— 92 —
28. Die Oder entspringt auf dem mährischen Gesenke, nimmt ihren Lauf durch
Schlesien, Brandenburg und Pommern und mündet in das Stettiner Haff. Bei
Ratibor wird sie für kleine, bei Oppeln für große Kähne schiffbar. Ihr Ge—
fälle ist besonders in Schlesien bedeutend. Wenn im Frühjahre der Schnee auf
den Sudeten schmilzt, dann führen ihr die zahlreichen Nebenflüsse auf der linken
Seite große Wassermassen zu, so daß sie schnell anschwillt. Daher ist die Oder
überall, wo die Ufer flach sind, durch gewaltige Deiche eingeschlossen. Bei Küstrin
beginnt der Oderbruch. Dieser Landstrich war früher ein Sumpfland. Er ist
zur Abführung des Wassers mit Kanälen durchzogen und wegen seines üppigen
Wiesenwuchses ganz vorzüglich zur Viehzucht geeignet. Nebenflüsse der Oder auf
der linken Seite sind die Glatzer Neiße, die Katzbach (Schlacht 1813), der
Bober und die Lausitzer Neiße. Nebenflüsse auf der rechten Seite sind die
Malapane, die Bartsch und die Warthe mit der Netze. Der Lauf der
rechtsseitigen Nebenflüsse ist sehr langsam, ihre Ufer sind meist flach. Vor ihrer
Mündung erweitert sich die Ober zum Stettiner Haff, das durch 3 Ausflüsse,
Peene, Swine und Dievenow (difeno), mit der Ostsee in Verbindung steht.
29. Die Elbe entspringt auf dem Riesengebirge. Sie entsteht aus einer Anzahl
kleiner Bäche, die aus sogenannten Brunnen abfließen und sich zu dem „Elbbach“
vereinigen. Dieser bildet gleich anfangs viele Wasserfälle und stürzt dann
plötzlich als majestätischer Elbfall über einen 60 m hohen Felsen in den wildzerklüfteten
Elbgrund. Durch eine Wildnis von Moor und Granitblöcken eilt dann
die Elbe tosend das Gebirge hinunter, geht in einem großen Bogen durch Böhmen,
fließt hier an Königgrätz vorbei und nimmt weiterhin die Moldau und Eger
auf. Wo sie den böhmischen Gebirgskessel verläßt, durchbricht sie das Elbsandsteingebirge,
die „sächsische Schweiz“. Dann tritt sie in den Thalkessel
von Dresden. Bei Meißen drängt sie sich zum letztenmal durch. Granitfelsen
hindurch, um dann ins Tiefland einzutreten. Hier nimmt sie links die Mulde
und die Saale mit der Bode, rechts die schwarze Elster und die Havel mit
der Spree auf. Das rechte Elbufer ist meist sandig und unfruchtbar, das linke
aber reich an fetten Wiesen und gesegneten Fruchtfeldern. Die fruchtbarste Gegend
hier heißt die Magdeburger Börde. Von Torgau an werden die Ufer so
flach, daß der Fluß die aufgeworfenen Deiche im Frühlinge oft durchbricht und
die angrenzenden Felder und Dörfer überflutet. 80 km unterhalb Hamburg
mündet die Elbe, 15 km breit, bei Kuxhaven in die Nordsee.
30. Die Weser entspringt unter dem (gleichbedeutenden) Namen Werra auf
dem Thüringer Walde. Bei Münden nimmt sie die Fulda, die vom Rhöngebirge
kommt, auf und durchströmt nun unter dem Namen Weser das Weserbergland.
Oberhalb Minden verläßt sie das Weserbergland und tritt hier durch die „westfälische
Pforte“ in das norddeutsche Tiefland ein. Hier nimmt sie rechts die Aller (mit
der Oker und Leine) auf und fließt dann an der Seehandelsstadt Bremen
vorüber. Bald verbreitert sich der Strom und bildet zahlreiche Inseln, bis er
endlich bei Bremerhaven in die Nordsee einmündet.
31. Der Rhein. a) Der Oberrhein. Der Rhein entsteht aus mehreren
Gletscherbächen des St. Gotthard. In wilder Unbändigkeit braust er zuerst
zwischen hohen Felsen dahin und ergießt sich dann in den Bodensee. Nachdem
er sich hier von Schmutz und Geröll gereinigt hat, wendet er sich nach Westen
und stürzt bei Schaffhausen über 25 m hohe Felsen hinab.
b) Der Mittelrhein beginnt bei Basel und reicht bis Bonn. Bei Basel
wendet sich der Rhein nördlich und durchfließt die oberrheinische Tiefebene. Sie
wird im Osten vom Schwarzwalde und Odenwalde, im Westen vom Wasgau
eingeschlossen. Bei Mainz empfängt der Rhein den Main, dessen Richtung er