Metadata : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

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(kommen);  déem  volk  kann  weder  wasser  bei  noch  feuer
Schiller  Tell  4,  3;  das  lugen  ist  für  uns  geringe  leute,
wir  können  oft  nicht  darüber  hin  Immermann
Münchh.  2,  32;  nicht  umhin  können,  etwas  zu  thun;
ich  kann  nicht  anders  (thun.  handeln),  u.  ä.  4)  einzelne
Verbalformen  in  besonderem  Gebrauch;  der  Inf.  als
subst.  Neutr.:  all  unser  wissen  und  können;  mein
können  und  vermögen  Goethe  W.  Meister  6;  am  können
ist  nicht  zu  zweifeln,  aber  am  wollen;  andere  Formen:
kann  und  gluck  kommt  auch  ins  spiel  Div.  4,  16;  als
ersonnener  Eigenname:  berrn  Kannicht-Willnicht  ebd.;
Cin  kannicht,  In#polens,  ewetus,  ein  kannichts,  ĩgnorans
Stieler;  herr  Pineisz  war  ein  kann-alles,  welcher
hundert  ämtchen  versah  Keller  Seldw.  1,  261;  das
Part.  könnend  als  Adj.,  =  kundig,  wissend,  in  älterer
Spr.:  got  und  der  natur,  himmels,  ertreich  und  hel
kunnend  Aventin  1,  326.

Konterfei,  n.  Nachgemachtes,  Nachbild,  aus  dem
franz.  contrefeit  (mlat.  contratactum)  entlehnt,  schon
mhd.  als  kunterleit,  gunterkeit;  zunächst  Wort  der
Schmelzkunde,  Nachbildung  oder  Legierung  des  Goldes
oder  eines  anderen  Edelmctalles  bezeichnend:  electrum
contervey,  conterfei,  euntervey,  gundertei  u.  ähnl.  Dief.;

Konterfei  —  Kopf.

daher  —  Fälschung,  Nachgemachtes:  swaz  iemen  seit,
wazg  minne  si,  da  ist  underwilen  cunterfeit  bi  Minnes.
3,  4185;  conterfei  als  Zinnlegierung  Henisch;  —
später  —  Nachbildung,  Abbildung:  conterfeit,  contrafect,
  conterfeit,  conterreitung,  ein  bildnusz  von  einem
andern  abgemacht  ebd.;  in  dieser  Bed.  bis  in  die  neuere
Spr.  geblieben,  jetzt  veraltend:  das  ist  ja  das  leibhafte
konterkei  vom  jungsten  tage  Schiller  Räub.  5,  1;
manch  heilig  konterlei  Grillparzer  2,  14.  —  konterfeien,
  nachbilden,  abbilden,  vgl.  abkonterfeien.

Köper,  m.  besondere  Art  zu  weben,  so  daß  die  Fäden
des  Einschlags  die  der  Kette  schräg  durchkreuzen;  auch
das  so  gewebte  Zeug.  Kunst  und  Name  aus  den
Niederlanden  übernommen,  niederl.  keper,  auch  Balkenverkröpfung
  und  Vertäferung,  Sparren  im  Wappen;
früher  auch  keper  geschrieben  (Frisch).  —  köpern,  einen
Köper  weben:  geköpertes  zeug.

