Full text : der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

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Abg.  Graf  Westarp  (kons.):  Es  liegen  eine  Reihe  von  Petitionen
vor,  die  sich  mit  den  Maßnahmen  zur  Linderung  der  Kriegsnot  befassen.
Darunter  verdienen  in  erster  Linie  die  besondere  Berücksichtigung,  die
darauf  hinzielen,  Hilfe  für  die  elsaß-lothringischen  und  ostpreußischen
Flüchtlinge  zu  schaffen,  damit  sie  möglichst  bald  ihre  Heimat  im  alten
Glanze  und  neuer  Blüte  erstehen  sehen.  Ich  beantrage,  alle  eingegangenen
Petitionen  dem  Herrn  Reichskanzler  zu  übergeben.

Der  Antrag  Westarp  wird  ebenfalls  einstimmig  angenommen.

Präsident  Dr.  Kaempf:  Wir  sind  am  Ende  unserer  heutigen
Arbeit  angelangt.  Ich  darf  mit  besonderer  Genugtuung  feststellen,  daß
die  Einmütigkeit  des  deutschen  Volkes,  die  sich  in  der  Annahme  der
Kreditvorlage  bekundet  hat,  durch  nichts  geschwächt  worden  ist  und  daß
das  deutsche  Volk  dadurch  zu  erkennen  gibt,  daß  es  den  Krieg,  der  uns
aufgezwungen  worden  ist,  fortsetzen  will  bis  zu  dem  Ende,  das  wir  uns
gesetzt  haben.  Niemals  in  der  Weltgeschichte  ist  dem  deutschen  Volke
eine  Koalition  gegenübergetreten  wie  jetzt.  Es  hat  einer  derartigen
Kraftanstrengung  bedurft,  wie  sie  das  deutsche  Volk  hat  in  die  Erscheinung
treten  lassen,  einig  in  allen  Parteien,  einig  in  allen  Ständen,  einig
unter  der  Führung  des  Heeres  und  der  Marine  unter  der  obersten
Heeresleitung  Seiner  Majestät  des  Kaisers.  Dies  ist  ein  erhebendes
Moment.  Ich  freue  mich,  daß  wir  alle  nach  dem  4.  August  auch  den
2.  Dezember  erlebten,  der  für  uns  das  Gefühl  der  Größe  des  Deutschen
Volkes  zum  Ausdruck  bringt  wie  nie  zuvor.  Den  großen  Anstrengungen,
die  wir  bisher  gemacht  haben,  werden  weitere  folgen.  Wir  haben  aus
der  Rede  des  Herrn  Reichskanzlers  ersehen,  daß  auch  er  der  Ansicht  ist,
daß  der  Kampf  weitergeführt  werden  muß,  daß  er  noch  nicht  zu  Ende
ist.  Wir  vertrauen  darauf,  daß  die  Kraft  des  Deutschen  Volkes  alles
besiegen  und  alle  Hindernisse  aus  dem  Wege  räumen  wird,  um  das  Ziel
zu  erreichen,  das  wir  uns  gesetzt  haben,  nämlich  das  Ziel,  zu  einem
Frieden  zu  gelangen,  der  uns  die  Möglichkeit  gibt,  für  unsere  Kinder
und  Enkelkinder  dafür  zu  sorgen,  daß  wir  in  Frieden  und  Ruhe  unserer
Aufgabe  in  der  Welt  gerecht  werden  können  und  daß  wir  nicht  gestört
werden  durch  den  frevelhaften  Uebermut  irgend  eines  unserer  Nachbarn.
(Beifall.)  Den  Dank,  den  wir  alle  schuldig  sind  denen,  die  an  diesem
großen  Werke  mitgearbeitet  haben,  habe  ich  bereits  in  meiner  ersten  Ansprache
  zum  Ausdruck  gebracht.  Aber  man  kann  ihn  nicht  oft  genug
wiederholen.  Den  Dank  für  die  Kraftanstrengungen  unseres  Heeres  und
unserer  Marine,  für  die  Anstrengungen  aller  derjenigen,  die  mitgeholfen
haben.  Diese  Anstrengungen  sind  so  grohartig,  daß  es  nicht  möglich  ist,
mit  Worten  den  Dank  abzustatten,  den  wir  alle  ihnen  schuldig  sind.  (Lebhafte
  Zustimmung.)  Ich  glaube,  es  wird  allen  von  Ihnen  klar  sein:  Das
deutsche  Volk  kann  nicht  besiegt  werden,  solange  es  einig  ist,  und  auf
diese  Einigkeit  bauen  wir  als  auf  dem  sichersten  Palladium  unseres
Volkes.  (Lebhafter  Beifall.)

           Reichskanzler  Dr.  v.  Bethmann  Hollweg:

Ich  habe  dem  hohen  Hause  eine  Allerhöchste  Verordnung  mitzuteilen.
  (Das  Haus  erhebt  sich.)  Sie  lautet:
Wir  Wilhelm  von  Gottes  Gnaden  Deutscher  Kaiser  und  König
von  Preußen,  verordnen  auf  Grund  der  Art.  12  und  26  der  Verfassung
mit  Zustimmung  des  Reichstags  im  Namen  des  Reichs,  was  folgt: