Full text : Der Weltkrieg 1914.

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welche  monatlich  drei,  zwei  und  eine  Mark  zu  entrichten
hatten,  von  welchen  Anordnungen  die  St.  Pauli-Vorstadt
abgesondert  war,  die  aber  nicht  minder  streng  beaufsichtigt
wurde.  Außerst  zahlreich  waren  die  Straßen,  in  denen  der
Venus  gehuldigt  wurde;  die  feinste  unter  denselben  war  die
Schwiegerstraße,  in  welcher  mehr  Ordnung  und  Reinlichkeit
und  mehr  Schutz  gegen  Ansteckung  herrschte.  Dann  ging
es  in  anderen  Straßen  stufenweise  abwärts  und  immer
gemeiner  zu,  bis  am  Ende  die  schmutzigsten  und  rohesten
Matrosen  aller  Nationen  die  gewöhnlichsten  Stammgäste  der
baufälligen  und  winklichten  Unzuchthäuser  waren.  Die
Polizei  gestattete  aber  überdies  auch  einzeln  wohnenden
Dirnen  die  Ausübung  ihres  „Berufes“,  dem  sie  entweder
ihre  Gäste  zu  Hause  erwartend,  oder  abends  die  Straßen
durchziehend,  nachgingen.  Es  gab  Unglückliche,  welche  ihrer
Schmach  bis  in  hohes  Alter  (1)  lebten,  und  auch  solche,
welche  dieselbe  zu  Diebereien  benützten.  Umsonst  waren  die
Streifzüge,  welche  die  Poltzei  von  Zeit  zu  Zeit  gegen  diese
Auswürflinge  der  „Civilisation“  unternahm,  um  sie  einzufangen
  und  dem  Strafarbeithause  zu  überliefern.  Inwieweit
diese  Zustände  durch  die  im  September  1876  auf  Anordnung
der  Reichsbehörden  verfügte  Schließung  der  Bordelle  in
Hamburg  und  Altona  eine  Veränderung  erlitten  haben,
darüber  fehlen  uns  Nachrichten.

Die  beiden  ersten  Städte  Sachsens,  Dresden  und
Leipzig,  befolgen  verschiedene  Systeme,  obschon  in  beiden
Bordelle  existieren  und  geduldet  werden.  In  Dresden  besteht
eine  eigentümliche  Praxis.  Es  giebt  dort  offenkundige  Bordelle,
deren  Lage  und  Beschaffenheit  in  der  ganzen  Stadt  bekannt
sind.  Die  Behörden  aber  ignoriren  sie,  d.  h.  sie  gestatten
weder  Bordelle,  noch  anerkennen,  noch  verbieten  sie  solche.
Die  Prostituierten,  ob  sie  in  Bordellen  wohnen  oder  nicht,
stehen  sämtlich  ohne  Unterschied  unter  der  gleichen  Kontrolle,
und  die  Bordelle  werden  nur  als  gemeinschaftliche  Wohnungen