Kopf,  m.  Trinkgefäß,  Becher,  Hirnschale,  Haupt  bei
Menschen  und  Tieren;  ahd.  coph,  chopf,  chof  nur  —
Becher,  mhd.  kopf  Becher  und  Hirnschale,  mud.  kop
ebenso,  altengl.  eopp  Becher,  Gefäß,  altnord.  koppr
Becher,  kleineres  Geschirr,  dunkler  Abstammung;  daß  es
Lehuwort  aus  lat.  cuppa,  Tonne,  später  Trintschale  sei,
ist  ganz  unwahrscheinlich,  vielmehr  haben  wir  deutsche
Herkunst  und  nur  zufälligen  Anklang  an  das  lat.  Wort
anzunehmen.  Plur.  in  alter  Spr.  ohne  Umlaut  (ahd.
coppha,  mhd.  kopfe),  später,  mhd.  uhd.  köpfe.  Bed.
1)  Becher,,  Trinkschale:  silberine  napphe.  guldine  copphe
Genes.  34,  42;  auch  noch  im  älteren  Nhd.:  ein  kopt  von
silber  oder  golt  BWaldis  Esop  4,  d2;  schöpfen  den
osterwein  ausz  hohen  köpfen  Garg.  183;  nam  ein  doppelten
  übergulten  kopf  (Doppelbecher)  Wickram  Nachb.
20b;  als  Maß:  einen  kopf  vollen  pirs  D.  Städtechr.
2,  510b;  muhlenkopf,  ½16  Scheffel  Getreide,  als  Mahllohn
  dem  Müller  gegeben,  niederd.  mölenkop  Schambach;
  jetzt  verschollen  und  nur  noch  erhalten  in  tassenkopf
  (köpfchen),  pfeifen  kopf,  schröpfkopf;  man  sol  im
auch  köpf  setzen  und  schröpfen  Ortolf  37b5.  2)  die
Bed.  der  Hirnschale,  die  sich  im  Mhd.  aus  jener  ursprünglichen
  der  Trinkschale  übertragen  zeigt  (zerschröten
kopf  und  ouch  daz  hirn  Minnes.  3,  2938),  entwickelt
sich  bald  zu  der  heutigen,  anfangs  in  niedriger  Spr.,
später  mehr  und  mehr  allgemein,  so  daß  der  früher
dafür  geltende  Ausdruck  haupt  (s.  d.  1)  zurückweicht  und
jetzt  auf  feierliche  und  gewählte  Rede  eingeschränkt  ist;
an  allen  Lebewesen:  kopf  an  menschen,  tieren,  insekten;
Gegensatz  kopf  und  fusze;  hünd  und  füsze  und  kopf
und  h  —  —  die  sind  dein  Goethe  Faust  1;  bei  Tieren

