demokratische Richtung, welche unter Leltung des Fürsten Lwow und später
dee Drofessors Mlljukow zunächst die Geschicke des neuen Freistaates in lhre
Hond genommen hatte, im Zuni einer revolutionär-demokratischen Strömung
weichen, deren Führung der ehrgelzige Hlktator Kerenski übernahm. Ee gelang,
ln für die Fortsetzung dee Krieges zu gewinnen. Die Mittelmächte sahen
sich genötigt, sich auf eine Welterführung dee Krlegee auch im Osten einzurichten.
Sle entschlossen sich zu einem Vorstoß in Richtung Tarnopol und versammelten
Kräfte zu seiner Durchführung.
Oas Wunder war gekommen — aber ee hatte kelne rettende Kraft.
12.
Wer immer in jenen dunklen LCagen genügenden Aberbllck Über die Lage
unseres Volkee besaß, dessen suchendes Auge fand sich aus Nähe und Ferne
immer wleder dorthin zurück, wo in Wahrheit das Herz der Nation schlug: an
die Front. Wie immer der einzelne zum Problem dee Kriegee an sich stebt:
ob er als Anhänger des Machtgedankene, die Überzeugung bege, dah solange
Menschen auf der Erde hausen, sie immer wieder sich
ballen werden, um elnander die mit Lebenegötern gesegneten Abschnitte der
Erdoberfläche in blutiger Auselnandersetzung streltig zu machen — oder ob er
ale Idealist des Frledens- und Versöhnungegedankene dem Tagentgegenträdumt,
da nach Chrisil Wort die gonze Menschheit ein Hirt und eine Herde sein wird,
und Recht und Eintracht ũber die Gewalt triumphieren — der Aubllck elner
Millionenschar von WMännern, die fern von Heimat und Lleben durch Wochen,
Monate und Jahre täglich und stündlich dem Tode die Brust bleten, um die
Heimat und die Lieben vor der Vernichtung zu bewahren, wird sedem Betrachter
Schauer der Ehrfurcht wecken. —
Wenn der Retter retten wollte: hler waren seine Werkzeuge, seine Verbündeten,
seine Kameraden. Ihrem Kampf ein Führer zu seln, ihnen mit dem
Scharfblick des Genies die Zlele zu welsen, das war die Aufgabe, zu der er sich
ein Leben lang im Frleden und durch zwei Jahre voller Wagnisse und Erfahrungen
im Kriege geschult hatte. Er ging ans Werk.
Aber er tat es, mußte es tun aus einer Erkenntuie, aus einem Wissen beraue,
dae für den Zögling des deutschen Exerzierreglemente und der deutschen Kriegeüberlieferung
berelte stärksten Verzicht bedeutete. Die Zeit der Offensive,
des Krleges im freien Felde, sa selbst die Zeit für den großen, ins Freie zlelenden
Ausfall aus der Festung war unwiederbringlich dahln — hätte allenfalls noch
einmal wlederkommen können, wenn das Wumder Erfüllung gebracht, wenn
der polltische Umsturz des Ostens une militärisch Rückenfrelhelt gegeben hätte
Aber auch diese Hoffnung hatte, kaum erblüht, schon wieder begraben werden
müssen. Ee galt nur noch die Abwehr zu organisieren — die Adwehr gegen einen
Ansturm, dem die Erfahrungen zweier Kriegesahre und die Menschenkraft und
Materlalfülle fast der ganzen bewohnten Erde zur Verfügung standen. Von den
drei Angriffswaffen, dle in unserer Hand lagen, war die eine, die Hochseeflotte,
zu schwach und infolge ihrer Alchtanwendung schon ein wenig eingerostet.
Die zweite, das Feldheer, war abgenutzt und schartig, doch lleß sie sich zur Ab-52