Metadata : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

663  Linienblatt  —  link.

linkhändig  —  lints.  664

ein  breiter  graben  umschlosz  die  ganze  verschanzung,)  schiefe  verlauf  solcher  tage  rühre  gewöhnlich  davon
die  linien  wurden  durch  redouten  und  bastionen,  die  her,  dasz  man  frühmorgens  mit  dem  linken  fusz  zuerst
cingänge  durch  halbe  monde  beschutzt  Schiller  8,  268;  aus  dem  bette  gesprungen  sei  Scheffel  Ekkeh.  4;
Landstrich,  der  durch  weite  Feldverschanzungen  verteidigt  Ubles  wird  von  dem  geredet,  dem  das  linke  ohr  klingt;
wird:  dié  linie  an  der  Elbe  Hebel  3,  64;  Unie  im  felde,  was  ich  dir  sag,  ist  alles  wor,  oder  mir  brech  mein

Einteilung  eines  in  Schlachtordnung  gestellten  Heeres,
auch  Ausstellung  der  Truppen  na
einander;  dreitete  sich  der  feind  aus  in  einer  langen
unubersehbaren  linie  Schiller  8,  190;  wir  schossen
und  hieben,  dasz  sie  die  mäuler  verzerrten  und  ihre
linien  zuckten  Goethe  Egm.  1;  —  daher  linie,  Soldaten
  die  zunächst  für  das  Feld  bestimmt  sind,  im  Gegensatz
  zur  landwehr,  die  den  häuslichen  Herd  schirmt,
dann  aber  —  stehendes  Heer.  4)  in  der  Spr.  der  Gewerke:
  bei  Buchdruckern  gleiche  Höhe  der  Lettern,  auch
dünne  oder  lange  Streifen  zum  Durchschießen  oder  beim
Drucke  von  Tabellen;  beim  Zimmermann  die  gefärbte
Schnur,  die  auf  dem  Balken  die  Richtung  des  Hiebes
vorzcichnet,  Richtschnur;  landschaftlich  =  Wäscheleine
(leine  selbst  wahrscheinlich  aus  linea,  vgl.  Sp.  621):
hing  solche  (Wäsche)  einige  tage  auf  linien  Möser
Phant.  1,  126;  auch  —  Seil  eines  Seiltänzers:  während
der  zeit,  dasz  der  seiltänzer  scine  linien  spannte  3,  247.
—  Zusammensetzungen:  Linienblatt,  n.  Blatt  auf  welches

Linienpapier,  v.  mit  Linien  versehenes  Papier,  für

Rechnungen,  Tabellen,  u.  ä.  —  Linienschiff,  u.  Kriegsschiff,
  Schlachtschiff.  —  Liniensoldat,  m.  Soldat  der
Linie  (oben  3).  —  Linientruppe,  k.  Truppe  von  Liniensoldaten.


Linig,  Linien  habend  oder  bildend,  nur  in  Zusammensetzungen
  gerad-,  krumm-,  schräglinig  u.  a.  —  liniiereu,
Linien  ziehen:  liniiere  es  (das  Heft)  sauber  Keller
Werke  6,  55;  in  täglicher  Rede  gewöhnlich  nur  linieren
gesprochen.  «  «