kopf  und  schwanz:  in  einer  Reihe  von  Formeln,  die

Kopf.  432
Richtung,  Bewegung,  auch  Eile  und  Unordnung  zeichnen:
vom  kopf  bis  zu  den  füszen;  zu  kopfe  jemandes  hängt
etwas,  dafür  auch  im  Plur.,  wie  zu  häupten:  bei  meines
bulen  kopfen  da  stet  ein  güldner  schrein  Goedeke-Tittmann
  viederb.  57;  etwas  wächst  uber  den  kopf:
Franzosen,  welche  der  regierung  selber  über  den  kopf
zu  wachsen  drohten  Treitschke  4,  49;  bis  über  den
kopf  in  schulden  stecken;  sich  kopf  über  in  ein  wagnis
stürzen;  wie,  wenn  ich  nun  .  den  kopf  zu  oberst
mich  in  diese  grube  stürzte?  Wieland  Wasserkufe  308;
(wie)  des  kaisers  rätte  .  kopf  unter  sich  herabgestürzet
  werden  Schiller  Picc.  4,  5;  da  giengs  kopf
über,  kopf  unter;  damit  ich  Sie  über  hals  uber  kopf
fortschicken  kann  Weiße  kom.  Op.  1,  54;  menschliche
Eigenschaften,  Stimmungen  malend;  von  Ungestümen:
er  leuft  mit  dem  kopf  an  jn  Hiob  15,  26;  Ihr  seid  zu
hitzig  und  wollt  immer  mit  dem  kopf  durch  die  wand
Heyse  10,  305;  Vorsichtige,  Schlaue  ziehen  den  kopf
aus  der  schlinge:  den  kopf  leise  aus  der  schlinge  zu
Zichn  CF  Meyer  Jenatsch  337;  von  Zornigen:  schusseln
.  den  köchen  an  den  kopf  zu  werfen  Hauff  2,  125;
oder  auch  nur  Derben:  schlich  mir  Daja  nach  und
warf  mir  ihr  geheimnis  an  den  kopf  Lessing  Nath.
5,  5;  flI  lhr  werft  Euch  ihm  an  den  kopf  Schiller
Picc.  3,  8;  einem  den  kopf  waschen,  derb  sein  Unrecht
vorhalten:  sie  .  wuseh  ihm  den  kopf,  wie  ers  verdient
  hatte  Werke  3,  562;  kehrt  sie  heim  so  wasch
ich  ihr  den  kopf  Heyse  3,  293;  einen  vor  den  kopf
stoszen,  empfindlich  beleidigen  oder  zurückschrecken:  wo
meine  trockne  referentenmiene  vor  den  kopf  gestoszen
hätte  Isfland  Bewußtsein  1,  4;  wie  vor  den  kopf  geschlagen
  ist  der  Erschreckte,  Betäubte:  der  alte  stand
wie  vor  den  kopf  geschlagen  da  Wildenbruch  Nov.
168;  vom  Dummen:  der  ist  auf  den  kopf  gefallen;
ihr  söhnchen  sei  nicht  auf  den  kopf  gefallen  Keller
Seldw.  1,  164;  in  verzweifelnder  Verkehrtheit  sich  auf
den  kopf  stellen,  auf  dem  kopfe  stehen  wollen;  bei
Selbstvertrauen,  Schuldlosigkeit,  Stolz,  Hochmut  den
kopf  hoch  tragen:  wohl  angezogen,  trägt  er  deu  kopf
hoch  Goethe  Rameaus  Neffe  5;  du  könntest  mit  aufgehobenem
  kopfe  gehen  ebd.;  in  Hoffnungslosigkeit,
Niedergeschlagenheit,  Schuldbewußtsein  den  kopf  senken;
also  wurden  die  Midianiter  gedemütiget  ..  und  huben
jren  kopf  nicht  mehr  empor  Richt.  8,  28;  wie  heulen
Sie,  wie  schendlich  hengen  sie  die  köpfe  Jer.  48,  39;
sie  lieszen  die  köpfe  hangen  HHeine  15,  54;  auch
von  Tiefsinnigen:  kan  den  kopf  hengen  und  ernst  sehen
Sir.  19,  23;  bei  heimlicher  Unterredung  und  Beratung
die  köpfe  zusammen  stecken;  die  edelleut  fiengen  an
die  köpf  zusammen  zu  stoszen  Galmy  66  ;  stieszen  die
köpf  zu  cinander  B.  d.  Liebe  353b;  in  Verlegenheit  sich
am  kopte  kratzen  (auch  im  kopfe,  auf  das  Eindringen
der  Hand  in  die  Haardecke  zielend);  verwundernd  sich
an  den  kopf  fassen,  deu  kopf  zwischen  die  hände
nehmen;  zustimmend  mit  dem  kopfe  nicken  bei  Verneinung
  (Schiller  Kab.  1,  2),  in  Bedenken  und  Zweifel
den  kopf  schutteln:  das,  wer  fur  uber  gehet,  sich
verwundere,  und  den  kopf  schuttele  Jer.  18,  16;  der
herr  major  habe  immer  den  kopf  zu  lbrer  regierung
geschuttelt  Schiller  Kab.  3,  1;  in  höchster  Verwunderung
  die  hünde  uber  dem  kopfe  zusammen  schlagen;
in  Demut,  zum  Gruß  den  kopf  entblöszen,  mit  bloszem
kopfe  dastechen;  beim  Abschiede  den  kopf  bedecken;
der  kopf  steht  richtig,  wenn  bei  einem  Menschen  Alles
recht  und  eben  ist:  weil  ich  sahe,  dasz  sein  kopf  recht
stund  Simpl.  1,  339;  einem  den  kopf  zurechtsetzen,
ihn  zur  Ordnung  weisen;  Lebensstrafe  am  kopte  vollzogen:
  den  Bourgognino  lasz  ich  um  einen  kopf
kurzer  machen  Schiller  Fiesko  5,  9;  einem  den
kopf  vor  die  fusze  legen;  sein  kopf  ist  in  gefahr;
den  kopf  wirds  wenigstens  kosten  Schiller  Räub.
1,  2;  dieser  war  anfangs  willens,  die  unterhhndler