Metadata : das Königreich Württemberg. Dritter Band. (4)

Oberamt  Gerabronn.  493

Geognostisches.  Die  höchsten  Punkte  des  hohenlohischen  Plateaus  (gegen
500  w)  bei  Langenburg,  Schrozberg  und  Blaufelden  gewähren  eine  ausgezeichnete  Fernsicht
  bis  tief  in  den  Tauber=  und  Maingrund,  zum  Kagenbuckel,  der  schwäbischen  Alb,
anf  dem  Plateau  selbst  aber  von  Waldenburg  bie  Schillingsfürst,  dem  Fuß  des  Keuperrandes
  entlang;  und  doch  befinden  wir  und  auf  Lettenkohle  und  Muschelkalk,  welche
hier  die  zunächst  vorliegenden,  noch  zum  Bezirk  gehörigen  Keuperhöhen  überragen.  Dies
scht  ganz  besondere  Verhältnisse  im  Gebirgsbau  voraus,  die  sich  nicht  durch  das  Einsallen
  der  Schichten  allein,  vielmehr  nur  durch  das  Auftreten  einer  Anzahl  von  Verwerfungen
  erklären  lassen.  Das  Taggebirge  des  Bezirks  besteht  zum  weitaus  größten
Theil  aus  Muschelkalk  und  der  darüberliegenden  Lettenkohlenformation  mit  einer
schwachen  Lehmbedeckung.  Nur  in  der  fö.  Ecke  Wallhausen—Roth  am  See—Brettach—
Hausen  und  der  Landesgrenze  erheben  sich  die  Gipsmergel  des  Keupers  mit  dem  Schilf.
sandstein  bei  Limbach,  Kühnhardt,  Reubach  und  am  Bügelhof.  Dem  ganzen  Höhenzug
entlang  von  Wallhausen  bis  über  Reubach  hinaus  zieht  sich  ein  schmaler  Streifen
weißer  Sande  mit  rothen  Mergeln,  bunt  durcheinander,  offenbar  ein  zerstörtes  Keupergebirge,
  das  noch  bis  auf  die  Lettenkohle  herunter  reicht  und  in  dem  die  große  Menge
von  Hornsteinen  auffällt.  Das  Vorkommen  von  Hornsteinen  in  Blöcken  bie  zu  einem
Centner  schwer  und  theilweise  mit  so  schönen  Farben,  daß  dieselben  sogar  zu  Schmucksteinen
  verarbeitet  wurden,  wiederholt  sich  überall  auf  der  Ebene  in  dem  älteren  Diluvium
  auf  der  Grenze  zwischen  Lehm  und  Lettenkohle,  z.  B.  auf  dem  Boze  bei  Langenburg,
  auf  dem  Felde  Wallhausen—Bölgenthal  2c.  Aus  dem  Diluvium  von  Kirchberg
stammen  die  im  dortigen  Schloß  aufbewahrten  Knochen  und  Zähne  von  Rhinoceros,
Mammuth,  Pferd,  Hirsch,  Biber,  Höhlenbär;  auch  bei  Bächlingen  fanden  sich  Zähne
vom  Mammuth.  Bei  der  geringen  Mächtigkeit  von  Lehm  und  Lettenkohle  nagen  sich
die  Bäche  schon  in  ihren  äußeren  Spitzen  in  den  Muschelkalk  ein  und  verleugnet  sich
nirgends  das  die  eigentliche  Grundlage  bildende  Kalkgebirge.  Weit  häufiger  als  auf
dem  Plateau  der  Alb  finden  wir  hier  nahezu  in  jeder  Markung  Erdfälle,  die  theils
als  Saug.,  theils  als  Speilöcher  auftreten  und  bei  starken  Regengüssen  oder  zur  Zeit
der  Schnerschmelze  gewaltige  Massen  von  Wasser  aufsaugen  oder  ausspeien  (Gammesfeld
  dc.).  Häufig  ist  ferner  das  Verschwinden  einzelner  Bäche,  die  ihren  Lauf  unterirdisch
fortsezen  und  nicht  selten  erst  in  großer  Entfernung  als  mächtige  Quellen  zu  Tage
treten.  Solche  Quellen,  die  zwar  einen  unterirdischen  Lauf,  nicht  aber  ein  sie  reinigendes
Filder  passiert  haben,  sollten  nicht  zur  Wasserversorgung  von  Ortschaften  benützt  werden.
Mehr  Abwechslung  als  das  Plateau  bieten  landschaftlich,  wie  geologisch  die  Thäler
des  Bezirks.  In  weitausgreifenden  Windungen,  Schlinge  an  Schlinge,  tritt  unterhalb
der  Gaismühle  die  Jagst  in  den  Enkrinitenbänken  in  den  Bezirk  und  berührt  wiederbolt
  das  Anhydritgebirge,  aus  dem  die  Soolquellen  bei  Kirchberg  und  im  Brettachthal
  stammen.  Bei  Hessenau  tritt  die  Jagst  endgiltig  in  das  Gips=  und  Salzgebirge,
bei  Hürden  oberhalb  Langenburg  in  den  Wellenkalk,  die  älteste  Gebirgsschichte  des  Bezirkeo.
  Das  Vorbachthal  erreicht  bei  Oberstetten  das  Anhydritgebirge,  aus  dem,  wie  bei
St.  Wendel  am  Stein  im  Jagstthale  oberhalb  Dörzbach,  die  Kalktufffelsen  von  Niederstetten,
  die  jüngste  geologische  Bildung  des  Bezirks,  stammen.  —  Gesamtfläche  471,23  qkm,
hievon  Alluvium  9,49  =  2,01%  ,  Diluvium  134,46  =  28,53  %  ,  Keuper  25,95  =
5,51  %,  Lettenkohle  216,.71  =  45,99%  ,  Muschelkalk  84,62  =  17,96  %  .  (Baur  in
den  OA.  Beschr.  Crailsheim  1884,  Künzelsau  1883,  Mergentheim  1880).

Flora  I,  471.

Fauna  I,  486.  495.  Jsh.  XIV.  53.  XXXVIII,  208.

Alterthümer.  Ringwälle  bei  Amlishagen,  Rückershagen,  Blaufelden  und
Langenburg.  Zahlreiche  Grabhügel  bei  Brettheim,  Kirchberg  (s.  I,  129.  Ib.  1837  II,