Kriegsmanifefte Preußens und Ofterreichs vom 17. uni. Cuftozza und Liffa. 509
beichäftigt; für Stalien wäre e8 von höcdhftem Wert geiwejen, durch
energifche und glücliche Kriegführung zu bemeilen, daß die Staliener
Landes leijten fünnten. Der preußifche Gejandte von Ufedom legte
dem König Viktor Emanuel und dem Minifter La Marmora einen
fühnen Plan angriffsweilen Verfahrens, einen Stoß ins „Herz“
de3 gemeinjamen Feindes, mit dem Gedanken einer Vereinigung
der beiden Verbündeten in Feindesland und dem Kriegsziel
Wien vor. Allein der König, eine gewöhnliche und jubalterne
Natur, und der General La Marmora, ein tapferer und ehrlicher,
aber befchräntter und mißtrauiicher Mann, der alles Heil zudem nur
von dem franzöfiichen Kaifer erwartete, gingen auf eine fo fühne
See nicht ein. Sie wollten nichts aufs Spiel jeben, da fie
Venedig indgeheim ja ficher zu haben glaubten, und dag Ergebnis
diefer halben Kriegführung war denn auch, daß der unfähige
Führer Ihon am 24. Suni bei Cuftozza eine fchwere Niederlage
erlitt, ducch welche das italienische Heer auf mehrere Wochen zur
Aktion unfähig gemacht wurde. Vier Wochen jpäter, 20. Sul,
erlitt auch feine lotte bei Liffa einen Schlag, jo daß die italienische
Hilfe in dem ganzen Kriege fich darauf beichränfte, daß Bfterreich
einen Zeil feines Heere3 auf diefer Seite im Felde zu halten gezwungen
war.
Ganz andre, wunderbare Dinge, erlebte man auf den deutichen
Kriegzichauplägen. Hier war Preußen vom erjten Tage an im
Vorteil, weil e8 mit einem flaren politifchen Programm und nach
einem wohldurchdachten militärifchen Plan vorging, während Sfterreich
ohne jolches Programm in der Deutichen Frage war und
nur ein fehr allgemeines veaftionäres Ziel im Ange hatte. Das
mußte fich alles finden, wenn man erjt in Berlin als erftem und
legtem Kriegsziel angelangt war. In der Tat griff auf preußifcher
Seite alles aufs beite ineinander, Bolitif und Krieg, ein ent-Ichlofjener,
charaftervoller, verjtändiger König, ein überlegener
Volitifer und ein ebenfo unvergleichlicher Stratege, der Chef des
Generalftabs Helmut von Moltfe, der, in feiner Bedeutung