302 Beutsches Reich. (März 14. 15.)
Rücksicht auf die Geschlossenheit des Volkes aufrechterhalten. Das beredte
Schweigen der Herren der Rechten bei seinen Ausführungen war sehr bezeichnend.
So eiskalt, wie sie ihn heute angehört haben, werden sie ihn
an dem Tage entfernen, wo sie ihn nicht mehr nötig haben. Wir geben
zu, daß der Kanzler den besten Willen zur Neuorientierung
hat, aber das Vorgehen des Herrenhauses zeigt, wie man es ihm verleiden
wird. Der Ministerpräsident sprach wieder von dem ganzen vollen Sieg,
den wir erringen müssen. Aber bis wir das erreichen, lebt kein Waffenfähiger
mehr in Deutschland. Darum verlangen wir, daß mit dem Kriege
endlich ein Ende gemacht wird. Würde das in den Parlamenten ausgesprochen,
so würde das ein Echo erwecken in den anderen Ländern. So
lange wie der Krieg dauert, wird man die Masse beschwichtigen. Nachher
heißt es: Bethmann, geht man! Dann kommt ein anderer, der für die Versprechungen
nicht verantwortlich gemacht werden kann. Sonst sagt man
immer, wenn hier einmal ein wahres Wort gesprochen wurde, das dürfe
man dem Ausland gegenüber nicht tun. Aber durch die Reden des Grafen
Yorck wird Deutschland bei allen politisch mündigen Völkern diskreditiert
und blamiert. Die Konsequenz ist, daß das deutsche Volk für alle Sünden
seiner Gewalthaber bluten muß. Wenn in der Weise weitergearbeitet wird,
könnte das Verhängnis für Sie von ganz anderer Seite kommen, als Sie
es immer befürchten. Das Herrenhaus hat mit seiner Behandlung der Vorlage
bewiesen, wie wenig Respekt es vor der Regierung hat. Es ist höchste
Zeit, daß sich das Volk von diesem Blinddarm des Herrenhauses befreit.
Der Absolutismus hat Deutschland in das schauerliche Unheil dleses Krieges
hineingestürzt, hat die ganze Welt gegen uns aufgepeitscht. Dieses feudalistische
Regierungssystem ist damit gerichtet. Es muß fallen und wird fallen,
trotz Dreiklassenparlament, trotz Herrenhäuser. Sobald das Volk ernstlich
will, wird es das Dreiklassenparlament und das Herrenhaus beseitigen, das
man nur als galvanisierte Leichenkammer bezeichnen kann. (Lebh. Beif. bei
der Soz. Arb. — Pfuirufe r. — Präsident Dr. Graf v. Schwerin-Löwitz
ruft den Redner zur Ordnung.)
Die zweite Lesung des Staatshaushaltsplans für 1917 ist damit beendet.
Das Haushaltsgesetz wird unter Vorbehalt der Feststellung der Ziffern.
angenommen.
14. März. (Frankfurt a. M.) Eröffnung einer Ausstellung
von Arbeiten in der Schweiz internierter deutscher Kriegsgefangener.
14. März. (Anhalt.) Zusammentritt des Landtags.
Unter den Vorlagen befindet sich eine Kreditforderung von 15 Mill. M.
zur Gewährung kündbarer Darlehen an die Kreise zwecks Bestreitung außerordentlicher
Kriegsausgaben.
15. März. Preis= und Wirtschaftsplan für das Erntejahr
1917.18.
Bei einer Zusammenkunft der Minister der Bundesstaaten unter
Leitung des Präsidenten des K. E. A. v. Batocki wird neben der Sicherung der
Volksernährung für die nächsten Monate bis zur neuen Ernte der Preis- und
Wirtschaftsplan für das Erntejahr 1917/18 festgestellt. Die Grundzüge
für die Organisationszusammenfassung der Bewirtschaftung des gesamten Getreides
und der Hülsenfrüchte in der Reichsgetreidestelle: Beschlagnahme
aller Fruchtarten für die Kommunalverbände, deren Selbstwirtschaft im allgemeinen
in dem bisherigen Umfange aufrechterhalten werden soll; verantwortliche
Mitheranziehung der Gemeinden zur besseren Sicherung der