Pflege der Schönheit. 201
Denn ohne tiefere, innere Ursachen gibt es keine Veränderungen an der
Oberfläche unseres Körpers.
„Etwas zu bedeuten“ hat also jeder auffallende Zustand, der sich einstellt,
und würden alle die kleinen Anzeichen zur rechten Zeit beachtet und ver—
standen werden, die jeder ernsten Erkrankung vorangehen, dann könnte so
manches übel verhütet, oder durch eingreifende Behandlung wenigstens abgeschwächt
werden.
Darum übe sich besonders das weibliche Geschlecht im Beurteilung der
Mienen und der Gesichtsfarbe anderer, ist ihm doch die Gesundheitspflege der
seinigen anvertraut und kann durch rechtzeitiges Eingreifen weiteren Fortschritten
krankhafter Veränderungen entgegengetreten werden. Durch die Farbe
der Gesichtshaut zeigt sich also die Gesundheit der inneren Organe an; durch
braungelbe Verfärbung Leberkrankheiten, durch bläuliche Herzfehler usw. Gewisse
Falten im Gesicht stellen sich bei dauernden Gemütsverstimmungen
ein, veränderter Ausdruck der Augen bei häufigem Druck im Kopfe, ein
griesgrämiger, leidender Zug bei gewissen quälenden Magenzuständen usw.
Unendlich vieles läßt sich aus den Gesichtern lesen, wenn man das Lesen
recht erlernt hat!
Ein ganz gesunder Mensch hat eine helle, mäßig gerötete Gesichtshaut,
ohne Flecken oder häßliche Falten, freundlichen Glanz der Augen, frische
Lippen. Ein müder Ausdruck („hängende Züge“), Pusteln und Finnen im
Gesichte usw. bezeichnen nervöse Verstimmungen, Verdauungsstörungen, ungenügenden
Stoffwechsel, und wer seine Gesichtshaut gesund und damit schön
erhalten will, muß sich zuerst vor diesen Feinden der Schönheit bewahren.
Nichts macht die Gesichtshaut daher schöner, als häufige Ausflüge ins
Gebirge, Bergsteigen, wobei tüchtig geschwitzt und gründlich geatmet wird,
einfache Diät, ohne Alkohol und Fleisch bei Vorwiegen süßer Früchte und
Schlafen in Lufthütten. Und weshalb? Weil bei solcher Lebensweise ein
Stoffwechsel und eine Sauerstoffaufnahme erzielt wird, die gar keine Ablagerungen
auf der Haut, ungesunde Hautfarbe usw. ermöglicht. Auf solcher
natürlichen und zuverlässigen Grundlage baue man also weiter, und nun
haben wir zuerst die Frage zu beantworten: Wie müssen wir unser Gesicht
reinigen, um die Haut nicht zu schädigen?
Da sie zart und fein ist und ihre Farbe von solcher Bedeutung für unser
Aussehen wird, so ist weder das Wasser gleichgültig, das wir wählen, noch
weniger aber die Seise, die wir benützen. Wir wissen schon, daß hartes Brunnenwasser
auch unsere Haut mit der Zeit ungünstig beeinflußt; es kann daher zur Erhaltung
eines guten Teints nur weiches Fluß= oder Regenwasser empfohlen
werden. Man holt es aus dem nahen Fluß oder stellt an sicheren Orten Gefäße
auf, um Regenwasser aufzufangen, läßt dieses dann etwa drei bis vier
Stunden stehen, damit sich alle Unreinigkeiten zu Boden setzen, und schöpft das
klare und reine Wasser behutsam von oben ab. In ein halbgefülltes, nicht zu großes