Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Vierter Band. (4)

152 Der Feldzug in Italien vom 22. Mai 1915 bis 30. Dez. 1917 
Inseln, im Dickicht und auf den Steilhöhen des rechten Ufers, fuhr Geschüg 
auf und empfing die Osterreicher mit krästigem Feuer. Bei Pinzano standen 
Reserven und erwarteten den Verfolger auf dem linken Afer zum Kampf. 
Die Jealiener hatten sich bei San Daniele und Ragogna auf dem legten, 
vereinzelt aus der Ebene aufstrebenden Höhenrücken der Voralpen festgesetzt 
und boten den Osterreichern vor der Flußlinie Halt. Die Osterreicher griffen 
mueig an. Von Krauß zur Hergabe der letzten Kraft aufgefordert, führte 
Drinz Schwarzenberg die 55., Gerbarec die 50. Division zum Sturm auf 
Nagogna. Leauis schloß sich dem Angriff an und stürmie am 30. Oltober 
San Daniele. Iwei Tage wurde um den Dagognarücken gerungen, dann 
durchbrachen die Oslerreicher die feindlichen Linien und fegten die Höhen 
bis zum Steilrand des Tagliamento. Der Jtaliener wich Über den bier 
schmäler zusammengepreßten, nur wenig gespaltenen Strom und sprengte 
die wesiliche Hälfte der eisernen Brücke. Während die Schlesier um San 
Daniele rangen, war Steins linker Flügel gegen Spilimbergo vorgerückt. 
Auch hier leisteten die Italiener auf dem Ostufer drei Tage hefstigen 
Widerstand. Am 1. November fiel die Entscheidung. Tutschek stürmte 
den Brückenkopf Bonzicco und warf den Feind über den Strom. 
Unterdessen drangen Berrers verwaiste Divisionen unter der Führung 
des Generals v. Hofacker von Udine in südwestlicher Richtung auf Codroipo 
vor. Es war die Hauptrückzugsstraße des zerschmetterten italienischen Heeres- 
flügels. Cadorna hatte alles, was von Capellos Bainsizzatruppen noch 
fechten konnte, nach Codroipo zurückgerufen und in dem großen strategischen 
Dreieck Udine—Palmonova—Codroipo zwischen Vertiolo, Pozzuolo, 
Lavariano und Mortegliano versammelt, um den Rückzug der 3. Armee 
zu decken. Aber der rasche Fall AUdines, aus dem Viktor Emamuel und sein 
Stab am Abend des 27. Oktober, wenige Stunden vor dem Erscheinen 
Verrers, gestohen waren, hatte die Italiener verhindert, sich bei Codroipo 
einzugraben und den weitgeschwungenen Brückenkopf zu bestücken. Am 
29. Oktober brach der Verfolger von Norden und Osten über sie herein. 
Belows linker Flügel schwentte links, umfaßte Codroipo und griff stürmisch 
an. Below geriet dabei aus seinem Gefechtstreifen in den Boroevics, 
kehrte sich aber zunächst nicht daran, sondern warf sich rücksicheslos auf den 
eingekreisten Feind. Die 5. Division fegte scharf Tm Tagliamento entlang, 
die 26. Division stieß pfellgerade auf Codroipo herab und Scotti ging geraden- 
wegs auf Pozzuolo los. Dadurch wurden die Divisionen des Korps Kossak, 
die auf Boroevics rechtem Flügel fochten und von Osten heranmarschierten, 
nach Süden abgedrängt und gezwungen, über Mortegliano auf Madrisio 
zu rücken, wo 12 Kilometer unterhalb Codroipos und auf halbem Wege 
von Latisana eine Hölzerne Brücke über den Tagliamento führte. Es war 
die einzige Brücke der ganzen Stromstrecke von Gemona bis zum Meere, die 
am 30. Oktober noch unzerstört sktand. Feldmarschalleutnant Goiginger