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(8) In Deutschland kamen 1886 bis 1887 unter etwa
4 Millionen Impfungen nur 8 (gemeldete) Todesfälle infolge
von Impf-Erysipel vor. — Uffelmann.
(191) Voigt sah unter etwa 2¼ Millionen Impflingen
19 an Erysipel sterben.
o) Impetigo. Demnach hat diese Form vakzionaler Dermatosen erst
durch mehrere neuerdings aufgetretene Massen-Infektionen
in Wittow auf Rügen, Sydow bei Köslin, Düsseldorf, Eichenwalde-
Posen, Eiderstädt = Schleswig die allgemeine Aufmerksamkeit auf
. sich gezogen. Vereinzelte Impetigo-Fälle verlaufen unter
dem Bilde der Erschöpfung tötlich; in Preußen 1887 4 Stück.
p) Unter den erythematösen vakzinalen Hautentzündungen ist die
Urtikaria eine ziemlich seltene Erscheinung, welcher z. B. Leonh.
Voigt unter 10 000 Impflingen nur 1 mal begegnet ist. Kurz
nach der Impfung, also rein primär, bilden sich an verschiedenen
Körperstellen, zumal an den oberen Extremitäten, dem Rumpf
und Gesicht kleinere oder größere, zuweilen rasch konfluierende
Quaddeln mit leicht gerötetem Saum.
a) Pemphigus (Blasenausschlag). Meist verläuft die Komplikation
1. gutartig, doch sah Franklin Parson gangränöse Wunden zurück-
bleiben und Tod durch Erschöpfung eintreten.
r) Die Lypmphadenitis suppurativa ist nicht sehr häufig; nach
Bohn tritt sie in 5% der Impfungen auf.
s) Die schon erwähnte akute vakzinale Nierenreizung — Nephritis
vaccinosa, wie sie z. B. Falkenheim beschrieben hat, darf als ein
kaum seltenes Symptom bei starker Reaktion nicht mit der
akuten Nephritis verwechselt werden, obwohl sie vielleicht nur
eine leichte Vorstufe derselben und lediglich eine irrelevante
Funktionsstörung darstellt.
Allerdings sind auch die wenigen Fälle echter vakzinaler
Nierenentzündung, welche bisher bekannt wurden — manche sind
gewiß bisher unbeachtet geblieben — günstig verlaufsen
t) Sah doch Voigt bei sehr zahlreichen Impflingen nur Z3mal
Blutvergiftung auftreten. Die Ursache kann eine Primär= und
eine Sekundär-Infektion sein.