zösischen Vorbereitungen, denen wir im Interesse der Verteidigung
des Landes Gleichwertiges entgegenstellen müßten.
Der Ausbau hatte natürlich stets in erster Linie die Hebung
und Erleichterung von Industrie und Handel im Auge, deren sich
ins Ungemessene steigernden Anforderungen damit freilich noch nicht
genügt wurde, da das große, die Bahnen entlastende Kanalnetz
fehlte. Der mehr und mehr uns bedrohende Zwei-Frontenkrieg, dem
bahntechnisch manches, schon aus finanztechnischen Gründen, noch
nicht gewachsen war, führte aber zu der Notwendigkeit, das militä-
rische Bedürfnis stärker zu berücksichtigen als bisher. Rußland
baute mit französischen Milliarden ein enormes Bahnnetz gegen uns
aus, während in Frankreich rastlos das Aufmarschnetz gegen Deutsch-
land erweitert wurde durch Ausbau von drei und vier Gleisen,
was bei uns noch etwas ganz Unbekanntes war.
Minister Budde ging ohne Säumen ans Werk. Die große
zweite Eisenbahnbrücke bei Mainz über den Rhein entstand, ebenso
die Brücke über den Main bei Costheim. Dazu die nötigen Kehren
und Schleifen, durch welche die Verbindung mit der rechtsrheinischen
Linie und Wiesbaden erreicht wurde, und der Ausbau des Drei-
eckes bei Biebrich-Mosbach. Glänzend bewährte sich das Talent
Buddes in der Organisation und Disziplinierung des zu einem
großen Heer angewachsenen Eisenbahnpersonals und in seiner vor-
ausschauenden Fürsorge für seine Untergebenen.
Ich verehrte den frischen, tätigen Mann von Herzen und be-
trauerte seinen Verlust tief, als ein tückisches Leiden ihn zu früh
mitten aus seiner Tätigkeit riß.
In Exzellenz v. Breitenbach gewann ich einen neuen be-
deutenden Helfer und Mitarbeiter für meine Eisenbahnpläne. Im
Laufe der Jahre wuchs dieser Mann sich zu einer hervorragenden
Persönlichkeit aus. Vornehm und verbindlich, von umfassendem
Wissen und weitem politischen Scharfblick, großer Arbeitskraft und
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