Full text : Anschaulich-ausführliches Realienbuch.

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28.  Die  Oder  entspringt  auf  dem  mährischen  Gesenke,  nimmt  ihren  Lauf  durch
Schlesien,  Brandenburg  und  Pommern  und  mündet  in  das  Stettiner  Haff.  Bei
Ratibor  wird  sie  für  kleine,  bei  Oppeln  für  große  Kähne  schiffbar.  Ihr  Ge—
fälle  ist  besonders  in  Schlesien  bedeutend.  Wenn  im  Frühjahre  der  Schnee  auf
den  Sudeten  schmilzt,  dann  führen  ihr  die  zahlreichen  Nebenflüsse  auf  der  linken
Seite  große  Wassermassen  zu,  so  daß  sie  schnell  anschwillt.  Daher  ist  die  Oder
überall,  wo  die  Ufer  flach  sind,  durch  gewaltige  Deiche  eingeschlossen.  Bei  Küstrin
beginnt  der  Oderbruch.  Dieser  Landstrich  war  früher  ein  Sumpfland.  Er  ist
zur  Abführung  des  Wassers  mit  Kanälen  durchzogen  und  wegen  seines  üppigen
Wiesenwuchses  ganz  vorzüglich  zur  Viehzucht  geeignet.  Nebenflüsse  der  Oder  auf
der  linken  Seite  sind  die  Glatzer  Neiße,  die  Katzbach  (Schlacht  1813),  der
Bober  und  die  Lausitzer  Neiße.  Nebenflüsse  auf  der  rechten  Seite  sind  die
Malapane,  die  Bartsch  und  die  Warthe  mit  der  Netze.  Der  Lauf  der
rechtsseitigen  Nebenflüsse  ist  sehr  langsam,  ihre  Ufer  sind  meist  flach.  Vor  ihrer
Mündung  erweitert  sich  die  Ober  zum  Stettiner  Haff,  das  durch  3  Ausflüsse,
Peene,  Swine  und  Dievenow  (difeno),  mit  der  Ostsee  in  Verbindung  steht.

29.  Die  Elbe  entspringt  auf  dem  Riesengebirge.  Sie  entsteht  aus  einer  Anzahl
  kleiner  Bäche,  die  aus  sogenannten  Brunnen  abfließen  und  sich  zu  dem  „Elbbach“
  vereinigen.  Dieser  bildet  gleich  anfangs  viele  Wasserfälle  und  stürzt  dann
plötzlich  als  majestätischer  Elbfall  über  einen  60  m  hohen  Felsen  in  den  wildzerklüfteten
  Elbgrund.  Durch  eine  Wildnis  von  Moor  und  Granitblöcken  eilt  dann
die  Elbe  tosend  das  Gebirge  hinunter,  geht  in  einem  großen  Bogen  durch  Böhmen,
fließt  hier  an  Königgrätz  vorbei  und  nimmt  weiterhin  die  Moldau  und  Eger
auf.  Wo  sie  den  böhmischen  Gebirgskessel  verläßt,  durchbricht  sie  das  Elbsandsteingebirge,
  die  „sächsische  Schweiz“.  Dann  tritt  sie  in  den  Thalkessel
von  Dresden.  Bei  Meißen  drängt  sie  sich  zum  letztenmal  durch.  Granitfelsen
hindurch,  um  dann  ins  Tiefland  einzutreten.  Hier  nimmt  sie  links  die  Mulde
und  die  Saale  mit  der  Bode,  rechts  die  schwarze  Elster  und  die  Havel  mit
der  Spree  auf.  Das  rechte  Elbufer  ist  meist  sandig  und  unfruchtbar,  das  linke
aber  reich  an  fetten  Wiesen  und  gesegneten  Fruchtfeldern.  Die  fruchtbarste  Gegend
hier  heißt  die  Magdeburger  Börde.  Von  Torgau  an  werden  die  Ufer  so
flach,  daß  der  Fluß  die  aufgeworfenen  Deiche  im  Frühlinge  oft  durchbricht  und
die  angrenzenden  Felder  und  Dörfer  überflutet.  80  km  unterhalb  Hamburg
mündet  die  Elbe,  15  km  breit,  bei  Kuxhaven  in  die  Nordsee.

30.  Die  Weser  entspringt  unter  dem  (gleichbedeutenden)  Namen  Werra  auf
dem  Thüringer  Walde.  Bei  Münden  nimmt  sie  die  Fulda,  die  vom  Rhöngebirge
kommt,  auf  und  durchströmt  nun  unter  dem  Namen  Weser  das  Weserbergland.
Oberhalb  Minden  verläßt  sie  das  Weserbergland  und  tritt  hier  durch  die  „westfälische
Pforte“  in  das  norddeutsche  Tiefland  ein.  Hier  nimmt  sie  rechts  die  Aller  (mit
der  Oker  und  Leine)  auf  und  fließt  dann  an  der  Seehandelsstadt  Bremen
vorüber.  Bald  verbreitert  sich  der  Strom  und  bildet  zahlreiche  Inseln,  bis  er
endlich  bei  Bremerhaven  in  die  Nordsee  einmündet.

31.  Der  Rhein.  a)  Der  Oberrhein.  Der  Rhein  entsteht  aus  mehreren
Gletscherbächen  des  St.  Gotthard.  In  wilder  Unbändigkeit  braust  er  zuerst
zwischen  hohen  Felsen  dahin  und  ergießt  sich  dann  in  den  Bodensee.  Nachdem
er  sich  hier  von  Schmutz  und  Geröll  gereinigt  hat,  wendet  er  sich  nach  Westen
und  stürzt  bei  Schaffhausen  über  25  m  hohe  Felsen  hinab.

b)  Der  Mittelrhein  beginnt  bei  Basel  und  reicht  bis  Bonn.  Bei  Basel
wendet  sich  der  Rhein  nördlich  und  durchfließt  die  oberrheinische  Tiefebene.  Sie
wird  im  Osten  vom  Schwarzwalde  und  Odenwalde,  im  Westen  vom  Wasgau
  eingeschlossen.  Bei  Mainz  empfängt  der  Rhein  den  Main,  dessen  Richtung  er