präsidenten des Kriegsernährungsamts und dem Leiter des
Kriegsamts die von diesen als erforderlich erachtete Fühlungsnahme auf
dem Gebiet der staatlichen Maßnahmen in Preußen gewährleistet, und anderseits
dem Staatskommissar die Möglichkeit gegeben, auch gegenüber den
Reichsämtern für Vereinheitlichung der Organisation Sorge zu tragen. Die
Leitung der Reichsgetreidestelle behält Dr. Michaelis bei.
18. Febr. Uber angebl. Verhandlungen Deutschlands mit Dänemark
betr. der dänischen Ausfuhr nach England schreibt die „Deutsche
Tagesztg.“ u. a.:
Im „Berl. Tagebl.“" fand sich eine Depesche des Korrespondenten
dieses Blattes aus Kopenhagen, welche mit den folgenden Sätzen schloß:
„Die Frage der Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus Dänemark
nach England tritt möglicherweise in ein neues Stadium. Direktor Andersen
von der ostasiatischen Kompagnie und Direktor Cold von den Vereinigten
dänischen Dampfschiffahrtsgesellschaften sind aus Berlin, wo über diese Frage
mit den deutschen Regierungsstellen verhandelt wurde, zurückgekehrt. Es
verlautet, daß die Ergebnisse der Verhandlungen hier als zufriedenstellend
angesehen werden.“ Der Sinn dieser Sätze wäre, kurz zusammengefaßt: die
deutsche Regierung hätte den genannten dänischen Gesellschaften Ausfuhr
landwirtschaftlicher Erzeugnisse nach Großbritannien gestattet. Wir können
uns das ohne weiteres nicht vorstellen und möchten es auch unter der Voraussetzung
nicht tun, welche logisch vielleicht nicht fern läge, daß nämlich
zum Ausgleiche Dänemark irgendwelche Produkte, Waren usw. nach Deutschland
lieferte, welche es vielleicht sonst nicht geliefert haben würde. An „landwirtschaftlichen
Erzeugnissen“ kommen ohne Zweifel in erster Linie, wenn
nicht ausschließlich, Nahrungsmittel in Betracht, zumal Speck und Butter,
Milch, Eier usw. Diese Dinge sind der großbritannischen Bevölkerung von
höchstem Werte gerade jetzt, wo der LC-Bootskrieg, uneingeschränkt sein sollend,
begonnen hat. Gleich nach dem 1. Febr. schon erklärten Sachverständige, daß
die Unterbindung der dänischen Ausfuhr nach Großbritannien schon sehr
bald empfindlichen Fettmangel in der Ernährung der großbritannischen Bevölkerung
geltend machen werde. Man kann sich also, wie gesagt, nicht vorstellen,
daß man deutscherseits in diesem Augenblicke solche wichtige Zugeständnisse
an die dänischen Exporteure gemacht habe oder zu machen im
Begriffe sei. Ein solches Verfahren würde überdies mit dem Unterseehandelskrieg
in Widerspruch stehen, außerdem auch mit dem Befehle des Deutschen
Kaisers an die Marine: „In dem bevorstehenden Entscheidungskampfe fällt
meiner Marine die Aufgabe zu, das englische Kriegsmittel der Aushungerung,
mit dem unser Feind das deutsche Volk niederzwingen will, gegen ihn und
seine Verbündeten zu kehren durch Bekämpfung ihres Seeverkehrs mit allen
zu Gebote stehenden Mitteln.“ Es erscheint undenkbar, daß demgegenüber
wirtschaftspolitische Maßnahmen getroffen werden könnten, auch wenn es
sich um eine Politik der sehr „kleinen Mittel“ für scheinbare Behebung von
Valutaschmerzen handelte, welche diese Grundgedanken des Kaiserl. Erlasses
unterhöhlten. (S. auch S. 212.)
18. Febr. (Berlin.) Sitzung des weiteren Vorstandes der
Deutsch-konservativen Partei.
Es gelangt einstimmig folgende Entschließung zur Annahme: Die
konservative Partei hat mit großer Freude und mit tiefem Danke den
Entschluß des obersten Kriegsherrn begrüßt. Sie erblickt darin einen neuen