Full text : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

schlüsse  geboren.  Als  Beispiel  sei  hier  nur  die  staakliche
„Erfassungs“pfochose  genannk  —  die  ausbrach,  als  es
gerade  nichk  mehr  allzuviel  zu  erfassen  gab,  und  deren
Wirkung  zudem  durch  eine  leider  recht  breit  gewordene
und  vielfach  durch  Duldung  geradezu  gezüchkeke  Korrupkion
  zur  Unzulänglichkeit  verdammk  war.

Was  ich  hier  sage,  soll  den  Linksradikalismus  und
seine  Freibenkerei,  seine  parkeimäßige  Kriegsgewinnlerpolikik
  ganz  und  garnicht  von  der  unfühnbaren  Mitschuld
  enklasten,  die  er  am  elenden  Zusammenbrechen
unseres  über  vierjährigen  Heldenkampfes  hat.  Es  soll
ihm  allein  zugeben,  daß  Seelen  nur  gefangen  werden
können,  wenn  Umstände  sie  mürbe  und  gefügig  für  den
Fischzug  eines  gerissenen  Seelenfängers  machten  —  und
daß  die  Stellen,  die  das  Volk  mil  geistiger  und  leiblicher
  Kraft  hälten  speisen,  die  es  vor  dem  Verfalle
seines  Siegerwillens,  seines  nalionalen  Geistes  und  seiner
  gesunden  Körper  häkten  sichern  sollen,  ihm  leider
Wegbereiter  und  Helfer  gewesen  sind.

Schon  zu  Anfang  des  Jahres  17  habe  ich  in  Berlin
im  Gespräche  mit  vielen  einfachen  Leuten  den  Eindruck
gewonnen,  daß  die  Kriegsmüdigkeit  sehr  groß  sei,  und
schon  damals  sah  ich,  wie  das  Berliner  Straßenbild  sich
in  einer  bedrohlichen  Weise  umgestalkek  hatte.  Das,
was  ihm  einst  seinen  Wesenszug  aufgedrückk  hakte,  das
zufriedene  Gesicht  des  miktelständischen  Menschen,  war
verschwunden.  Der  ehrlich  arbeitende  kleine  Bürger,  der
Beamke,  ihre  Frauen  und  Kinder  schlichen  mik  bleichen
Gesichkern,  hohlwangig,  abgemagerk,  in  verbrauchken,  zu
weit  gewordenen  Kleidern.  Sorge  und  Bitterkeit  lagen
auf  den  Gesichtern.  Daneben  machken  sich  die  Topen  des

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