47
Jeit muß das Verderbniß bei dem Orden nicht allgemein
gewesen seyn; höochstens, wenn sich etwas annehmen
läßt, Verderbniß einer einzelnen Provinz; und doch kann man
mit Grund so schließen, war er in Palästina nicht verderbt,
so war er es im kälteren europäischen Clima noch weniger.
Wenn dem Großmeister in Palästina keine Vorwürfe gemache
werden konnten, viek weniger noch den Groß-Prioren in einzelnen
europäischen Reichen, weil der Orden monarchisch war,
alle die Groß-Prioren den Großmeistern viel strenger subordinirt
waren, als bei dem Johanniterritter-Orben.
Unmöglich konnte der Orden in Cypern bleiben; auf
einer so kleinen Iusel zwei Ritter-Orden, unter einem so kleinen
Kdnig, der habsüchtig, tprannisch, argwöhnisch war; aber
das ließ sich auch voraussehen, daß, wohin das Haupt desselben
sich zog, es einige Revolutionen geben muͤsse.
Bisher waren sie in Paläsiina gewohnt gewesen, nebst den
Johanniterrittern Könige ab= und einzusetzen. Sollte der Ritter,
der in Palästina kommandirt hatte, in Europa sich so
ganz geduldig unter das drückende Joch des Königs schmiegen?
In welches curopäische Königreich er sich als in sein
Centrum schließt, muß es Revolution geben. Bisher waren
die Ritter beschäftigt. Oft, wenn die größte Erisis bevorsiand,
der Feind einrückte, ging Alles gegen den Feind. Jetzt
haben sie keine Beschäftigung. Theils trug dieß zur Verachtung
des Ordens, theils auch zu seinem Verderben bei.
Er war bisher gewohnt gewesen, selbst auch in Palaͤstina
mit den Königen von Frankreich und England aus Gelegenbeit
der Kreuzzüge zu spielen. Die beiden Könige hatten seine
Hülfe zu sehr nöthig, um sich für Beleidigungen wegen versagter
Hülfe rächen zu können. Leider muß man es in des Ordens
Geschichte bemerken, daß er, oft selbst mit Ungerechtigkeit,
immer dem Könige anhing, der nachher sein Henker wurde.