152 Der Feldzug im Osten vom 21. Febr. bis 25. April 1915
am Wege liegen, ehe man den Feind erreichte. Zu Fuß führten Generäle
und Offiziere die Truppen gegen die russischen Schanzen. Zwischen Kczywcza
und Medyka kam es zum Kampf. Es war ein aussichesloses Beginnen. Als
die Osterreicher nach dreistündigem Gefecht den Rückzug antraten, lag der
fünfte Mann im Blute. Die Russen folgten dem weichenden Feind auf
dem Fuße und schrikten zum Sturm.
Kusmanek meldete seinem Kaiser den unglücklichen Ausgang des Kampfes,
sprengte Werke, Brücken und Arsenale in die Lufe und empfing die Stürmer
mit Gewehr und Bajonett. Im Handgemenge warf er den Feind zum drieten-
mal von den bestürmten Wällen und hielt die Außenfesten noch bis zum
22. März fest. Dann zog er die Besahungen im Schute der Nacht
ins Innere der Festung zurück und befahl ihnen, die Waffen nieder-
zulegen. Um 4 Ubr in der Frühe rückten die lehten Verteidiger aus den
Festen. Die Pioniere legten Feuer an die Zündschnüre. Kurz nach 5 Uhr
flog das Nordsort Dunkowiczki in die Luft, ihm folgte das Südfork Siedlicka.
folgten die Werke von Nawajora und Liponica, folgte der ganze Kranz von
Schanzen und Redouten, folgten die mit Ekrasic geladenen und mit Sand
verslopften Riesengeschüce und die Brücken, Stapel und Kassen. Die ge-
waltigen Sprengungen erschücterten das Sanbecken wie ein Erdbeben und
rollten im Widerhall brüllender Donnerschläge nach Wefségalizien in die
Karpatben. Ihr Ausklang traf das Ohr der kämpfenden Armeen. Bei
Baligrod und Zboro und an der Sekowa kündeten die verhallenden Donner
den mit der Lbermacht ringenden ssterreichisch-ungarischen Armeen das
Ende Drzemysis.
Kusmanek hatte darauf verzichtek, Berhandlungen einzuleiten und Schu-
walow einfach mitteilen lassen, daß er die Festung wegen Hungers nicht mehr
halten könne und alles übrige der Nieterlichkeit des Gegners anheimstelle.
44000 Sereiter, 28000 Kranke und 45000 Nichtkämpfer zogen in russische
Gefangenschaft.
Die Karpathenschlacht
Die Meldung vom Falle Orzemysls rief im russischen Haupcquartier
schrankenlose Hoffnungen wach, denn sie war von Botschaften begleitet, die
eine völlige Amkehrung der Kriegslage in Aussicht stellten. In den Karpakhen
wälzte sich die Schlacht in zähem Fluß über die Laborczahänge und die
Ondawahöhen ins Zarer Komitat, und vor den Dardanellen war eine englisch-
französische Flokcte erschienen, die zu rücksicheslosem Angriff auf die türki.
schen Sperrfesten überging, um einer Landungsarmee den Weg zu bereiten.
Unter solchen Zeichen hielt der Zar zur Feier der Eroberung Trzemysls
ein feierliches Tedeum, schossen die Kanonen der Petker-Pauls-Feste Viktoria,
zogen in Moskau und Petersburg Dank. und Siegesprozessionen durch die