Unk,aufderHerzsettebefindltchznurhochdeutlches,
selten  ins  ältere  Niederdeutsch  reichendes  Wort,  wahrscheinlich
  aus  dem  Rheingebiete  stammend  und  von  da
aus  verbreitet,  einen  anderen  gleichbedeutenden  Ausdruck
  ahd.  winistar,  mhd.  winster  (vgl.  den  Fuhrmannsruf
  wist)  zurückdrängend;  ahd.  Jera  lenk,  lenka  ahd.
Gloss.  1,  202,  mhd.  lenk  und  link,  mit  der  Nebenform
sline;  wahrscheinlich  mit  der  ursprünglichen  Bed.  des
Schrägen,  Verkehrten,  Ungeschickten,  verwandt  mit  altengl.
  slincan  kriechen,  schleichen.  Ein  Komparativ  hat
sich  zu  dem  Worte  nur  ausnahmsweise  gebildet:  mit
der  rechteren  hand  under  dem  linkeren  voet  (Fuß,
niederdeutsch)  Weist.  3,  193;  er  stchet  wieder  auf  dem
linkeren  fusz  (sprichwörtlich)  Schottel  11184;  ein
Superlativ  in  übertragener  Bed.,  vgl.  unten  3.  1)  link,
von  Gliedmaßen,  Körperteilen:  linke  hand,  achsel,  brust,
seite,  linker  fusz,  linkes  bein,  auge,  ohr;  für  linke
hand  auch  substantivisch  die  linke:  seine  linke  liget
untor  meinem  heubte  Hohel.  Sal.  2,7;  dann  er  gern
mit  der  linken  trank,  weil  sie  ist  nah  dem  herzen
Garg.  9;  Richtungsbestimmungen  nach  der  linken  Hand:
das  haus  liegt  von  uns  zur  Unken  hand,  zur  linken;

1.  Mos.  24,  49;  bald  gehn  die  menschen  recht,  bald
auf  der  linken  hand  Opitz  1,  131;  er  wohnt  da  linker
hand  Cronegk  1,  9;  zusammengerückt:  der  (Block)
liegt,  wenn  den  wald  ihr  hinausgeht,  linkerhand
Voß  Idyll.  11,  175;  mit  ihr  verbindet  sich  die  Vorstellung
  des  Verderbens,  Unglücks  (beim  jüngsten  Gericht
werden  die  zur  linken  in  die  Hölle  gewiesen  Matth.
25,  41),  auch  nur  des  Minderwertigen,  zur  linken  hand
geht,  sitzt  der  gesellschaftlich  weniger  Geehrte;  ehe  zur
linken  hand,  vgl.  unter  hand  2;  bei  andern  linken
Körperteilen:  ein  neugebohren  kind  soll  man  nicht  zuerst
  auf  die  linke  seite  legen,  es  wird  und  bleibet
sonst  sein  lebtage  linkisch  Rockenphilosophie  2,  45;  der

der  Breite,  bei
Kriegsschiffen  Anordnung  der  Schiffe  hinter  und  neben

linkes  or  Wickram  Loßb.  Ga;  —  von  Kleidungsstücken
für  die  linke  Seite  eines  Menschen:  linker  schuh,  handschub,
  ärmel;  mein  vater  pflegte  auch  sein  fruhstück
in  die  linke  rocktasche  zu  senken  Immermann
Münchh.  2,  59;  von  Personen,  die  mit  der  linken  Hand
das  verrichten,  was  sonst  mit  der  rechten  gethan  wird;
besonders  in  der  Verbindung  link  sein:  der  war  link
Richt.  3,  15;  linker,  der  die  linke  hand  für  die  rechte
braucht  Dasypodius.  2)  von  Gegenständen,  die  sich
zur  linken  Hand  befinden  (vgl.  1):  die  nicht  wissen
unterschied,  was  recht  und  link  ist  Jona  4,  11;  zur
linken  seiten  gegen  dem  meer  Tob.  1,  1;  an  die  linken
ecken  1.  Kön.  7,  39;  linker  pfeiler;  linker  flügel  cines
hecres;  linkes  ufer  eines  flusses,  dem  Strom  abwärts
Fahrenden  zur  Linken;  linke  seite,  nach  der  Anschauung
des  Altertums  mit  Glückverheißendem  in  Beziehung  gebracht:
  der  donner  läszt  sich  noch,  der  götter  macht
zu  lehren,  zum  zeichen  ihrer  gunst,  von  linker  seite
hören  Cronegk  1,  264;  von  Personen,  die  zur  Linken

