Volltext : Die Verfassung und Verwaltung im Deutschen Reiche und Preußen. Zweiter Band. Preußen. (2)

§  57.  Einkommensteuer.  203

Die  Steuersätze  bemißt  der  dem  Gesetze  beigefügte  Tarif  (88  16,
17,  18  n.  F.)  im  allgemeinen  auf  3  vom  Hundert  des  Einkommens.
Dieser  Satz  fällt  jedoch  bei  Einkommen  unter  9500  M.  und  steigt
bei  solchen  über  30  500  M.  bis  zu  einem  Einkommen  von  100  000  M.,
wo  ein  4  prozentige  Besteuerung  eintritt.

Eine  Ermäßigung  der  Steuersätze  tritt  für  jedes  Familienglied
unter  14  Jahren  von  dem  3000  M.  nicht  übersteigenden  steuerpflichtigen
Einkommen  des  Haushaltungsvorstandes  in  Höhe  von  50  M.  ein,
mit  der  Maßgabe,  daß  in  jedem  Falle  eine  Ermäßigung  stattfindet
um  eine  der  im  §  17  vorgeschriebenen  Steuerstufen  bei  dem  Vorhandensein
  von  3  oder  4,  um  zwei  Stufen  bei  dem  Vorhandensein  von  5
oder  mehr  derartigen  Familiengliedern.  Bei  Einkommen  von  mehr
als  3000  M.,  aber  nicht  mehr  als  6500  M.,  wird  der  im  §  17
vorgeschriebene  Steuersatz  ermäßigt  um  eine  Stufe,  wenn  der  Steuerpflichtige
  3  oder  4,  um  zwei  Stufen,  wenn  der  Steuerpflichtige  5  oder
mehr  Kindern  oder  anderen  Familienangehörigen  auf  Grund  gesetzlicher
Verpflichtung  Unterhalt  gewährt  (§  19  n.  F.).  Bei  der  Veranlagung
ist  es  gestattet,  besondere,  die  Leistungsfähigkeit  der  Steuerpflichtigen
wesentlich  beeinträchtigende  wirtschaftliche  Verhältnisse,  z.  B.  außergewöhnliche
  Belastungen  durch  Unterhalt  und  Erziehung  der  Kinder,
Verpflichtung  zum  Unterhalte  mittelloser  Angehöriger,  andauernde
Krankheit,  Verschuldung,  besondere  Unglücksfälle  in  der  Art  zu  berücksichtigen,
  daß  bei  einem  steuerpflichtigen  Einkommen  von  nicht  mehr
als  9500  M.  eine  Ermäßigung  der  Steuersätze  um  höchstens  dreie
Stufen  gewährt  wird  (§  20  n.  F.).

4.  Veranlagungsort  ist  in  der  Regel  der  Wohnsitz  oder  Aufenthaltsort
  des  Steuerpflichtigen  zur  Zeit  der  Aufstellung  der  Personenstandsliste.
  Im  Falle  eines  mehrfachen  Wohnsitzes  steht  dem  Steuerpflichtigen
  die  Wahl  des  Ortes  der  Veranlagung  zu.  Hat  er  von
diesem  Wahlrecht  keinen  Gebrauch  gemacht,  und  ist  die  Veranlagung
an  mehreren  Orten  erfolgt,  so  gilt  nur  die  Veranlagung  an  demjenigen
  Orte,  an  welchem  die  Einschätzung  zu  dem  höchsten  Steuerbetrage
  stattgefunden  hat  (§  21  n.  F.).

Die  Vorbereitung  der  Veranlagung  geschieht  durch  den  Gemeinde-,
Gutsvorstand  mittels  Aufnahme  einer  Nachweisung  der  steuerpflichtigen
Personen,  Gesellschaften,  Genossenschaften,  sowie  Grundbesitzungen  und
gewerblichen  Unternehmungen  unter  Einziehung  der  nötigen  Nachrichten
und  Eintragung  des  mutmaßlichen  Einkommens  in  die  Einkommensnachweisung
  (§§  22—24  n.  F.).  Steuererklärungen.  Jeder
bereits  mit  einem  Einkommen  von  mehr  als  3000  M.  Veranlagte  ist
auf  die  öffentliche,  jeder  andere  auf  besondere  Aufforderung  hin  verpflichtet,
binnen  14  Tagen  bei  Vermeidung  der  im  §  31  angedrohten  Rechtsnachteile,
sowie  der  Strafbestimmungen  des  §  72  eine  Neuerklärung  schriftlich
oder  zu  Protokoll  unter  der  Versicherung,  daß  die  Angaben  nach  bestem
Wissen  und  Gewissen  gemacht  sind,  abzugeben,  welche  den  Gesamtbetrag
  des  Einkommens  getrennt  nach  den  Quellen  angibt,  sowie  das
außerhalb  des  Veranlagungsbezirks  vorhandene  Einkommen  aus  Grundbesitz
  oder  Gewerbebetrieb  und  die  beanspruchten  Abzüge,  bei  unbe-