Full text: Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Zwölfter Jahrgang. 1896. (37)

212 FKranbreich. (März 31.) 
Pfand für die erste mit der Bank von England abgeschlossene chinefische 
Anleihe und für die russisch-chinesische Anleihe vom vorigen Jahre dienen. 
Die französischen Finanzinstitute, welche übrigens darauf gehalten haben, 
mit den russischen Finanzinstituten im Einvernehmen zu bleiben, haben 
nicht geglaubt, unter diesen Umständen der chinesischen Regierung die Be- 
dingungen anbieten zu können, die sie erwartete und die ihr von englischen 
und deutschen Finanzhäusern gemacht waren. Die dritte Anfrage Bardoux', 
ob es wahr sei, daß China soeben den Sikiang für die europäische Schiff- 
fahrt eröffnet habe trotz der übernommenen gegenteiligen Verpflichtungen, 
beantwortet Minister Bourgeois dahin, es sei seitens der chinesischen Regie- 
rung keinerlei Verpflichtung übernommen worden; es sei nicht nötig, daran 
zu erinnern, daß im übrigen die Oeffnung des Stromes, um die es sich 
handele, wenn sie genehmigt würde, kein besonderes Vorrecht zu gunsten 
einer einzelnen Macht herstellen könne, und daß der Handel Frankreichs, 
welcher so wichtig für Canton sei, von wo die Industrie Lyons ihre Seide 
beziehe, ebenfalls davon Vorteile ziehen würde. In jedem Falle habe die 
Regierung Versicherungen erhalten, nach welchen der Fluß nicht geöffnet 
werden würde, ohne daß Frankreich gleichzeitig für eine französische Ge- 
sellschaft die Genehmigung zur Anlage einer Eisenbahn in das Innere von 
China erhalten würde. 
Gegenüber den Fragen Bardoux', welche Erklärungen der englische 
Parlamentsunterstaatssekretär Curzon bezüglich der madagassischen Zollver- 
hältnisse abgegeben habe, welche Mitteilungen die französische Regierung in 
dieser Frage an die Mächte gemacht und welche Antworten man bekommen 
habe, bemerkt Bourgeois: „Es ist unmöglich, auf eine einfache Anfrage 
hin eine ausführliche Darlegung der Sachlage zu geben. Bei Gelegenheit 
der Beratung der Vorlage über die madagassischen Zollverhältnisse, welche 
jetzt der Deputiertenkammer zugegangen ist, werden dem Senat alle erforder- 
lichen Aufklärungen gegeben werden. Wir haben den Mächten die Besitz- 
ergreifung Madagaskars notifiziert. Die überwiegende Mehrzahl der Mächte 
hat die Mitteilung vorbehaltlos entgegengenommen und den Empfang be- 
stätigt. Nur zwei Mächte haben um ergänzende Mitteilungen ersucht; wir 
sind dabei, die Antwort darauf zu formulieren und zwar im Sinne der 
der Kammer zugegangenen Vorlage über die madagassischen Zollverhält- 
nisse.“ Ueber die egyptische Frage führt Bourgeois aus: „Der Senat 
kennt aus dem Wortlaut der Erklärung, welche Minister Berthelot am 
19. März verlas, die Gesichtspunkte, welche die französische Regierung 
gegenüber dem Antrage Englands, betreffend die Kasse der egyptischen 
Staatsschuld, vom ersten Tage an vertreten hat. Sie wissen, wie, gemäß 
dieser Gesichtspunkte, die Haltung unseres Kommissars gewesen ist. Der 
russische Kommissar hat sich dieser Haltung durchaus angeschlossen. Beide 
haben in vollkommener Uebereinstimmung erklärt, daß die Kommission in 
einer so exzeptionellen politischen Frage inkompetent sei. Da ihre Meinung 
nicht durchgedrungen ist, haben die französischen und russischen Kommissare 
sich zurückgezogen, nachdem sie Protest eingelegt hatten. Ich habe mich 
nicht mit dem gerichtlichen Vorgehen zu beschäftigen, welches eine Gruppe 
französischer Gläubiger gegen die egyptische Regierung und der Kommission 
angestrengt hat. Andrerseits sind die Ansichten Frankreichs zur Kenntnis 
der englischen Regierung gebracht worden und die Besprechungen dauern 
fort. Der Senat wird begreifen, daß es mir nicht möglich ist, ihm augen- 
blicklich vollständige Erklärungen über die Verhandlungen zu geben. Ich 
muß mich vielmehr darauf beschränken, die Versicherung zu geben, daß die 
Verhandlungen unsererseits mit Klugheit und Festigkeit geführt werden. 
Es möge mir ebenso erlaubt sein, daran zu erinnern, daß Frankreich bei
	        
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