Jemandes  sind:  der  linke  ritter  Bürger  der  wilde
Linien  gezogen  sind,  Hilfsmittel  zum  Geradeschreiben.  —

Jäger.  3)  link,  bei  Gegenständen  die  gewendet  werden
können,  die  unschöne,  verkehrte  Seite:  cinen  rock  link
machen,  wenden;  wir  kehren  .  .  den  strumpf  auf  die
linke  seite  Goethe  zahme  Tenien  II;  auf  Sittliches
bezogen,  —  verkehrt,  böse:  doch  ist  syn  herz  an  dir
ganz  link  Brant  Narrensch.  69,  30;  eine  linke  ehe,
im  Volke  —  Concubinat;  in  Bezug  auf  Urteil  oder
Verstand:  das  schaalste,  linkste,  hämischste  urtheil
Lesfing  Dram.  73;  in  Bezug  auf  Benehmen  oder
Verfahren,  unbeholfen:  eine  so  linke  und  gezwungene
art  41;  warum  er  sich  so  link  benahm  Wieland
Kombabus  430.  4)  link,  im  politischen  Leben,  aus  dem
Französischen  der  Restaurationszeit  übernommen,  wo  die
Gegner  der  Regierung  ihre  Sitze  zur  Linken  des  Präsidenten
  wählten,  vielfach  substantivisch  die  linke  dcs
reichstags,  abgeordnetenhauses;  führer  der  äuszersten
linken;  meine  herren  auf  der  linken  seite  Bismarck
Reden  1,  48;  daher  link  —  freisinnig:  die  protestanten
betrachtete  er  duldsam  als  „die  kirche  linker  seite
Treitschke  2,  91.  —  Zusammensetzungen:  linkhändig,
mit  der  linken  Hand  das  machend,  was  sonst  mit  der
rechten  gemacht  wird  (vgl.  link  1  a.  E.).  —  Linktatz,  m.
spottende  Bezeichnung  eines  folchen  Menschen  Frisch.

Linkisch,  an  linker  Stelle,  in  linker  Art:  sinister
linkesch  Dief.;  von  linkhändigen  Personen:  der  linksch
ist,  qui  snistra  man  rectius  utitur  Steinbach;
übertragen  auf  Sittliches  (vgl.  link  3):  linkiseh,  fraudu
lentus,  dolosus,  infidus,  fallaciter,  malite  Stieler:;
jetzt  gewöhnlich  auf  Unbeholfenheit:  die  linkischen  boewegungen
  Gaudy  Erz.  134;  arm  und  linkisch  stund
ich  neben  dir  Heyse  10,  213;  niemals  erhob  sich
sein  linkisches  wescn  zu  jenem  sicheren  selbstgefuhle

Treitschke  4,  637.  —  links,  adverbialer  Gen.  zu  link.
das  ich  mich  wende  zur  rechten  oder  zur  linken

in  vollerer  Form  linkes  sinister  Dief.;  örtlich,  Lage
oder  Richtung  bezeichnend,  Gegensatz  zu  rechts:  etwas
liegt  links;  an  der  links  hangenden  schale  Schiller
Näub.  5,  1;  etwas  links  licgen  lassen,  frei  auch  einen
links  liegen  lasscn,  vgl.  unter  liegen  3;  wie  flogen
rechts,  wic  flogen  links  gebirge,  bäum  und  hecken
Bürger  Lenore;  links  gehen,  sich  links  wenden;  zu
weit  links  sein,  bei  einer  eingeschlagenen  Richtung,  frei
(mit  Bezug  auf  link  verkehrt):  da  bist  du  weit  links,
von  der  richtigen  Meinung  entfernt;  nach  der  Anschauung
  des  Altertums  sind  Zeichen  dieser  Richtung
glückverheißend  (vgl.  link  2):  ob  rechts  die  vögel  fliegen
ocer  links  Schiller  Br.  v.  Mess.  2388;  mit  näheren
Richtungsbestimmungen:  links  her  vom  flusz  sicht  man