Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Zehnter Band. (10)

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Jeit  muß  das  Verderbniß  bei  dem  Orden  nicht  allgemein
  gewesen  seyn;  höochstens,  wenn  sich  etwas  annehmen
läßt,  Verderbniß  einer  einzelnen  Provinz;  und  doch  kann  man
mit  Grund  so  schließen,  war  er  in  Palästina  nicht  verderbt,
so  war  er  es  im  kälteren  europäischen  Clima  noch  weniger.
Wenn  dem  Großmeister  in  Palästina  keine  Vorwürfe  gemache
werden  konnten,  viek  weniger  noch  den  Groß-Prioren  in  einzelnen
  europäischen  Reichen,  weil  der  Orden  monarchisch  war,
alle  die  Groß-Prioren  den  Großmeistern  viel  strenger  subordinirt
  waren,  als  bei  dem  Johanniterritter-Orben.

Unmöglich  konnte  der  Orden  in  Cypern  bleiben;  auf
einer  so  kleinen  Iusel  zwei  Ritter-Orden,  unter  einem  so  kleinen
  Kdnig,  der  habsüchtig,  tprannisch,  argwöhnisch  war;  aber
das  ließ  sich  auch  voraussehen,  daß,  wohin  das  Haupt  desselben
  sich  zog,  es  einige  Revolutionen  geben  muͤsse.
Bisher  waren  sie  in  Paläsiina  gewohnt  gewesen,  nebst  den
Johanniterrittern  Könige  ab=  und  einzusetzen.  Sollte  der  Ritter,
  der  in  Palästina  kommandirt  hatte,  in  Europa  sich  so
ganz  geduldig  unter  das  drückende  Joch  des  Königs  schmiegen?
  In  welches  curopäische  Königreich  er  sich  als  in  sein
Centrum  schließt,  muß  es  Revolution  geben.  Bisher  waren
die  Ritter  beschäftigt.  Oft,  wenn  die  größte  Erisis  bevorsiand,
  der  Feind  einrückte,  ging  Alles  gegen  den  Feind.  Jetzt
haben  sie  keine  Beschäftigung.  Theils  trug  dieß  zur  Verachtung
  des  Ordens,  theils  auch  zu  seinem  Verderben  bei.
Er  war  bisher  gewohnt  gewesen,  selbst  auch  in  Palaͤstina
mit  den  Königen  von  Frankreich  und  England  aus  Gelegenbeit
  der  Kreuzzüge  zu  spielen.  Die  beiden  Könige  hatten  seine
Hülfe  zu  sehr  nöthig,  um  sich  für  Beleidigungen  wegen  versagter
  Hülfe  rächen  zu  können.  Leider  muß  man  es  in  des  Ordens
  Geschichte  bemerken,  daß  er,  oft  selbst  mit  Ungerechtigkeit,
immer  dem  Könige  anhing,  der  nachher  sein  Henker  wurde.