Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Drittes  Buch
Rettung?

Erstes  Kapltel

-  eutschland  und  seine  Verbündeten  atmeten  auf.  Am
9  tiefsten  und  dankbarsten  aber  atmete  der  geduldige
Atlas  auf,  der  bis  zur  Stunde  dle  schwerste  Wucht  der
Kriegslast  auft  das  deutsche  Heer.  Nun  endlich
hatte  es,  was  ibm  durch  zwel  Jabte  so  bltter  gefehlt:  es  hatte  eine  Fahne.

Ee  hatte  den  Mann,  den  Führer,  an  den  es  glauben  konnte.  Den  es  als
Fleisch  von  selnem  Flelsch,  als  Geist  von  selnem  Gelste  empfand.  Aber  frellich:
dieser  Glaube  durfte  ulcht  enttäuscht  werden.  Dle  Fahne  mußte  zum  Siege
fübren  —  der  Netter  mußte  retten.

So  bedingungslos  war  der  Glaube  Deutschlands  an  seinen  Hindenburg,
daß  der  Jubel  über  seine  Erhöhung  sogar  das  dumpfe  Grauen  überwand,  das
in  den  zwel  Tagen  zolschen  dem  Bekanntwerden  der  rumänlschen  Kriegeerklärung
  und  der  erlösenden  Kunde  vom  Wechsel  in  der  Odersten  Heereoleltung
dle  vier  umstellten  Natlonen  durchschauert  hatte.

HIndenburg  und  Ludendorff  wußten  genau,  wos  das  deutsche  Vaterland,
was  die  drel  Völker,  diesich  an  Deutschlands  Stärke  lehnten,  von  ihnen  erwarteten,
bofften,  forderten.  Und  mit  der  ganzen  wundervollen  Nüchternhelt  und  Klarbeit,
  die  einen  besten  Wesenszug  des  preußischen,  des  deutschen  Offlzierstypus
bildete,  hlelten  sie  Umschau  in  dem  unermeßlichen  Kreise  der  neuen  Pflichten,
die  sich  jählings  auf  ihre  sturmerprodten  Schultern  gesenkt  hatten.

1  loem.  il.  1