Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Zehnter Band. (10)

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Tragödie  wird  in  England  wiederholt.  Auch  an  einem
Tage,  in  einer  gewissen  Stunde  werden  fast  alle  Ritter  (einige
waren  entflohen)  gefangen  genommen.  Nun  sollte  die  Untersuchung
  anfangen,  es  sollten,  an  zwei  Orten  in  Frankreich
zwei  Untersuchungen  angestellt  werden.

Man  muß,  um  sie  richtig  anzusehen,  für  die  ganze
Untersuchung  sich  folgende  Hauptpunkte  merken:

1)  Die  ganze  Untersuchung  war  völlig  verkehrt,
  verkehrter  als  jede  andere  in  einem  solchen  Falle  gewöhnliche
  Untersuchung.  —  Bei  jeder  andern  gebraucht  man
alle  Mirtel,  sey  es  auch,  nach  damaliger  barbarischer  Sitte,
Tortur,  das  Geständniß  der  Verbrechen  herauszubringen,  um
auf  das  Geständniß  Todes=  oder  andere  Strafurtheile  zu  gründen;
  hier  aber  werden  alle  nur  ersinuliche  Mittel  und  besonders
  die  härteste  Tortur  gebraucht,  zwar  auch  um  Geständnisse
des  Verbrechens  herauszubringen;  wer  aber  gestand,  bekam
Freiheir,  sogar  Gnadengehalt,  und  nur  der,  der  nicht  gestand,
  ward  zum  Tode  verurtheilt.  Auf  Jeden  operirten  also
immer  zwei  Momente,  um  zum  Lügner  zu  werden;  nämlich
er  mußte  sterben,  wenn  er  nicht  log,  und  die  Tortur
  dauerte  so  lange  fort,  bis  er  log.  Man  muß
hier  mit  Recht  aus  dem  Widerruf  der  Ritter  nach  überstandener
  Tortur  schließen:  Einem,  der  darauf  bestand,  daß  der
Orden  unschuldig  sep,  kann  man  glauben;  die  äußersie  Marter
  und  der  Tod  waren  ihm  gewiß.

2)  Die  Ingquisition  war  so  tumultuarisch
als  moͤglich.  —  Ueberhaupt  war  zwar  damals  Eriminal-Jurisdiktion
  nicht  so  cultivirt,  wie  im  achtzehnten  Jahrhundert;
  man  muß  also  Vieles  abrechnen,  was  uns  tumultuarisch
zu  seyn  scheint;  aber  doch  sehr  tumultuarisch  war's,  daß  die
Untersuchung  durch  lauter  Feinde  der  Tempelherrn  geführt
wurde.  Keinem  Ritter  wurde  das  Protokoll  vorgelesen;.