Full text: Ereignisse und Gestalten 1878-1918

zösischen Vorbereitungen, denen wir im Interesse der Verteidigung 
des Landes Gleichwertiges entgegenstellen müßten. 
Der Ausbau hatte natürlich stets in erster Linie die Hebung 
und Erleichterung von Industrie und Handel im Auge, deren sich 
ins Ungemessene steigernden Anforderungen damit freilich noch nicht 
genügt wurde, da das große, die Bahnen entlastende Kanalnetz 
fehlte. Der mehr und mehr uns bedrohende Zwei-Frontenkrieg, dem 
bahntechnisch manches, schon aus finanztechnischen Gründen, noch 
nicht gewachsen war, führte aber zu der Notwendigkeit, das militä- 
rische Bedürfnis stärker zu berücksichtigen als bisher. Rußland 
baute mit französischen Milliarden ein enormes Bahnnetz gegen uns 
aus, während in Frankreich rastlos das Aufmarschnetz gegen Deutsch- 
land erweitert wurde durch Ausbau von drei und vier Gleisen, 
was bei uns noch etwas ganz Unbekanntes war. 
Minister Budde ging ohne Säumen ans Werk. Die große 
zweite Eisenbahnbrücke bei Mainz über den Rhein entstand, ebenso 
die Brücke über den Main bei Costheim. Dazu die nötigen Kehren 
und Schleifen, durch welche die Verbindung mit der rechtsrheinischen 
Linie und Wiesbaden erreicht wurde, und der Ausbau des Drei- 
eckes bei Biebrich-Mosbach. Glänzend bewährte sich das Talent 
Buddes in der Organisation und Disziplinierung des zu einem 
großen Heer angewachsenen Eisenbahnpersonals und in seiner vor- 
ausschauenden Fürsorge für seine Untergebenen. 
Ich verehrte den frischen, tätigen Mann von Herzen und be- 
trauerte seinen Verlust tief, als ein tückisches Leiden ihn zu früh 
mitten aus seiner Tätigkeit riß. 
In Exzellenz v. Breitenbach gewann ich einen neuen be- 
deutenden Helfer und Mitarbeiter für meine Eisenbahnpläne. Im 
Laufe der Jahre wuchs dieser Mann sich zu einer hervorragenden 
Persönlichkeit aus. Vornehm und verbindlich, von umfassendem 
Wissen und weitem politischen Scharfblick, großer Arbeitskraft und 
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