Full text : der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

                                            —  786  —

                              Der  Kaiser  an  den  Reichskanzler.

Seine  Majestät  der  Kaiser  und  König  hat  an  den  Reichskanzler  zu
dessen  heutigem  Geburtstage  folgendes  Telegramm  gerichtet:

„Ich  komme  an  der  Spitze  des  Deutschen  Reiches  heute  zu  Eurer
Exzellenz  mit  Glückwünschen  besonderer  Art!  Um  das  Staatsschiff
durch  die  Stürme  der  Zeit  glücklich  in  den  Hafen  zu  steuern,  dazu
gehört  Glück,  und  dazu  bedient  sich  die  Vorsehung  der  Männer,  welche
fest  und  unerschütterlich,  das  Wohl  des  Vaterlandes  vor  Augen,
zu  kämpfen  wissen,  bis  das  große  Ziel  erreicht  ist.  Unter  diesen
nehmen  Eure  Exzellenz  die  erste  Stelle  ein.  Das  weiß  das  deutsche
Volk,  das  weiß  ich.  Gott  segne  Ihre  Arbeit!

                                                                                              Wilhelm  I.  R.“

Der  Reichskanzler  hat  mit  nachstehendem  Telegramm  geantwortet:

„Eurer  Majestät  bitte  ich,  für  die  große  Geburtstagsfreude,  die
mir  durch  Eurer  Majestät  huldvolles  Telegramm  bereitet  wurde,  aus
tiefstem  Herzen  ehrfurchtsvollen  Dank  sagen  zu  dürfen.  Meine  Eindrücke
  in  Berlin  zeigen  mir  aufs  neue,  daß  das  deutsche  Volk  sich  mit
seinem  Kaiser  eins  weiß  im  Vertrauen  auf  unsere  Kraft,  in  der  Zuversicht
  auf  den  endlichen  Sieg  unserer  gerechten  Sache  und  in  dem
festen  Entschluß,  durchzuhalten,  bis  dieser  Sieg  erkämpft  ist.  Gott
wolle  meine  Bitte  erhören,  daß  ich  meinem  Kaiserlichen  Herrn  und
meiner  Nation  zu  diesem  Siege  an  meinem  Teile  kräftig  mithelfen
  darf.
                          Euer  Majestät  treu  gehorsamer

                                                                    von  Bethmann-Hollweg.“


                  Der  Pour  le  mérite  für  General  v.  Mackensen.

                                                                      Danzig,  30.  November.

Der  Kaiser  hat  an  den  General  der  Kavallerie  v.  Mackensen  folgendes
  Telegramm  gerichtet:

„Die  neunte  Armee  hat  unter  Ihrer  bewährten,  sicheren  Führung
in  schweren,  aber  von  Erfolg  gekrönten  Kämpfen  sich  von  neuem
unübertrefflich  geschlagen.  Ihre  Leistungen  in  den  verflossenen  Tagen
werden  als  leuchtende  Beispiele  für  Mut,  Ausdauer  und  Tapferkeit
der  Geschichte  erhalten  bleiben.  Sprechen  Sie  das  Ihren  vortrefflichen
Truppen  mit  Meinem  kaiserlichen  Dank  aus,  den  Ich  dadurch  zu  betätigen
  wünsche,  daß  Jch  Ihnen  den  Orden  Pour  le  meérite  verleihe,
dessen  Insignien  Ich  Ihnen  zugehen  lassen  werde.  GEott  sei  ferner
mit  Ihnen  und  unseren  Fahnen.  Wilhelm,  Rer.

General  v.  Mackensen  gibt  dieses  Telegramm  in  einem  Armeebefehl
bekannt  und  fügt  hinzu:  „Ich  freue  mich,  meinen  heldenmütigen
Truppen  eine  solche  Anerkennung  zur  Kenntnis  bringen  zu  können.
Das  Verdienstkreuz  gilt  der  ganzen  neunten  Armee.“  (W.  T.  B.)

Botschafter  Gerard  über  die  amerikanischen  Rüstungslieferungen.

Der  augenblicklich  in  München  weilende  amerikanische  Botschafter
in  Berlin,  Fames  W.  Gerard,  hatte  kürzlich  eine  Unterredung  mit
einem  Mitarbeiter  der  „Münchener  Neuesten  Nachrichten".  Auf  die